Denn Tiere sind keine Maschinen

Tausende Tote bei Brand in einer Mastanlage

von Admin, am 31.03.2021.

Im mecklenburgischen Alt-Tellin hat es gestern Tausende von Tote gegeben, weil ein Großbrand in einer Schweinezuchtanlage ausgebrochen ist. https://www.spiegel.de/panorama/alt-tellin-in-mecklenburg-vorpommern-riesige-schweinezuchtanlage-in-brand-tausende-tiere-verenden-a-cfd95f84-70ca-4d69-a105-ee4f738f8f5a Das allein ist eigentlich schon tragisch genug, aber wenn man sich dann noch über die Hintergründe informiert, dann kann man gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.

Das fängt schon damit an, dass diese Anlage seit Jahrzehnten mit Strafanzeigen überzogen wird. Die Betreiberfirma stellt die Behörden ständig vor vollendete Tatsachen, indem sie bewusst gegen Bauauflagen verstößt. Die Typen fragen gar nicht erst nach Baugenehmigungen, sondern basteln einfach drauf los und halten zum Beispiel 6.000 Ferkel mehr als erlaubt, werden erwischt, zucken dann mit den Schultern und klagen selber. Allein in Sachsen-Anhalt ist die Firma zu 1,2 Millionen Euro Strafgeldern wegen unerlaubter Einrichtungen und Überschreiten der Höchsthaltungsmenge verdonnert worden. Es wurde auch mit der Haltung begonnen, bevor die Anlage fertiggestellt war. Da lagerte man die toten Schweine dann statt in Kühlhäusern in der Sommerhitze, öfters werden dort auch tote Sauen im Müll vor der Anlage gefunden. Trotzdem gab es nie eine Betriebsstillegung, im Gegenteil wurden viele Baumaßnahmen nachträglich genehmigt. https://www.bund-mecklenburg-vorpommern.de/fileadmin/mv/PDF/Entwurf_Hintergrund_Europas_groesste_Sauenanlage-2018-7.pdf Und jetzt bricht in so einer Hölle ein ungeklärter Brand aus? Für diese Aufklärung muss man wohl keinen Spitzenkommissar bemühen, den Fall bekommt auch der Praktikant parallel zum Kaffeedienst unter Kontrolle, fraglich ist nur, ob endlich mal was passiert.

Natürlich ist dieses Unglück auch kein Einzelfall. In der gleichen Anlage erstickten 2019 rund 1.000 Lebewesen wegen einer defekten Lüftungsanlage. 3.000 Schweine starben erst Ende Februar bei einem Großbrand in einer Anlage in Kobrow, eine Woche davor starben circa 900 Tiere bei einem Brand in Kerken. Und jedes Mal ist die Ursache angeblich unbekannt, jedes Mal kommen die Betreiber damit durch.

Statt Konsequenzen vergiesst die Politik nun Krokodilstränen. Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umwelt­minister Till Backhaus stellt zum Beispiel klar, dass er diese Massenbetriebe nicht mehr will. Was als einzelne Aussage ohne jeden Alternativvorschlag absoluter Schwachsinn ist. Denn wenn alleine in Deutschland knapp 80 Millionen Menschen ihr Fleisch von umgebrachten intelligenten Lebewesen fordern, dann ist diese Nachfrage natürlich nur über die Massentierhaltung zu befriedigen. Welchen Planeten sollen wir denn an die Erde antackern, um eine konsequente Bio-Haltung zu gewähren, die einen internationalen Milliardenbedarf deckt? Es geht auch längst nicht mehr darum, ob man ab und zu das Fleisch weglässt. Wenn Milliarden Menschen auf der Erde ganz, ganz wenig Fleisch essen, dann ist das nur über die Massentierhaltung zu bewerkstelligen, deshalb trägt auch jeder mit Teilen von Ex-Lebewesen zwischen den Pseudo-Löwenlefzen die Verantwortung für dieses Desaster.

Gruselig ist es auch, dass der Mann plötzlich von einer Tragödie spricht. Diese tierischen Mitbürger wurden industriell in Massen umgebracht, nachgezüchtet und gequält, das geht aber angeblich voll in Ordnung, weil es eben in manchen zappendusteren Gehirnwelten nur Tiere sind. Aber wenn so ein Horrorknast abbrennt und die Tiere so 4 Tage zu früh auf dem Grill landen, dann sind da plötzlich Wesen gestorben, um die man trauern muss. Das grenzt nicht nur an Perversität, das hat jede Begrenzung auf diesem Gebiet weit hinter sich gelassen.

