Denn Tiere sind keine Maschinen

Schnatterpedia

von Admin, am 21.11.2018.

Das heutige Tagesbild zeigt unseren Ganter Hope mit seiner Partnerin Nicoletta. Oft beschreiben wir unsere Gänse in den Texten als hofinternen Wachdienst, auch ihre Auseinandersetzungen mit den Hofhunden, die inzwischen einen großen Bogen um die gefiederte Schar machen, sind oft genug von uns publik gemacht worden. Dabei sollte man aber nie vergessen, dass Gänse dieses Verhalten nie aus einer Angriffslust heraus zeigen, sondern so nur ihre Familie schützen. Dabei ist es dann egal, ob es sich um Hunde, größere Tiere oder sogar Autos handelt. Gerade Ganter legen geradezu eine Tollkühnheit an den Tag, wenn sie in irgendeiner Form den Kreis ihrer Lieben bedroht sehen.
 
Überhaupt sind Gänse sehr soziale Tiere. Sie gehen Partnerschaften ein, in denen das Hochzeitsmotto „Bis dass der Tod uns scheidet“ tatsächlich mal Sinn macht. Stirbt der Partner oder die Partnerin, trauern sie sehr intensiv. Dieser ausgeprägte Familiensinn geht bereits im Ei los, denn sogar die Küken zwitschern kurz vor ihrer Geburt schon eine Lautfolge, mit der sie sich erkundigen, ob die Elterntiere da sind, die dann mit beruhigenden Geschnatter antworten. Dieser Laut war titelgebend für das letzte Buch des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz „Hier bin ich – wo bist du? Ethologie der Graugans“.
 
Wildgänse besitzen ein überragendes Gedächtnis und können sich deshalb kilometerlange Flugstrecken merken, auf denen sie jedes Jahr vor Wintereinbruch in den wärmeren Süden ziehen. Die domestizierte Hausgans ist dagegen flugunfähig, verfügt aber über so kräftige Beine, dass sie täglich mehrere Kilometer herumlaufen oder in unserem Fall auf Nonstop-Patrouille gehen kann. Diese Tiere verfügen auch über Schwimmhäute und müssen deshalb auch kein Wasserhindernis fürchten.
 
Gänse werden fast einen Meter hoch, können bis zu 20 Jahre alt werden und erreichen ein Gewicht von bis zu 10 kg. Ihre Brutzeit umfasst einen knappen Monat, die Gelege können bis zu 10 Eier enthalten.
 
In der Massentierhaltung werden diese Tiere dagegen nur wenige Wochen alt. In Deutschland ist zwar die Weidehaltung üblich, die verschönert aber erstens kaum den Tod Jahrzehnte vor der eigenen Lebenserwartung, zweitens kommen aber auch nur circa 14 % des Gänsefleisches aus unserem Land. Der Rest wird aus Ungarn, Polen, Frankreich oder sogar China importiert. Dort ist die Intensivhaltung Usus, die Tiere vegetieren in geschlossenen Ställen mit 1.000 Leidensgenossen und mehr vor sich hin. Es gibt sogar Haltungen, in denen die Tiere ohne Bewegungsmöglichkeit in Einzelkäfigen gefangen sind, da das der Mast zugute kommt, weil Tiere ohne Bewegung natürlich noch schneller verfetten. Sie sterben nicht nur für Daunen und ihr Körperfleisch, auch Stopfleberprodukte erfreuen sich nach wie vor hoher Beliebtheit unter herzkalten Möchtegern-Gourmets.

Kategorie: Allgemein

4 Antworten zu “Schnatterpedia”

  1. ellen sagt:

    Herrliche Impressionen – ich finde Gänse auch wunderbar und kann nicht verstehen, wie man so ein hübsches Tier essen kann??????????!!!!!!!!!!!

  2. Wo aus Wu sagt:

    Plant Ihr auch ein Buch über Hühner, Enten & Gänse?

  3. […] vor 3 Tagen haben wir an dieser Stelle einen Schnatterpedia-Beitrag gepostet, den ihr euch hier https://www.stiftung-fuer-tierschutz.de/2018/11/schnatterpedia/ nochmal durchlesen könnt. Damals sind wir euch aber den Beweis schuldig geblieben, dass Gänse […]

  4. Gabriele sagt:

    Gott sei Dank bleibt Euren beiden Schönheiten dieses unfassbar grausame Schicksal erspart. Mich lassen die Gedanken an all die gequälten Tiere auf der Welt kaum in den Schlaf finden. Ich denke dann an Hof Butenland und bin froh, daß Eure Tiere in Sicherheit leben dürfen.

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