Denn Tiere sind keine Maschinen

Nasenabdruck statt Ohrmarke

von Admin, am 01.10.2020.

Vor gar nicht so langer Zeit war die Nase der Rinder ein großer Hoffnungsträger, als es darum ging, ihnen das Stechen von Ohrmarken zu ersparen. Bereits 1999 präsentierten Berliner Forscher nämlich ein Gerät, das Rinder anhand ihres Nasenabdrucks erkennen und unterscheiden kann. Dieses Riechorgan hat Strukturen, die es bei Rindern ähnlich unverwechselbar machen wie ein Fingerabdruck beim Menschen.
 
Dementsprechend gut ist die Idee damals auch angelaufen. Die Labortests verliefen reibungslos, die Bildverarbeitungssoftware erkannte die eingescannten Abdrücke verschiedener Kühe zuverlässig, Fördermittel flossen. Sogar die Industrie zeigte Interesse und machte sich bereit, ihre diverse Geldbörsen zu öffnen.
 
Dann scheiterte das Projekt aber doch, weil die Untersuchungen nur tadellos bei neugeborenen Kälbern klappte, ältere Rinder sich aber hin und wieder bockig bei der Herstellung des Abdrucks zeigten. So wurde im letzten Moment alles wieder auf Null gesetzt und Rindern durften zur Identifikation weiterhin Wunden in den Ohren beigebracht werden. Dabei wurde ignoriert, dass das System mit den Ohrmarken längst nicht so fälschungssicher war und ist wie ein unverwechselbarer Nasenabdruck. Natürlich zeigte sich auch kein Verantwortlicher bereit, das System langsam anlaufen zu lassen und es wenigstens bei Neugeborenen verbindlich zu machen, so dass die Ohrmarken im Laufe der Zeit ad acta gelegt werden könnten. Bleibt uns nur zusammen mit dem heutigen Tagesfoto-MUHdel Fiete auf bessere Zeiten und aufgeschlossenere Verantwortliche zu hoffen, die Technik für tierfreundlichere Methoden ist jedenfalls schon da.

Kategorie: Allgemein

3 Antworten zu “Nasenabdruck statt Ohrmarke”

  1. Avatar Antonia sagt:

    Wieder was gelernt! Und es ist sehr nett von Fiete, dass er diese Sache so anschaulich untermalt. In der Tat kann man sich das gut vorstellen, dass diese Hautstrukturen bei jedem Individuum einmalig sind.

  2. Avatar Ute sagt:

    Um zu sehen, wie sehr Nasenabdruecke sich von Rind zu Rind unterscheiden, muss man sich nur die letzten paar Tagesfotos anschauen. Fietes, Isoldes, Mariekes und Lisbeths Kennzeichnungen koennten unterschiedlicher kaum sein.
    Es ist wohl einfach nur Zeitdruck und Ungeduld auf Seiten der Fleischindustrie, die diese zusaetzlichen Schmerzen weiter erlauben.

  3. Avatar Gabriele R. sagt:

    Es ist einfach alles abartig, was da mit den Tieren geschieht. Die Ohrmarken setzen ist schon sehr schmerzhaft und über die anderen grausamen Abläufe wissen wir ja alle Bescheid. Würde man alles dies mit Hunden und Katzen machen, würde es in der Gesellschaft einen riesengrossen Aufschrei geben und Demos veranstaltet werden.

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