Denn Tiere sind keine Maschinen

Abschied von Mattis

von Admin, am 03.10.2026.

Es gibt keine angemessene Formulierung für das Unbegreifliche, deshalb schreiben wir es einfach so, wie es ist: Mattis ist tot. Wir mussten ihm gestern den letzten Freundschaftsdienst erweisen und ihn für immer gehen lassen. Er hatte schon lange Probleme mit seinem Bewegungsapparat, weil er dank der Züchtung viel zu groß und zu schwer war. Seit Jahren schon baut er langsam körperlich ab. Letztes Jahr im April war sein Gesundheitszustand zeitweise schon kritisch, als er unter Narkose an einer Klaue behandelt werden musste, hatten wir schon die schlimmsten Befürchtungen in Sachen Überleben. Aber er hat sich wieder gut erholt und war fitter als das Jahr zuvor, obwohl wir tatsächlich schon dachten, dass er keine weitere Stallsaison mitmacht. Die Rechnung hatten wir jedoch ohne Mattis gemacht.

Den aktuellen Sommer draußen hat er noch so sehr genossen, sich zwar viel zurückgezogen und seine Ruhe gebraucht, sich aber auch immer wieder mitten in die Herde begeben. In letzter Zeit hat er immer weiter abgebaut und ist sehr bedacht mit seiner Kraft umgegangen. Vor wenigen Tagen haben sich endgültig Schmerzen im Bewegungsapparat entwickelt, die es ihm nicht mehr ermöglichten, länger zu stehen. Zusätzlich hat er noch rasanter abgebaut, was in Kombination mit den Schmerzen zu einem sehr unsicheren Gangbild geführt hat, deshalb wollte er nur noch liegen. Er hatte einfach keine Kraft mehr, es gab keine Chance mehr auf Heilungsmöglichkeit und unser Tierarzt eröffnete uns, dass er diesen Zustand nun nicht mehr verantworten konnte.

Ihn gehen zu lassen war das einzig Richtige, um ihn auf keinen Fall leiden zu lassen. Wir wussten lange, dass dieser Moment jederzeit kommen kann, aber es war dann doch sehr unerwartet. Natürlich, denn so etwas verdrängt man einfach bei einem geliebten Familienmitglied und rettet sich lieber in Traumwelten und das Hoffen auf ein Wunder. Trotzdem muss man für seinen Schatz dann da sein, wenn es gar nicht mehr geht und die schlimmste, aber auch mitfühlendste Entscheidung treffen. Deshalb ist unser Riesenbaby gestern Abend mit Blick in die Oktober-Abendsonne und im Kreis aller seiner Freunde auf seiner Geburtsweide für immer friedlich eingeschlafen. Ein wunderschöner Sonnenuntergang war das letzte, was er gesehen hat. So schlimm auch gerade alles ist, er ist draußen unter freiem Himmel gegangen, was wir ihm immer gewünscht hatten. Mattis war immer ein Kämpfer, das hat er bis zum Schluss gezeigt. Es ist so erstaunlich, wie viel Kampfgeist in unserem Sturkopf geschlummert hat und wie er uns damit immer wieder eigentlich jahrelang überrascht und allen gezeigt hat, wie viel Einfluss Lebenswillen und Lebensfreude haben können.

Er ist 15 Jahre alt geworden und hat damit das gleiche Alter wie seine Mutter Dina erreicht, die ihn garantiert abgeholt hat. Schließlich waren die beiden bis zu Dinas Tod im wahrsten Sinne des Wortes unzertrennlich und nie einzeln anzutreffen. Als dann die Super-Muddi gehen musste, übrigens am 01.10.2023, also fast genau am gleichen Todestag wie ihr Baby, waren wir unsicher, ob sich Mattis in der Herde ohne sie zurechtfinden würde. Aber wie großartig hat sich dieser tolle Ochse nochmal das Leben gegriffen. Regelmäßig war er mitten in der Rindergruppe anzutreffen und hat sogar noch einen intensiven Flirt mit der ebenfalls unvergessenen Emmchen gestartet. Lange Zeit war er hier der Ochse, dem man sich nur mit Vorsicht oder besser gar nicht nähern darf, dann kam zum Glück Tomka auf den Hof und fand schnell heraus, wie sehr es dieser Riese genossen hat, sich am Bauch kraulen zu lassen. Fortan mussten alle Menschen ihren Arbeitsplan anpassen, denn jede Schicht wurde nun von einem Riesenbaby begleitet, dass sich mitten im Weg aufbaute und erst nach einer ausgiebigen Kuschelsession zur Seite wich. Sogar der Autor dieser Zeilen, der nur sporadisch auf dem Hof ist, wurde schnell erkannt, beharrlich verfolgt und mit energischen Körperblockaden aufgefordert, durch Kraulzirkeltraining seine Armmuskulatur zu perfektionieren. Mattis, es gibt keine Worte dafür, was du für einen Krater hier hinterlässt. Wie bittersüß ist es gerade, dass du unser Logo-Tier bist und für immer bleiben wirst. Mögliche Rechtschreibfehler in diesem Text liegen an dem Tränenschleier, der einfach nicht abreißen will. Gute Reise, du geliebtes Seelentier, wenn du die Butenländer Menschen irgendwann wieder triffst, haben wir die Ewigkeit für Bauchkrauler, versprochen.


