Denn Tiere sind keine Maschinen

Update zu Pino

von Admin, am 26.11.2018.


Ende Oktober haben wir euch darüber informiert, dass unsere Hunde Pippilotta und Pino plötzlich Lähmungserscheinungen am Unterkörper zeigten und ihre Hinterbeine nicht mehr bewegen konnten. Die Ursache blieb erstmal mysteriös, eine toxikologische Untersuchung zeigte dann aber Rattengift bei ihnen an. Gleichzeitig hat sich wegen unserer Berichterstattung ein Spezialist gemeldet, der darum bat, bei den Hunden zwei Urinproben abzunehmen und diese auf Glyphosat untersuchen zu lassen. Das taten wir auch, Anfang November kamen die Ergebnisse und die haben uns, vor allem aber auch den Fachmann regelrecht vom Hocker gehauen. Er beschäftigt sich schon lange mit dem Thema „Glyphosat“ und hat da tausende von Testergebnissen bei Tieren und Menschen untersucht. Die „normale“ Glyphosat-Belastung im Urin betroffener Tiere liegt da bei circa 4 ng/ml, bei Pino fragte er nach, ob vielleicht ein Kommafehler vorliegt, denn er hat einen Wert von 8,04 ng/ml.

Wir schwanken jetzt, was eigentlich der größere Skandal ist: Der Fakt, dass Pino die doppelt so hohe Dosis Glyphosat im Blut hat wie andere betroffene Hunde und deshalb ein noch verstärkteres Risiko auf Tumore und Nierenschäden besteht, oder doch die Tatsache, dass es überhaupt auf diesem Gebiet inzwischen „normale“ Durchschnittswerte gibt? Jedenfalls steht durch die Forschungen des Spezialisten fest, dass alle Hunde mit den „normalen“ 4 ng/ml diese Lähmungserscheinungen am Unterkörper zeigten, und wir deshalb davon ausgehen können, den Auslöser gefunden zu haben.

Obwohl hier in der Gegend kein Glyphosat verspritzt wird und die Hunde das Gelände sowieso nie verlassen, muss man nicht lange danach suchen, wie sie das Gift aufnehmen konnten. Unlängst wurde das Zeug nämlich im Tierfutter nachgewiesen, und zwar lückenlos in allen untersuchten Produkten mit Getreidezusatz, nur die Menge variiert. https://www.oekotest.de/gesundheit-medikamente/Studie-Glyphosat-auch-in-Hunde-und-Katzenfutter-nachweisbar-_600717_1.html?fbclid=IwAR2aJeSXAKnlt5Wj9Ab-V0zatfRhLdN7Vd6h0aUpUMrkaaTJHSIqh7BfgUs Dabei muss man sich außerdem bewusst machen, dass die Richtlinien für Menschen nicht auf Tiere angewendet werden können und deshalb jeder Verweis auf unschädliche Untergrenzen nichtig ist. Denn ein Tier ist erstens leichter als ein Mensch, was die Belastung automatisch größer macht, und zweitens gelten in der EU selbst beim Menschen irritierenderweise unterschiedliche Limits. So liegt der unbedenkliche Wert für Weizen bei zehn Milligramm pro Kilogramm Erntegut, für Reis bei 0,1 mg/kg. Wäre das Hunde- und Katzenfutter Reis, dürften demnach zumindest die am stärksten kontaminierten Sorten nicht vom Menschen verzehrt werden. Aber bei Haustierbedarf gibt es noch nicht mal eine allgemeine Futterverordnung, sprich diese Grenzwerte sind exklusiv für den Menschen und selbst der höchste Wert im Tierfutter zieht keinerlei Konsequenzen nach sich.