Pünktlich zu dem ganzen Drama rauscht auch noch eine weitere Meldung durch den Pressedschungel. Nämlich die, dass das Tierwohllabel der Bundesagrarministerin Klöckner vor dem Aus steht. Nicht etwa, weil Bauern oder Tierschützer ihr Veto erfolgreich eingelegt haben, nein, der Bundesrechnungshof höchstpersönlich wischt es wohl vom Tisch. https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/julia-kloeckners-tierwohllabel-steht-vor-dem-aus-30456688.html?utm_source=facebook&utm_campaign=geo_fanpage&utm_medium=posting&fbclid= Unter anderem mit der bemerkenswerten Begründung, dass entweder das aktuelle Tierschutzrecht für die Erfüllung des Staatsziels „Tierschutz“ nach Artikel 20a des Grundgesetzes sorgt. In diesem Fall braucht es überhaupt kein Label. Wenn allerdings das Staatsziel nicht erfüllt wird, müssten die gesetzlichen Mindeststandards angehoben werden. Das könnte man jetzt als ziemlichen Schuß vor den Bug dieses sowieso recht angeschlagenen Ministeriums deuten, aber Frau Klöckner kümmert das überhaupt nicht. Die will ihr Label jetzt über die EU durchsetzen, die Zeit, in der Politiker nach Skandalen zurücktreten mussten, sind schließlich schon lange vorbei. Und unter anderem deswegen ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis das nächste Massengefängnis abbrennt und Tote fordert.


Kategorie: Allgemein

5 Antworten zu “Tausende Tote bei Brand in einer Mastanlage”

  1. Gabriele R. sagt:

    Gestern habe ich die Bildern gesehen. Einige wenige Schweine waren dem Feuer entkommen und liefen (wohl das erste und letzte Mal in ihrem Leben) draussen herum und waren bestimmt froh endlich mal an der frischen Luft sein zu können. Die Verantwortungs- und Gewissenlosigkeit der Menschen gegenüber den Tiere, ist einfach grauenhaft. Wie können diese Menschen noch ruhig schlafen??????

  2. Wo aus Wu sagt:

    Ich könnte mich gerade voll ins Koma lachen: »Wir wollen solche Anlagen nicht« … ja was hat er denn in den letzten Jährchen so alles gemacht, der Gute?
    Wollen ist das Eine, wirklich etwas dagegen zu unternehmen das Andere. Solange sich mit so etwas hochprofitabel Geld verdienen lässt, wird es allenfalls leere Sonntags- und Empörungsreden geben, aber keinen wirklichen politischem Willen, daran etwas zu ändern. Die Lobbys mit ihren Verfilzungen werden schon dafür sorgen, dass alles „wie geschmiert“ in ihrem Sinne läuft.
    Und sollte im eigenen Ländle weniger Fleisch verzehrt werden, dann wird eben hochprofitabel für den Export produziert, um in den Empfängerländern mit unseren Steuergeldern hochsubventioniert die lokalen Märkte dort kaputt zu machen, z.B. indem man Rinder ungehindert durch ganz Europa karrt und anschließend noch auf einem Seelenverkäufer übers Meer in die letzte Hölle schickt.
    Mangelnder Charakter, fehlender Anstand, Maßlosigkeit auf der einen und fehlende Durchsetzungsfähigkeit und Verdrängungsmechanismen auf der anderen Seite sind die Zutaten, mit denen solche Süppchen gewürzt sind. Und das zieht sich durch viele Bereiche von Gesellschaft und Politik, siehe Maskenskandal und co. Ich geh’ jetzt mal raus, muß auch mal wieder kotzen … passiert mir in letzter Zeit immer öfter …

  3. Gudi sagt:

    Ja, Wo, du sprichst mir aus der Seele. Ich empfinde ebenso.
    Aber trotz der jetzigen, ekeligen Lobbypolitik, ich zähle immer wieder auf die Jungen, die durch Aufklärung und Empathie vielleicht erkennen, dass sie für den Bau ihrer Zukunft neue Wege gehen müssen. Für mich Alte bleibt, die Arbeit der Parteien genau zu betrachten, meine Umfeld zu sensibilisieren ( ohne Bevormundung ) und Journalisten zu unterstützen, die mich mit fundierten Informationen versorgen, aus denen ich für mich im Kleinen mein Verhalten als Verbraucherin immer wieder neu in Frage stelle.
    Ps.: Laß uns kollektiv kotzen.

  4. Ira sagt:

    Eine schlimme Nachricht nach der anderen. So gruselig und die Politik versagt, auch so gruselig!

  5. schmidt sagt:

    Da läuft alles schief auch bei der Feuerwehr bin Chef einer großen Feuerwehr es ist für mich und vieler meiner Kollegen nicht nachvollziehbar wie der ablauf des Großbrandes abgelaufen ist, mir sind erstaunt das der Kommandant und Einsatzleiter nicht zurücktrat. Ihm verband sprechen mir vom größten Skandal in den letzten 50 Jahren in Deutschland bei einem Feuerwehreinsatz ,wie die Feuerwehr so versagen kann und hilflos ist, warum nicht von weitem Umfeld Verstärkung angefordert wurde es gab keine Warnung an die Bevölkerung es wurde keine Luftmessungen durchgeführt nicht nachvollziehbar bei dem Brand, was da alles Brande hochgefährlich aber die Vermutung liegt, nahe das da was vertuscht wehrten soll. Dem Feuerwehrkommandant waren da die Hände gebunden das ist unsere Vermutung die Versicherung Wirt da auf jeden Fall noch Nachforschungen machen beim deutschen Feuerwehr verband liegen, mehre anzeige vor ich hoffe nur das sowas nicht mehr in Deutschland basieren darf. Maier

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