Denn Tiere sind keine Maschinen

Tierhalter mit Vollgas gegen die Wand

von Admin, am 19.11.2021.

Ende März 2020 fanden wir eine Kuh in einem unserer Wassergräben. Dort lag sie nicht nur völlig entkräftet, gleichzeitig war sie auch noch hochschwanger. Wir tauften sie Lina und nahmen sie in unsere Familie Rübergemacht auf. So nennen wir alle Rinder, die aus eigenen Kräften von einem Nachbarbauern nach Butenland kommen, obwohl man bei Lina eigentlich kaum mehr von eigenen Kräften sprechen konnte. Es folgte eine lange Nacht, in der wir ihr Kalb erst im Mutterleib bewegen mussten, da die Gebärmutter um 360 Grad verdreht war, nur um dann festzustellen, dass das Kind zu groß für eine normale Geburt war. Also musste unser Tierarzt auch noch einen Kaiserschnitt durchführen. Linas Kind Mia überlebte leider nur 22 Stunden, dann starb es an einer Selenunterversorgung. Lina zeigte schon bei ihrer Ankunft großflächige Stellen, an denen sie sich wundgelegen hatte, auch alte Hämatome und sogar Kettenabdrücke fanden wir auf ihrem Körper.

Immer wieder besuchte uns der Tierarzt, immer wieder gab es neue schlimme Diagnosen. Er diagnostizierte die alten Wunden als teilweise nekrotisch, also als totes Gewebe, das aufgeschnitten werden musste. Zusätzlich hatte sich bei Lina durch die schwere Geburt auch noch der Labmagen verlagert, so dass sie die nächste OP durchstehen musste. Schon da war die Prognose nur sehr vorsichtig, einfach weil Lina auch eine sehr zarte Kuh war, die so viel durchmachen musste.

Bereits damals gab es eine Flut von Kommentaren, die forderten, dass wir Lina direkt nach dem Kaiserschnitt gehen lassen sollen. Es gab sogar Stimmen, die diese Kuh gar nicht aus dem Wassergraben gezogen hätten. So etwas stösst bei uns aber immer auf taube Ohren, denn wir werden immer in Absprache mit den besten Ärzten, sogar oft die Chefärzte der jeweiligen Kliniken, um unsere Lieben kämpfen und ihnen so eine Chance geben, die sie woanders nie bekommen hätten. Butenland ist das Kuhaltersheim, deshalb wird hier niemand abgeschrieben und ersetzt, sondern kann sich auf eine lückenlose Gesundheitsversorgung durch die kompetentesten Ärzten verlassen. Einfach weil hier nicht „nur Tiere“ leben, sondern Familienmitglieder. Warum sollten wir überhaupt auf unbeteiligte Außenstehende hören, wenn wir mit den besten Tierärzten ständig in Kontakt stehen und diese Fachkräfte noch Chancen sehen? Wenn diese Koryphäen der Tiermedizin uns mitteilen, dass sie keine Chance mehr sehen, haben wir noch nie gezögert, ein Tier erlösen zu lassen. Das ist aber die einzige Meinung, die wr da zulassen.

Das Thema müssen wir nochmal anschneiden, weil die Fleckviehzucht Primbs diese Geschichte aufgegriffen und in ihren Worten geschildert hat. https://www.facebook.com/FleckviehzuchtPrimbs/photos/a.366551813548634/1692586687611800/ Das Ganze wieder so selbstentlarvend, dass wir es einfach nochmal kommentieren müssen. Da wird uns vorgeworfen, dass wir die Story dafür benutzt hätten, um gegen Landwirte Front zu machen. Obwohl wir unseren Nachbarn so sehr aus der Berichterstattung rausgehalten haben, dass uns viele Follower unterstellt haben, ihn unnötig zu schützen. Natürlich wurde auch angemerkt, dass Lina im „tierschutzrechtlich relevantem Zustand“ am Leben gehalten wurde. Ein Konzept, dass gerade in Zuchtbetrieben völlig absurd erscheint, weil dort noch nie um ein Rind gekämpft wurde, geschweige denn Operationen durchgeführt werden. Da wird geschaut, ob eine kranke Kuh noch zu melken ist, wenn das nicht der Fall ist und sich die Sache nicht mit zusätzlichen möglichst billigen Pillen oder einer einfachen Arztvisite klären lässt, dann geht sie eben zum Schlachter und wird ersetzt. Und schon am nächsten Tag erinnert sich niemand mehr an den Namen, den sie eh nur bekommen hat, weil man versucht, die Tränendrüse zu bedienen, die man Tierrechtlern in jedem zweiten Kommentar vorwirft.