Interessant ist auch der Fall, in dem ein Bauer 600 Rinder verloren hat, selber wie seine Kühe an Muskelschwäche, Schmerzen und Schlappheit litt, und auch für diese Symptome bei Mensch und Tier Glyphosat als Auslöser festgestellt wurde. In den Ställen existierte bereits der hochpathogene Erreger „Clostridium Botulinum“. Der allein löste die epidemieartigen Umstände aber nicht aus, sondern nur im Zusammenspiel mit dem Pestizid Glyphosat, dass hinzugezogene Experten im Urin der Tiere, im Futter, in der Stallluft und im Blut des betroffenen Landwirts fanden. Damit nicht genug werden ähnliche Fälle vor allem in Norddeutschland auf zahlreichen Höfen seit Mitte der Neunziger Jahre dokumentiert, Tausende von Tieren mussten schon ihr Leben lassen. Wer gute Nerven hat, kann sich den ganzen Fall unter folgendem Link durchlesen: https://www.mdr.de/investigativ/kaputte-existenz-durch-glyphosat-100.html?fbclid=IwAR2aJeSXAKnlt5Wj9Ab-V0zatfRhLdN7Vd6h0aUpUMrkaaTJHSIqh7BfgUs

Hier noch ein paar weitere Fakten zu Glyphosat: Schon längst geht es den Landwirten beim Einsatz dieses Giftes nicht mehr nur um Insektenbekämpfung. Es ist inzwischen auch bei sogenannten Vorerntespritzungen beliebt. Dabei tötet es Getreidepflanzen in der Vorsaison ab, damit diese austrockenen und auf Stichtag erntereif sind. Sprich der Landwirt behandelt seine Ernte mit einem hochtoxischen Gift, nur damit er bequemer das Zeitfenster planen kann.
Wird Glyphosat als Insektenschutz angewendet, dann darf das Getreide schon eine Woche nach dem Spritzen weiterverarbeitet werden. Durch dieses extrem knappe Zeitfenster ist es gar nicht möglich, dass keine Rückstände in Futter- und Nahrungsmittel gelangen.
Lange Zeit wurden diese Rückstände als unbedenklich eingestuft, weil Glyphosat als schnell abbaubar im Körper galt. Doch auch hier gibt es längst Untersuchungen, die das Gift lückenlos, egal ob Stadt- oder Landbewohner, im menschlichen Urin nachgewiesen und somit belegt haben, dass das Zeug voll in unserer Nahrungskette angekommen und in unserem Körper feststellbar ist.
Unser Fachmann hat in einer Studie fast 100 Kinder mit einer Autismusdiagnose auf Glyphosat-Belastung getestet, allesamt hatten stark erhöhte Werte, bei den meisten wurde eine 3 bis 4,5fach höhere Belastung als im Landesdurchschnitt üblich festgestellt.
Die Übertragbarkeit von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen ist ein ganz anderes Thema, das ist uns bewusst und wir lehnen diese Reihen aus diesem und ethischen Gründen entschieden ab. Da es in diesem Posting aber auch um Tierfutter geht, wollen wir doch darauf hinweisen, dass in eben diesen Versuchen festgestellt wurde, dass schon geringste Mengen Glyphosat im direkten Kontakt bei Ratten Embryonal- und Plazenta-Zellen geschädigt haben.
Außerdem steht das Spritzmittel im Verdacht, das Erbgut zu schädigen, als „wahrscheinlich krebserregend“ wurde es sogar von der Weltgesundheitsorganisation „WHO“ eingestuft. Ebenso wird ein Einfluss auf die Bakterienflora des Darms vermutet.
Was man auch nie vergessen darf: Dass die Verwendung von Glyphosat für weitere 5 Jahre erlaubt bleibt, liegt an einem Alleingang vom damaligen deutschen Agrarminister Christian Schmidt. Der Mann stellte sich vor fast genau einem Jahr bei der entsprechenden EU-Abstimmung gegen die eigene Regierung, ignorierte die ihm eigentlich aufgetragene Enthaltung und stimmte stattdessen für Ja.

Unser Pino ist auf jeden Fall Freitag vor einer Woche erneut mit gelähmten Hinterbeinen aufgewacht. Er bekommt jetzt regelmäßige Medikamente, um mit Antioxodantien und Huminsäure das Glyphosat zu neutralisieren, trotzdem machen wir uns wenig Illusionen darüber, dass ein dermaßen vergifteter Hund noch irgendwelche Altersrekorde aufstellen kann. Was bleibt, ist hilflose Wut, sowohl über das politische Versagen als auch über eine Bevölkerung, die trotzdem immer wieder die gleichen Kriminellen in Machtpositionen hebelt.

