Denn Tiere sind keine Maschinen

Cellos 27. Geburtstag

von Admin, am 18.07.2022.

[arve url=“https://www.youtube.com/watch?v=JDZ-nItsaOI“ /]

Unser Cello wird heute 27 Jahre alt. Mittlerweile lebt er schon 9 Jahre auf Butenland, die ersten 18 Jahre seines Lebens musste er aber leider direkt in der Hölle verbringen. Er war ein internationales Turnierpferd, das am Ende nur noch unter Schmerzmitteln durch die Wettbewerbe gepeitscht wurde. Als er endlich auf unseren Hof vermittelt werden konnte, war er deshalb nicht nur körperlich, sondern auch psychisch völlig am Ende, wen wundert es bei diesem Vorleben? Alles, was ihn an diese Quälerei erinnerte (z.B. Halftern), ließ ihn zurückscheuen und machte ihn nervös. Mit der Zeit fasste er aber wieder Vertrauen und entwickelte sich zu einem ruhigen und lieben Vertreter seiner Art.

Seine Beschwerdenliste ist leider lang. Er kam mit einem Sommerekzem, diversen Allergien und einem bereits chronischen Lungenemphysem zu uns. Im Sommer 2018 wurde zusätzlich ein Cushing-Syndrom bei ihm diagnostiziert. Wegen dem Lungenproblem bieten wir ihm Inhalationen an, die ihm sichtlich gut tun. Er hat dafür eine eigene Box, in der er mehrmals in der Woche je 30 Minuten seine Sole-Inhalationen bekommt. Trotz der schrecklichen Vergangenheit ist Cello ein sehr freundliches Pferd, das zwar hin und wieder gerne alleine steht und sein eigenes Ding macht, aber auch durchaus die Wettrennen mit Pferdinand oder das Klönen mit Runi zu schätzen weiß.

Die heutige Geschenketafel wurde reich gedeckt, so gab es vom Patenonkel Wolfgang aus Wuppertal einen schicken Mantel und Patentante Lena aus Bremen schickte einen neuen Leckstein. Es ist übrigens wieder ein Zebramantel geworden, weil das Pferd von heute so etwas diesen Sommer trägt. Außerdem hat Cello mittlerweile drei Stück im Stallschrank hängen, da er aufgrund seines Juckreizes doch einen hohen Verschleiß hat. Denn wenn man so ein Ding oft genug an einen Baum schubbert, hilft irgendwann auch kein Nähen mehr weiter.

Der menschliche Geburtstagsgast ist übrigens unsere Heike, die sich jeden Vormittag liebevoll um unser Pferdetrio kümmert und deshalb selbstverständlich von Cello als Erste eingeladen wurde. Nicht fehlen darf auf so einer Feier natürlich das Wettrennen (bzw. im Video der stark entschleunigte Aufgalopp) mit den beiden Kumpeln Runi und vor allem Pferdinand, der als echter Rennfreak auch Geburtstagskinder Staub schlucken lässt. Aber Cello will auch gar keinen geschenkten Sieg, das würde die bestimmt demnächst anstehenden Triumphe ja schal machen. Wir gratulieren jedenfalls auch von ganzem Herzen, wünschen alles, alles Gute und noch viele wunderbare Jahre in unserer Familie.


Kategorie: Allgemein

13 Antworten zu “Cellos 27. Geburtstag”

  1. wo aus wu sagt:

    Achtung, jetzt wird’s eng, es droht Kultur! Ich habe lange Zeit im Ruhrgebiet gelebt und dabei auch Einiges über die Arbeit unter Tage gelernt. An Cello’s Ehrentag möchte ich daher an die 4-beinigen Kumpel erinnern, die bis in die 60er Jahre durch ihre Knochenarbeit unter Tage und ein Leben überwiegend ohne Tageslicht unseren Wohlstand mitbegründet haben. Viele sind unter Tage geblieben, und die einzige Beziehung war oft die zu den Bergleuten, die sich um sie kümmerten und nicht selten auch als „Kumpel“ ansahen.

    So landete Tobias, das vorletzte Grubenpferd im Ruhrgebiet, nach rund 12 Jahren harter Arbeit bei lieben Menschen, was nicht selbstverständlich war. Sein Dienst endete am 23.06.1966. Seppel aus Bochum, der wirklich letzte seiner Art, folgte kurze Zeit später.