Dann wird herausgehauen, dass die Community nach dem Tod frohlockte, weil die Welt ein bißchen besser geworden wäre. Das ist so krass, denn natürlich war unsere Community wie auch wir nach Linas Ableben am Boden zerstört. Das ist so bezeichnend, dass eine Fleckviehzucht nach so einem Ereignis aber eher in Feierlaune wäre, weil dort die Rinder eben nicht wie Lebewesen behandelt werden, sondern als reine Geldvermehrungsmaschinen. Und wenn es eine Möglichkeit gibt, um an ihrem Tod zu verdienen, dann geht man in der Familie Primbs eben davon aus, dass die Sektkorken knallen und man diese Möglichkeit mit leuchtenden Augen ergreift.

Dann wird es lustig, denn der Autor weist ganz stolz daraufhin, dass er immer die Wahrheit sagt, deshalb von Kälbern in Iglus, Trennung von Kuh und Kalb, Milcherzeugung, künstlicher Besamung und Gülle auf dem Acker redet, um in seiner Argumentation nicht ins Schleudern zu geraten. Fast niedlich, wenn man bedenkt, dass der gleiche Typ in anderen Beiträgen von Kühen berichtet, die angeblich sogar froh sind, wenn er sie heldenhaft nach wenigen Stunden von ihren Kindern O-Ton „befreit“ oder in einem anderen Eigenproduktionsmärchen erklärt, dass Kälber nach der Trennung brüllen, weil sie Hunger haben, aber dabei keine Sekunde mehr an ihre Mutter denken.

Danach wird noch schnell rausgehauen, dass ein Butenländer ein verurteilter Terrorist ist (natürlich ohne einen Namen zu nennen, weil man dafür zu feige ist), Jan bereits zweimal pleite gegangen ist (wovon wir auch nichts wissen, schließlich war er Butenländer Käse sogar ein Verkaufsschlager gewesen, wieso hatte der Hof überhaupt einen geschätzten Wert von über 1 Millionen Euro, als er in die Stiftung geflossen ist, wenn er doch angeblich pleite war?), unser Autor eine Geschlechtsumwandlung gemacht hat und jetzt eine Frau ist, die Tiere zu wenig Platz hätten (40 (!) Hektar für 38 Rinder) und kaum Futter bekommen. Der letzte Punkt ist sehr interessant, denn immerhin bekommen wir mittlerweile zweimal im Jahr Besuch vom Veterinäramt und der Landwirtschaftskammer, ohne dass jemals eine Strafe aufgrund der Tierhaltung ausgesprochen wurde. Das spricht dann ja doch eher gegen Rinder kurz vor dem Verhungern. Diese üblen Nachreden wären erstens schon einer Klärung vor Gericht würdig, zeigen aber zweitens auch, dass der Kerl nicht mal den Hauch einer Ahnung von den Abläufen auf Butenland hat.

Gerne gehen wir auch noch auf ein paar „Fragen“ ein, die im Kommentarbereich aufgekommen sind. Tatsächlich bekommt Butenland keine Subventionen, das Ganze kann man sogar öffentlich nachprüfen. Aber selbst wenn das anders wäre, wirkt es sehr dumm, wenn man als Bauer Lebenshöfe als Spendenbettler tituliert, da man selber seinen Betrieb schliessen müsste, würde man keine Spenden vom Staat bekommen. Der Unterschied ist da nur, dass unsere Unterstützer freiwillig spenden, während man Betriebe wie Fleckviehzuchten zwangsweise als Steuerzahler mit Spenden unterstützen muss und dort noch nicht mal etwas an der Höhe ändern kann.

