Denn Tiere sind keine Maschinen

Das 5. Törchen

von Admin, am 05.12.2018.


Törchen Nummer 5 in unserem Adventskalender wird von der 16 Monate alten Tilly aufgepickt. Im Oktober 2017 ist das damals 8 Wochen alte Huhn auf unseren Hof gezogen. Sie war für die Mast bestimmt, deshalb ist ihr momentanes Alter verglichen mit dem ihrer Leidesgenossen geradezu biblisch. Normalerweise werden diese Tiere je nach Art der Mast zwischen 28 und 42 Tagen alt. In Tillys Geburtsjahr 2017 lebten über 100 Millionen Tiere in der Hühnerfleischindustrie. Und obwohl der ach so bewusste Verbraucher in jedem Interview angibt, konsequent auf Bio-Haltung zu achten, stammen 97 % der Opfer aus konventionellen Betrieben, die meisten davon aus der Massentierhaltung.

Dort existieren mittlerweile Anlagen mit bis zu 200.000 Gefangenen. Einzelne Mastställe mit bis zu 10.000 aufeinandergepferchten Tieren sind die Regel, mittlerweile werden aber auch immer mehr Einrichtungen gebaut, die sogar die 40.000er Grenze erreichen. Kein Mäster spricht mehr von Lebewesen oder gar Personen, die Maßeinheit in dieser lebensverachtenden Industrie ist „Lebendgewicht pro Quadratmeter“. Aktuell liegt dieser Wert im Durchschnitt zwischen 33 und 39 kg. Wie erwähnt sprechen wir hier von einem einzigen, winzigen Quadratmeter.

Verhaltensstörungen sind unter diesen Bedingungen selbstverständlich genauso die Regel wie Krankheiten. Das Spektrum reicht von Knochendeformationen über Entzündungen und Herz-/Kreislauferkrankungen bis zu Infektionen der Atemwege. Und selbst wenn Tiere wie Tilly das Glück haben, befreit zu werden, sind sie zu einem langsamen Tod verdammt. Denn ihnen wurde das Sättigungsgefühl weggezüchtet, so dass diese Tiere ständig essen und entsprechendes Gewicht ansetzen müssen.

Auch Tilly ist mittlerweile mindestens doppelt so schwer wie ihre Hühnerfreundinnen. Sie rennt demzufolge auch nicht mehr so viel wie zu ihrer Anfangszeit auf dem Hof, oft sind ihre Bewegungen auch leicht unkoordiniert. Allerdings ging es ihr im Sommer unter der damaligen Hitze bedeutend schlechter, das kalte Wetter tut ihr sichtlich gut und sie geniesst die Zeit, die sie meist ruhend im Kreis ihrer Lieben verbringen kann. Und solange sie uns keine deutlichen Signale sendet, dass sie nicht mehr will, werden wir ihr noch so viele dieser glücklichen Tage wie eben möglich schenken. Wobei uns natürlich klar ist, dass wir hier nicht mehr von Jahren sprechen können.


Kategorie: Allgemein

8 Antworten zu “Das 5. Törchen”

  1. Stefan sagt:

    Lieber guter Nikolaus,
    zieh‘ im Kamin die Schuhe aus.
    Sonst sieht man auf dem Teppichflur,
    von den Sohlen Deine Spur.
    Und Tillys hübsches Federkleid,
    war mal weiß, die längste Zeit.

  2. Stefan sagt:

    Nach solchen Berichten vom Admin, fällt es mir manchmal schwer solche Zeilen wie oben zu schreiben. Ich versuche dabei, mich nur auf das abgebildete Foto zu beziehen.

  3. Admin Admin sagt:

    Trotzdem schön, dass du die Zeilen anbietest. Das sind gerade bei ernsten Themen dann willkommene Lichtblicke. 🙂

  4. Gabi sagt:

    Stefan, Deine Gedichte sind ein Träumchen und machen glaub ich allen hier viel Freude.
    Wir wissen ja alle um die fast immer traurigen Schicksale und vergessen diese ganz sicher nicht.
    Da tun Deine Zeilen richtig gut, Du schadest ja den Tieren nicht damit. Im Gegenteil zeigst Du damit, dass sie Dir am Herzen liegen. Und Trübsinn blasen hilft ja auch nicht weiter.
    Aber ich verstehe schon, wie Du es meinst mit dem schwer fallen.
    Und tröstend ist doch, dass die Butenländer alles tun, um ihren Tieren noch ein schönes Leben zu ermöglichen.
    Schreib weiter so!

  5. Stefan sagt:

    @Gabi Vielen Dank für Deine Rückmeldung. Das ist erstmal zusätzliche Motivation. Für den morgigen Tag habe ich noch ein kurzes Gedicht geplant. Dann habe ich voraussichtlich erstmal keine Zeit mehr.

  6. Melanie sagt:

    Es freut mich dass es Tilly anscheinend doch noch so gut geht, ich hoffe das Alter wird noch viel viel biblischer.

  7. Doro sagt:

    Ich schliesse mich Gabi an :=), treffender kann es nicht gesagt werden, so sehe ich es auch…
    Tilly ist so hübsch! Beste Wünsche für eine weiterhin gute Lebensqualität für die liebe Kleine!

  8. Gabriele sagt:

    Mir dreht sich der Magen um, wenn ich diesen Horror lese. Es ist einfach erbärmlich, was all den Tieren angetan wird. Tilly hatte Glück und darf heute in ihr Adventssäckchen schauen und wird sicher ein feines Leckerli darin finden. Ich wünsche ihr noch ein langes gesundes Leben!

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