    Das Ganze ist jetzt 56 Jahre her, das muss man bei den folgenden Inhalten berücksichtigen:

    https://www.ardmediathek.de/video/wdr-retro-hier-und-heute/tobias-das-letzte-grubenpferd-geht-in-rente/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTczY2NiMGU3LWIwYTEtNDA1NS04NjY0LTMzOWQyMDEzNjQ5MQ

    https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=22822

    https://www.wildmustang.rocks/grubenpferd

    Wir sollten ihnen etwas von unserer Zeit widmen. Und so habe ich – die Rechteinhaber mögen es mir nachsehen – das Steigerlied zu einem Geburtstagsständchen für Cello umgedichtet, das alle Butenländer unter der ordnungsrechtlichen Exekutivgewalt von Schatzilein sowie der musikalischen Leitung von Jens und Star-Tenor Pavarotti und, wenn möglich, mit Begleitung durch die Heerscharen der zirpenden Cellisten von der großen Wiese laut und kräftig in den Wind schallen können. Und jetzt aufstellen, die Großen nach hinten, die Kleinen nach vorne bitteschööön, tief Luft holen, und los geht’s … Widerstand ist zwecklos:

    Glück auf, Glück auf,
    der Cello kommt!
    Und er hat die schöne Torte entdeckt,
    und er hat die schöne Torte entdeckt,
    von Menschen gemacht,
    von Menschen gemacht.

    Die sind voll lieb!
    So was von lieb!!
    Denn dereinst sie haben ihn bei der Nacht,
    denn dereinst sie haben ihn bei der Nacht,
    nach Butenland geholt,
    nach Butenland geholt.

    Ins Glück hinein,
    wo Freunde sein!
    Und so erschallet Cello’s Gruß bei der Nacht,
    und so erschallet Cello’s Gruß bei der Nacht:
    „Glückauf, Glückauf!
    Glückauf, Glückauf!“

    Mein lieber Cello, ich weiß jetzt nicht, ob du ferne Vorfahren im Ruhrgebiet hattest und wie man „Glückauf“ wiehert, und das alles auch noch „bei der Nacht“. Trotzdem von mir ein schallendes „Glückauf!“ zu deinem neuen Lebensjahr. Feier schön mit deinen Kumpels und höre auf deine Menschen, knuddel die ab und zu mal so richtig durch, auch den Brakelmann. Doch Vorsicht: Die sind zerbrechlich, und Letzterer versteckt sich auch gerne mal unter einer viel zu großen Mütze! Und schrotte nicht gleich wieder die neue Jacke: Das tut nicht not!!! Und höre immer schön auf Herrn und Frau Dr.med.vet., dann stehen dir noch vieeeeeeeeele schöne Jahre an der Nordseeküste bevor!

    So möge der Deich rocken und der Brakelmann brakeln, die Chöre der Deichschafe, Bisame, Wattwürmer, Miesmuscheln und Krabben lobpreisen und filtrieren, und das schwarze Gold, soweit es sich tieeeeeeeeeef auch unter euren Füßen, Tazten, Pfoten, Krallen, Hufen, Klauen, Flossen, Tentakeln u.s.w. befindet, da bleiben, wo es seit Millionen von Jahren von der Vergangenheit dieser wunderbaren drittinneren Kugel einer kleinen Sonne am Rande einer mittelgroßen Galaxie = bevorzugte Wohnlage – hat sich leider noch nicht überall herumgesprochen – zeugt. Das, worauf wir herumlaufen, gibt es so schnell nicht wieder…

    In diesem Sinne … Glückauf Euch allen … bleibt gesund & haltet durch!

  2. Admin sagt:

    So interessant wie genial, Wolfgang, Dankeschön. 🙂

  3. Gabriele sagt:

    Lieber Cello, alles Gute für das neue Lebensjahr und für die hoffentlich noch vielen kommenden Jahre ganz viel Gesundheit!

    Jetzt bin ich so alt und habe bis heute nicht gewusst, dass es Grubenpferde gab. Es ist schockierend, was man diesen liebenswürdigen Tieren angetan hat, was haben diese armen Tiere für ein erbärmliches Leben gehabt.

