Denn Tiere sind keine Maschinen

Das 9. Tor

von Admin, am 09.12.2021.


Das 9. Törchen öffnen der 26jährige Cello und der 32jährige Runi gemeinsam.

Cello ist ein ehemaliges Turnierpferd, das am Ende nur noch unter Schmerzmitteln durch die Rennen gepeitscht wurde. Als er im Frühjahr 2013 endlich auf unseren Hof vermittelt werden konnte, war er auch psychisch völlig am Ende, wen wundert es bei diesem Vorleben? Alles, was ihn an Arbeit erinnerte (z.B. Halftern), ließ ihn zurückscheuen und machte ihn nervös. Mit der Zeit fasste er aber wieder Vertrauen, und obwohl er sich lieber von den anderen Pferden etwas absondert, ist er ein ruhiger und lieber Vertreter seiner Art, der sogar auf seinen Namen reagiert. Seine Beschwerdenliste ist leider lang. Er kam mit einem Sommerekzem, diversen Allergien und einem bereits chronischen Lungenemphysem zu uns. Wegen letzterem bieten wir ihm täglich Inhalationen an, die ihm sichtlich gut tun. Im Sommer 2018 wurde zusätzlich ein Cushing-Syndrom bei ihm diagnostiziert. Erst letzte Woche erhielt unserer tapferer Wallach wegen seinem momentan starken Husten eine Cortisondepot-Injektion vom Tierarzt. Außerdem hat ihm sein Patenonkel Wolfgang aus Wuppertal heute ein Kristallkraft-Kräuterpaket für die Adventszeit geschickt, er ist jetzt also vorerst hervorragend versorgt.

Runi ist seit dem Tod von Loriot das hofälteste Tier auf Butenland. Bei seiner Ankunft im Sommer 2019 litt er unter starkem Milbenbefall, hatte eine Nebenhöhlenentzündung, sein Gebiss lag mehr oder weniger in Trümmern, via Blutbild wurden Wurmparasiten festgestellt, seine Leber- und Nierenwerte stagnierten im tiefsten Keller, es wurde eine Unterversorgung mit Selen und Zink diagnostiziert und in seinem Penis hatten sich Smegmasteine angesiedelt. Wir wissen nicht, ob es sich dabei um den Standardlohn handelt, den man für den fast 18jährigen Dienst in einer Reitschule erhält. So eine Schule hat Runi nämlich mit 12 Jahren aus Island importiert und danach ge – oder wohl eher benutzt. Es hat uns einige Nerven gekostet, diese Baustellen alle unter Kontrolle zu bekommen, aber nach einer Penisreinigung, einer Wurmkur, Mittel zur Blutbildung, Aufbaupräparate für die Leber, diversen Zahn- und Tierarztvisiten und natürlich täglichen Bürst-, Wasch- und Eincremeaktionen kam unter dem Häufchen Elend doch tatsächlich ein wunderschönes Pferd zum Vorschein, das sich von Anfang an super mit seinen Artgenossen verstanden hat und auch alle anderen Tiere, egal ob Pekinese, Mensch oder Rind freundlich behandelt.


Kategorie: Allgemein

3 Antworten zu “Das 9. Tor”

  1. Conny sagt:

    Was für ein glückliches Lächeln Runi da zeigt…dies Bild sagt mehr als tausend Worte. Ich freue mich für die zwei, dass ihr Leben nun endlich lebenswert ist.

  2. wo aus wu sagt:

    Freut mich, dass die Kräuter und Pülverchen bei meiner „Fernbeziehung“ anschlagen. Bin ja auch so ein Lungentier, Hustenreiz bei diesen Witterungsverhältnissen kenne ich zur Genüge, total lästig, und auf die Dauer auch nicht gut.
    Mögen die drei noch lange miteinander um die Wette laufen!

  3. Gabriele sagt:

    Ich freue mich für mein Patenkind Runi, dass dieser liebe Schatz bei Euch endlich ein gesundes und glückliches Leben hat. Ich wünsche Runi und Cello, dass sie sich den Inhalt des Söckchens brüderlich teilen.

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