Kategorie: Allgemein

10 Antworten zu “Abschied von Mattis”

  1. Marita sagt:

    Ach mein lieber Mattis…. denn Tag deiner Geburt habe ich ebenso miterlebt, wie nun den Tag deines Fortganges. Wie traurig ich bin, kann ich nicht in Worten ermessen und versuche es deshalb auch erst garnicht. Du hast mein Leben 15 Jahre begleitet und warst immer präsent. In meinen Erzählungen und Gedanken. Die Lücke die du jetzt hinterlässt, ist riesengroß, so wie du einst. Ich versuche mich damit zu trösten, dass du nun wieder mit deiner Muddi zusammen bist, dass hilft mir im Augenblick aber ganz und gar nicht. Dein Logo habe ich schon lange an meinem Auto befestigt. Auch so wirst du mir immer unvergesslich sein. In Gedanken begleite ich dich auf deinem Heimweg.
    Den ButenländerInnen wünsche ich viel Trost, aber Ihr trauert ja genauso wie ich….
    Wir wollen uns alle im Geiste umarmen und Trost schenken.

  2. Vera sagt:

    Halleluja, es hört noch immer nicht auf… Ihr Ärmsten! Ein Urgestein wie Mattis. Die genaueren Umstände seines Abschieds haben mich aber doch etwas getröstet, da es kaum schöner vorstellbar ist, wenn es denn schon sein muss – umgeben von seinen Menschen, auf der Weide und dann sogar mit Blick auf den Sonnenuntergang – Wahnsinn. Und sehr passend.
    Ich wünsche Euch nun ganz unbedingt viel Zeit, um das alles zu verkraften! Bitte alle stabil bleiben, Eure Menschen müssen erst wieder zu sich finden!

  3. Hilke sagt:

    Daß er es überhaupt bis jetzt geschafft hat, trotz dieser Sch…-züchtung, ist schon ein Wunder. Dank Dina’s Fürsorge und eurer unfassbar liebevollen Pflege, ist er sogar auf seiner geliebten Geburtsweide gegangen,
    wie schön ist das denn, welch Rind kann das von sich muhen!
    Euch Butenländern und dem extrem kreativen Autor Dean/Jens von ganzem Herzen alles Liebe. Mögen die Neuen Süßen und die „alten Hasen“ ein kleines bisschen eure Herzen wärmen.
    Tiefen Dank euch allen,… muht mir grad Mattis zu, hüstel.

  4. Ute sagt:

    Mattis, Du schöner, starker Riese, 15 Jahre bis Du alt geworden, und Du hast die meiste Zeit ein gutes Leben gehabt, umsorgt von Deiner Mama Dina und den Menschen, die Dich liebten. Und nicht nur von denen. Als Du noch ein Kälbchen warst und Mama Dina hin und wieder etwas Zeit für sich brauchte, hat Tante Gisela sich um Dich gekümmert, Dich sorgfältig abgeleckt und mit Dir geschmust. Und als Gisela dann noch älter und krank wurde, hast Du sie auf der Weide besucht und mit ihr gefrühstückt. Du warst Teil Deiner großen Rinder- und Menschenfamilie, und als Du Butenland jetzt verlassen hast, waren sie bei Dir. Und Du wirst unvergessen sein.

  5. wo aus wu sagt:

    Oooch nee! Aber es war wohl abzusehen. Er hatte eine schöne Zeit bei euch, das Beste, was ihm passieren konnte. Und ich hatte noch die Ehre, seinen Bauch zu kraulen!

  6. Cornelia sagt:

    Nein, das glaube ich jetzt einfach nicht, Mattis ist doch unsterblich!!! Ich heule mit euch um die Wette und kann gar nicht mehr aufhören… Meine Trauer ist allumfassend…

  7. Varken sagt:

    Mattis ist tot. Ich finde keine Worte.

    „Stop all the clocks, cut off the telephone,
    Prevent the dog from barking with a juicy bone
    Silence the pianos and with muffled drum
    Bring out the coffin, let the mourners come“

    („Haltet alle Uhren an, laßt das Telefon abstellen,
    Hindert den Hund daran, den saftigen Knochen anzubellen,
    Klaviere sollen schweigen, und mit gedämpften Trommelschlag,
    Laßt die Trauernden nun kommen, tragt heraus den Sarg.“)

    W.H. Auden: Funeral blues, Strophe 1

    In stiller Anteilnahme,
    Varken.

  8. Antonia sagt:

    Lebwohl, liebstes Risenbaby❤️, Du hast wirklich mit Deinem Lebenswillen und Deiner mentalen Stärke immer wieder Wunder vollbracht, dadurch wunderschöne Butenländer Lebenszeit gewonnen und nun zum Ende der Weidesaison signalisiert, dass Du Deiner Supermuddi folgen willst.
    Du warst so ein imposanter lieber Zeitgenosse und ich werde die Begegnungen mit Dir nie vergessen.❤️

  9. Tine sagt:

    Mattis geht mir gar nicht mehr aus dem Kopf … Wie mag es euch erst gehen. <3 Nun bist du wieder mit deiner Mama vereint, du sanfter, großer Schatz. <3 Euch mein aufrichtigstes Beileid, liebe Butenländer.

  10. Silke sagt:

    Geliebter Mattis, süßes Riesenbaby, nicht Du auch noch. Du wirst uns allen unendlich fehlen!!! RIP, Du wundervolles Wesen ❤️❤️❤️

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