  4. Silke sagt:

    Happy Schlüpftag, Süßer ❤❤❤

  5. Marianne sagt:

    Mit viel Spannung und Wehmut habe ich den Rückblick auf die Grubenpferde gelesen. Ich hatte Ansichtskarten und Fotos vor Augen, mit Pferden, die unter Tage Arbeit verrichten mussten.
    Mit dem Steigerlied bin ich aufgewachsen.
    Den Text von „Glückauf Cello“ habe ich nicht gelesen, sondern sofort gesungen. Das ging natürlich nicht ohne Tränen. Hatte ich doch die Pferde unter Tage vor Augen.
    Mein Opa kam 1907 nach Gelsenkirchen, wurde Bergmann, wurde Steiger, wie auch einige seiner Söhne. Das Steigerlied wurde zu jeder Familien- Feier von uns Nachkommen (ich bin 76 J.) gewünscht und mit Inbrunst geschmettert.
    Der gesamte Text berührt mich wirklich sehr.
    “ Kein Tag ohne Hof Butenland“

  6. Marianne sagt:

    Welch eine Freude für Cello auf Hof Butenland so fürsorglich begleitet zu werden!
    Mit viel Spannung und Wehmut habe ich den Rückblick auf die Grubenpferde gelesen. Ich hatte Ansichtskarten und Fotos vor Augen, mit Pferden, die unter Tage Arbeit verrichten mussten.
    Mit dem Steigerlied bin ich aufgewachsen.
    Den Text von „Glückauf Cello“ habe ich nicht gelesen, sondern sofort gesungen. Das ging natürlich nicht ohne Tränen. Hatte ich doch die Pferde unter Tage vor Augen.
    Mein Opa kam 1907 nach Gelsenkirchen, wurde Bergmann, wurde Steiger, wie auch einige seiner Söhne. Das Steigerlied wurde zu jeder Familien- Feier von uns Nachkommen (ich bin 76 J.) gewünscht und mit Inbrunst geschmettert.
    Der gesamte Text berührt mich wirklich sehr.
    “ Kein Tag ohne Hof Butenland“

  7. Ulla39 sagt:

    Ich kann den Worten von Admin nichts hinzufügen.

  8. Martina sagt:

    Lieber Cello♥️,alles Gute für das neue Lebensjahr und mögen noch ganz viele folgen. Da bist Du aber mit einem neuen Leckstein & einem neuen Mantel (tres chic!) reich beschenkt worden.
    Und Karin hat Dir Deinen Geburtstagstisch sooooooooo liebevoll gedeckt.
    Happy Birthday, lieber Cello.
    Wolfgang,das ist ja ganz großes Kino !

  9. wo aus wu sagt:

    Das freut mich aber, dass mein „Werk“ so gut angekommen ist. Zum Thema gibt bzw. gab es das Buch „Kumpel auf vier Beinen“ (U. Gilhaus), u.U. noch erhältlich über das „LWL-Industriemuseum – Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur“, Dortmund. Also wen es interessiert … habt alle einen schönen Tag!

  10. iski sagt:

    Ja, das ist eine große Ehre für Cello, in solch großem Stil gewürdigt zu werden – was er selbstverständlich verdient hat.Ich habe mit Ruhrgebiet und dem Bergmannsberuf rein geographisch so gar nichts zu tun, wusste zwar, dass es das Steigerlied gibt, kenne es aber nicht. Doch ein solches Postkartenbild von so einem armen Pferd hatte ich auch gleich vor Augen. Und dabei fielen mir auch all die unzähligen Pferde ein, die in früheren Jahrhunderten in den Krieg ziehen mussten. Von verletzten und toten Soldaten hört man immer, aber von den armen Pferden, die unter den entsetzlichsten Bedingungen auf dem Schlachtfeld gestorben sind, nicht. Auch sie rühren mich zu Tränen.
    Cello, dir nachträglich alles Gute und ein glückliches neues Lebensjahr!

  11. Ulla39 sagt:

    Pferde sind noch im 2. Weltkrieg in den Krieg geprügelt worden und werden auch heute noch geschunden. Es gab da eine „Reiterstaffel“ … Seht Euch mal Bilder vom Krieg gegen die Sowjetunion an!
    Was ist mit dem Stierkampf? Und dem schicki-micki Reitsport?
    Und in der Medizin?

    Der Mensch, die Dornenkrone der Schöpfung

  12. wo aus wu sagt:

    Das Buch „Kumpel auf vier Beinen“ (U. Gilhaus), ist noch erhältlich über das „LWL-Industriemuseum – Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur“. Habe heute mein Exemplar bekommen.

  13. Ira sagt:

    Alles Liebe und Gute zum Geburtstag nachträglich und viel Gesundheit!
    Ich wünsche dir noch viele wunderschöne Jahre!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.