Denn Tiere sind keine Maschinen

Hier kommt Tilly

von Admin, am 05.02.2019.

Unser heutiges Tagesvideo widmen wir mal wieder ganz unserer Tilly. Sie ist ein Masthuhn, das mit drei anderen beim Einstallen fallen gelassen wurde. Dass das nicht weiter aufgefallen ist, sollte niemanden wundern, denn in dieser Industrie geht es gerade bei Hühnern nicht mehr um Individuen. Stattdessen wird sogar in den gesetzlichen Vorschriften beim Platzbedarf und anderen Dingen nur noch mit Kilozahlen gerechnet. Das zulässige „Lebendgewicht pro Quadratmeter“ in diesen Stallanlagen liegt zum Beispiel bei 33 bis 39 kg.

Eine Tierschützerin hat Tilly damals gefunden und mit ihren drei Leidensgenossen sofort in eine Vogelklinik gebracht. Dort mussten zwei der Hühner direkt eingeschläfert werden, auch Tilly hatte ein gebrochenes Bein. Das wurde versorgt, schmerzfrei war die Süße aber erst nach einem zweiten Eingriff. Im Oktober 2017 wurde sie dann nach Butenland vermittelt und stellt seitdem Altersrekorde auf, die selbst wir ihr nicht zugetraut hätten.

Denn ihre gerade erreichten 1 1/2 Jahre laufen bei Masthühnern unter biblisches Alter. Diesen Tieren wurde nämlich das Sättigungsgefühl weggezüchtet, damit sie schneller zunehmen und verfetten. Das gilt natürlich auch weiterhin für die Kandidatinnen, die gerettet werden konnten, so lässt sich leider der Tod auf Raten nicht verhindern, sondern nur herauszögern.

Im Geburtsjahr von Tilly lebten über 100 Millionen ihrer Artgenossen in der Hühnerfleischindustrie. Fast 97 Prozent stammen aus konventionellen Betrieben, was in den meisten Fällen Massentierhaltung bedeutet. Anlagen mit bis zu 200.000 Hühnern sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Je nach Mastform (Kurzmast, Mittellangmast, Langmast) werden die Tiere zwischen 28 bis 42 Tage auf ihr Schlachtendgewicht von 2 bis 3 kg hochgemästet. In den einzelnen Mastställen sind Gruppen von 10.000 Tieren die Regel, mittlerweile wird aber auch immer öfter die 40.000er Grenze erreicht.

In der Kurzmast teilen sich bis zu 26 Tiere diesen Quadratmeter, in der Langmast sind es weniger, dafür sind die Opfer aber auch schwerer und dementsprechend größer. Fast schon logisch, dass die Tiere in diesem schrecklichen Szenario Verhaltensstörungen und Krankheiten entwickeln. Die Pallette reicht von Knochendeformationen über Entzündungen und Herz-/Kreislauferkrankungen bis zu Infektionen der Atemwege.

Zum Glück ist wenigstens Tilly diesem Horror entkommen. Wie es ihr heute geht, erzählt euch Indira im Video.


Kategorie: Allgemein

6 Antworten zu “Hier kommt Tilly”

  1. Ute sagt:

    Ach Tilly – was haben wir Menschen dir und deinen Leidensgenossen angetan!!!
    Geniesse dein Leben weiterhin – und die Freundschaft mit Horst! Das setzt mir ein liebes Bild in den Kopf, dich und deinen Enterich, miteinander kuschelnd, liegen zu sehen…

  2. Melanie sagt:

    Die Bilder wecken bei mir die Hoffnung dass es Tilly in ganz neue Altersdimensionen schaffen kann, vielleicht geht es ihr noch sehr lange so gut wie jetzt.

  3. ingeborch sagt:

    Wie grausam die „Krone der Schöpfung“ sein kann…. Oh Mann. Danke, dass ihr euch so lieb kümmert!

  4. Christine sagt:

    Nach all dem Schlimmen, das Dir, liebste, tapfere Tilly, angetan wurde, kannst Du jetzt Dein Leben mit Deinen Freunden endlich geliebt + in Freiheit genießen. Du machst das ganz richtig + freust Dich über jeden Tag. Wünsch‘ mir für Dich, dass Du noch lang bleiben darfst – bist so lieb + wirklich ein wunderschönes Hühnermädchen.

  5. Monika sagt:

    Was für eine tolle Nachricht – ich freue mich sehr, daß es Tilly so gut geht und sie sich mit den anderen versteht. Daß sie ihr beim Fressen helfen, kann für sie ja nur von Vorteil sein.

  6. Gabriele sagt:

    @ingeborch: „Dornenkrone“.

    Tilly ist mal wieder ein lebendes Beispiel, dass Hof Butenland eben kein Altersheim sondern, ein Jungbrunnen ist in dem geschundene Tiere wieder aufblühen. Liebe Tilly, ich sende Dir ganz viel Gesundheit und Spaß am freien Leben.

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