EDIT: Wir wurden gerade darauf aufmerksam gemacht, dass der Glyphosat-Einsatz bei der Vorerntespritzung seit Mai 2015 offiziell verboten ist. Die gleiche Quelle wies aber gleichzeitig auf Ausnahmeregelungen hin und hat auch selber schon Privatgespräche mit Landwirten geführt, die sich um das Verbot nicht kümmern. Da wird anscheinend voll darauf gesetzt, dass dort genauso streng kontrolliert wird, wie man das auch zum Beispiel bei der Überprüfung von industriellen Tierbetrieben gewohnt ist, nämlich so gut wie gar nicht. Trotzdem wollen wir das Verbot vollständigkeitshalber nicht verschweigen.


Kategorie: Allgemein

19 Antworten zu “Update zu Pino”

  1. Iski sagt:

    Euer Fazit am Ende des Artikels trifft den Nagel auf den Kopf: es handelt sich um Kriminelle, die allzu oft die Weichen in der Politik stellen, und als solche müssten sie zur Rechenschaft gezogen werden. Passiert aber nicht. Die Welt wird an der Ignoranz, der Dummheit und der (Macht- und Geld-) Gier dieser Subjekte zugrunde gehen.

  2. Ute sagt:

    Eine der so zahlreichen Gelegenheiten, zu denen man eigentlich nichts mehr sagen kann, die in einem aber so viele Gefuehle ausloesen. Ja, „hilflose Wut“ ist eines von ihnen. Und ich persoenlich fuehle, dass ich immer aggressiver und irgendwie gewalttaetiger in meinem Denken werde….
    Ich hoffe, dass bei Pino die Medikamente doch langfristig helfen!!

  3. Christine sagt:

    Das ist so traurig – kann mich Iski und Ute nur anschließen und Pino (einem so unglaublich liebevollen Hundemann) die Daumen drücken, daß seine Medikamente helfen. Alles Gute Pino, Dir und Deinen Menschen.

  4. Marita sagt:

    Ich bin sprach- und hilflos. Und unsere Politiker unterstützen noch die Industrien, die das giftige Zeugs vertreiben. Was ich für Aggressionen empfinde, kann ich nicht ausdrücken, aber es dürfte jetzt kein Verantwortlicher in meiner Reichweite sein….

  5. ellen sagt:

    Wie im Artikel zum Ausdruck gebracht, wie kann ein Verantwortlicher mit „Ja“ stimmen, wenn doch die Hintergründe, Untersuchungen hinreichend bekannt sind. Solche Leute werden von uns Bürgern finanziert, eine Schande. Ich hoffe so sehr, dass es Pino doch wieder besser geht und die Medikamente Linderung bringen und anschlagen. Wann wachen unsere Politiker endlich auf oder wann werden solche Leute nicht mehr gewählt!!!!!!!!!

  6. Sigrid sagt:

    So schlimm diese Nachricht ist, ist es doch ein Glück, daß sich der Glyphosat-Spezialist bei euch gemeldet und die Blutuntersuchung veranlaßt hat. Damit leistet ihr wichtige Aufklärungsarbeit für uns alle! Das Thema Glyphosatvergiftung betrifft fast jeden von uns (s. „Urinale 2015“), wird aber in den Medien immer noch außen vor gehalten auch wenn es inzwischen – wie im Text beschrieben – etliche Fälle von schwersten Erkrankungen bei Landwirten und ihren Tieren gibt.
    Was wir unseren Haustieren zu fressen geben, hat der Autor Hans-Ulrich Grimm in seinem Buch „Katzen würden Mäuse kaufen“ schon drastisch und Würgereiz auslösend beschrieben.
    Zur Ausleitung pathogener Stoffe über den Darm eignet sich nach meiner Erfahrung u.a. die Einnahme von Zeolith/Klinoptilolith hervorragend für Mensch und Tier (auf saubere Qualität achten!).
    Habt ihr die Urin-Untersuchung auch für Pippilotta machen lassen? Sind ihre Werte auch so alarmierend?
    Ich drücke alle Daumen, daß die beiden wieder ganz gesund werden!

