Denn Tiere sind keine Maschinen

Der Bauer und der Rundfunkstaatsvertrag

von Admin, am 19.04.2022.


Als Tagesbild liefern wir heute mal ein Bildschirmfoto, das wir im Kommentarstrang des Magazins „ttt“ gemacht haben. https://www.facebook.com/TitelThesenTemperamente/videos/936067613732318/ Im ersten Moment lacht man selbstverständlich darüber, weil es sehr schön die Verzweifelung dokumentiert, mit der Bauern mittlerweile argumentieren. Allerdings bleibt es auch spannend, was der Butenland-Dauerstalker wohl nicht verstanden hat. Entweder hat er keine Ahnung, was der Rundfunkstaatsvertrag beinhaltet oder er hat noch nicht eine Minute vom Film über uns geschaut. Gefühlsmäßig trifft beides zu, aber wir wollen da natürlich nichts unterstellen.

Tatsächlich regelt dieser Vertrag unter anderem die Zeit, die die öffentlich-rechtlichen Anstalten für Werbung investieren dürfen. Es ist aber sehr bezeichnend, dass ausgerechnet ein Bauer sich darüber echauffiert. Wenn sich mal jemand hinsetzen und aufschreiben würde, wie oft am Tag artfremde Muttermilch in Sendungen getrunken wird, Fleisch ohne Hinweis auf den Herstellungsweg gegessen wird und andere auf reiner Ausbeutung basierende Pseudolebensmittel als völlig normales Konsumgut dargestellt werden, dann wäre der Notizblock in Rekordgeschwindigkeit voll.

Der einzige Strohhalm, an den sich die ganze brutale Tierquälereimaschinerie noch klammern kann, ist sogar, wie alltäglich Karnismus in den Medien dargestellt wird. Dieser Begriff „Karnisnus“ wird als unsichtbares System aus Überzeugungen beschrieben, das uns von Kind auf dazu konditioniert, Tiere unnötig umbringen zu lassen und dabei sogar Unterschiede zwischen den Arten zu machen. So etwas würde nie funktionieren, wenn nicht in mindestens jeder zweiten ARD-Sendung ein Kind freudestrahlend seine Gesichtswurst essen würde und in mindestens jeder fünften Ausstrahlung der Veganer als weltfremder Sonderling dargestellt wird. Unter solchen Umständen ist es fast schon mutig, auf den Rundfunkstaatsvertrag in Sachen Schleichwerbung zu pochen. Oder einfach dumm.

Außerdem kommt hinzu, dass „Butenland“ eben kein Werbefilm für unseren Hof ist. Der Regisseur wollte von Anfang an die Lebensgeschichte von Karin und Jan erzählen und dabei auch hinter die Kulissen der Tierausbeutungsindustrie schauen. Das ist ihm hervorragend gelungen und deshalb funktioniert dieser Film auch so grandios. Es wird halt nicht in Dauerschleife gezeigt, wie auf Butenland Tiere gestreichelt werden, es geht um Karins Tierbefreiungsvergangenheit, um Jans Beweggründe, seinen Hof komplett umzuswitchen und mutig in eine damals total ungewissene Zukunft zu starten, es werden Zuchtausstellungen besucht und hinterfragt, und überhaupt ist der Film einfach eine spannende Reise zwischen Aufklärungsdokumentation und zwei beeindruckenden Lebensmemoiren.

Dabei ging es nie darum, Butenland in ein möglichst günstiges Licht zu stellen, der Film sollte vor allem Fragen aufwerfen, ob der industrielle Umgang mit Tieren tatsächlich noch zeitgemäß ist und ob wir diesen Lebewesen nicht doch eher Respekt zu zollen und sie als eigenständige Kulturen wahrzunehmen haben. Das transportieren diese knapp 90 Minuten ganz hervorragend und darüber sollte sich jeder industrielle Tierhalter auch eher Sorgen machen. Und jedes Opfer sollte es als kleinen Hoffnungsschimmer betrachten, was den Film überhaupt so wertvoll macht. Wer den Film noch nicht kennt, bitte hier entlang: https://www.facebook.com/HofButenland/posts/5032290196808861


Kategorie: Allgemein

2 Antworten zu “Der Bauer und der Rundfunkstaatsvertrag”

  1. Marita sagt:

    Da kann ich mir immer nur wieder gratulieren, dass ich nicht in den unsozialen Netzwerken unterwegs bin. Dann brauche ich so einen Schund, mit Unwissenheit gepaart, nicht lesen. Wozu Neid und Mißgunst die Menschen doch antreibt. Selbst wenn der Butenland-Film eine Dauerwerbesendung sein sollte, was bitte schön ist denn so schlimm daran, für freundlicheren Umgang mit Tieren zu werben?

  2. Tine sagt:

    Ich finde es auch – Feste wie Ostern führen es einem wieder mehr vor Augen – so krass, dass Pazifismus und Hoffnung von so viele abgetan werden und egoistischer Genuss über allem steht. An dem System Landwirtschaft ist von der Überdüngung bis zur unbeschreiblichen Tierhaltung fast alles falsch. Ich weiß, dass viele Landwirte selbst unzufrieden sind. Ich bin so froh, dass es wenigstens ein paar Lichtblicke in diesem oftmals demoralisierenden und unterjochenden System gibt. <3

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