  7. Admin Admin sagt:

    Pippilotta hat „nur“ 3,87 ng/ml.

  8. Sigrid sagt:

    Danke, Admin. Dann sind Pippilottas Werte zumindest im Toleranzbereich, beruhigend aber auch nicht.

  9. Monika sagt:

    Einfach skandalös! Handelt es sich dabei um Geldgier oder Dummheit? Wahrscheinlich um beides.
    Auf jeden Fall gute Besserung für Pino und Pippilotta.

  10. Cornelia sagt:

    3,87 ng/ml bei einem so kleinen Tier wie Pippilotta ist m.E. weit entfernt von Toleranzbereich. Vielleicht ist ihre Pinkelei ja die direkte Folge der Glyphosat-Vergiftung?

  11. Ulla39 sagt:

    schlicht ein Horror…
    Gebt mal ins Internet ein: Bayer Monsanto Glyphosat und lest. Gebt auch mal ein :Global Glyphosate Study ( Info und fundraising).

    Gute Besserung für Pino Bär und Pippilotta!

  12. Dirk Jansen sagt:

    Man sollte diesen kleingeistigen Produzenten ihr Gift literweise mit dem Trichter einfliessen lassen, und das jeden Tag, bis sie vielleicht wach werden!
    Diese Leute gehen über Leichen!!
    Sowas gehört eingesperrt!
    Wo sind die Richter??

  13. Melanie sagt:

    @Ute und Marita: Das mit dem aggressiv werden kann ich sooo gut nachempfinden, stelle das auch leicht beunruhigt bei mir immer öfter fest, manchmal kommen mir so komische Gedanken was man alles mit den Verursachern anstellen möchte……

  14. margitta sagt:

    wichtig ist meines erachtens, nicht bei der wut und dem groll stehen zu bleiben, sondern den nächsten schritt darüberhinaus zu wagen, im sinne von veränderung und verbesserung.
    karin und jan gehen konsequent diesen weg mit ihrer haltung.

  15. Ute sagt:

    Margitta – hast Du irgendwelche Vorschlaege, wie dieser „naechste Schritt“ aussehen koennte und welche „Veraenderung und Verbesserung“ ich bewerkstelligen kann?

  16. Gabriele sagt:

    Das schockiert mich sehr, diese Werte sind ja wirklich katastrophal. Ich hoffe von ganzem Herzen, das die Medikamente gut anschlagen und, daß Pino nach erfolgreicher Behandlung eine gute Lebensqualität hat. Über die schrecklichen Dinge die wir Menschen hier anrichten und den Tieren antun, brauche ich mich weiter nicht zu äußern nur, daß ich mich sehr schäme zu dieser oft sehr destruktiven Spezies zu gehören. Gute Besserung an Pino und Pippilotta.

  17. Kg sagt:

    Echt schlimm!!! Welches Hundefutter haben die beiden bekommen?

  18. margitta sagt:

    hallo, liebe ute,
    die wut und empörung ist berechtigt und darf nicht unterdrückt werden. dennoch ist es mir wichtig zu erkennen, dass sie oft unser handeln blockiert. das muss jeder für sich erkennen, welche konsequenzen er /sie daraus zieht.mit anderen worten: eine innenschau halten. meine persönlicher nächster schritt ist, auf menschen zuzugehen. zb auch auf tierhalter, die ihre tiere nicht so behandeln, wie ich es mir vorstelle,sie nicht verurteilen oder bevormunden und es wirkt aber das machst du ja schon lange.

  19. Ute sagt:

    Margitta – es geht hier um die Benutzung von Glyphosat. Keine „Innenschau“ meiner-/unsererseits wird dieses Uebel beseitigen. Und auch die Art und Weise, auf die Tierhalter ihre Tiere behandeln, hat auf den Gebrauch dieses Herbizids keinen Einfluss.

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