Und ja, unsere Rinder furzen auch Methan, allerdings haben wir kein Problem damit, aus der Tierhaltung auszusteigen. In unserer idealen Zukunftsperspektive sind wir sogar arbeitslos, weil es keine ausgebeuteten Nutztiere mehr gibt und Lebenshöfe deshalb überflüssig geworden sind. Leider ist das aber noch ein Utopie, deshalb bleibt Butenland bestehen, damit es wenigstens einen kleinen Hoffnungsschimmer für Fleckvieh und andere gnadenlos ausgebeutete Tiere gibt.

Sehr albern sind die tränenerstickten Hinweise, dass es angeblich Morddrohungen gegen Hofbetreiber gegeben hat, weil Butenland deren Videos kommentiert hat. Wir bekommen regelmäßig Drohungen, werden beleidigt und beschimpft und kennen sogar grundsätzlich keinen Bauern in unserem Kommentarbereich, der vernünftig argumentiert. Dürfen wir diese Flut jetzt also auch ein paar Wochen lang komplett der Fleckviehzucht Primbs in die Schuhe schieben? Oder ist das eher dumm, die Gewaltbereitschaft von vereinzelten Idioten in der Followerschaft auf die Autoren herunterzubrechen?

Interessant ist auch, dass dort ständig erklärt wird, wie einfach so ein Lebenshof zu führen ist, wie super die „Spendenmasche“ Geld abwirft, und wie deutlich es ist, dass Jan deswegen trotz abgeschlossener Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister kein richtiger Bauer ist. Trotzdem heult man aber nach dieser Bestandsaufnahme darüber, wie schwer es der eigene Betrieb hat und wie ärgerlich man das Image der Tierhalter findet. Obwohl es nach eigener Aussage gar kein Ding wäre, auf einen Lebenshof umzusteigen und damit reich zu werden. Wahrscheinlich merken die Typen selber gar nicht, wie unlogisch ihr Gefasel vor diesem Hintergrund ist.

Aber dieser Text ist mittlerweile schon wieder viel zu lang, eigentlich wollten wir auch nur wegen Lina darauf eingehen und dieses Schicksal nochmal klären. Und vor allem auch zeigen, was da in den Augen von ach so tierliebenden Bauern wie der Familie Primbs geschehen ist. Ihre eigene Kommentierung lässt ihr Luftschloß „Bei uns geht es allen Rindern gut und diese Maschinen werden auch exzellent gewartet“ so schön zerplatzen. Betteln wir einfach weiter nach Spenden und lassen die Familie Primbs weiter dafür beten, dass ihr Betrieb wie in Niedersachsen üblich nur alle 16 Jahre Besuch vom Veterinäramt bekommt und dieser auch immer Tage vorher angekündigt wird. Das Prinzip hat sich ja für beide Seiten bewährt.


Kategorie: Allgemein

9 Antworten zu “Tierhalter mit Vollgas gegen die Wand”

  1. Marita sagt:

    „Missgunst bedeutet nichts anderes, als das bittere Eingeständnis, Selbst nichts erreicht zu haben“. Ihr habt Euch entschieden Tieren zu helfen, weil es viel zuviele Menschen gibt, die Tieren weh tun. Die Berichte von Bauern, die missgünstig auf Euren Umgang mit den Tieren und Euren „Einnahmen“ schauen, haben doch die größten Probleme mit sich und ihrem Leben. Wahrscheinlich auch mit ihrem Innenleben. Denn ein Tier auszunutzen und zu quälen, kann auf die Dauer dem Herz und der Seele nicht zuträglich sein. Wenn nicht so viele Tiere unter dieser Art von Menschen leiden müssten, würden sie mir fast leid tun. Aber nicht nur ich fühle mich bemüßigt, Menschen wie Euch Butenländer zu unterstützen. Denn Ihr macht das, was ich gerne täte, aber keine Möglichkeit dazu habe. Deshalb übersende ich Euch auch gleich eine anständige Spende. Denn das was Ihr Butenländer tut, muß belohnt werden.

  2. Martina sagt:

    Zu versuchen Hof Butenland zu diskreditieren,wird bei mir ohnehin nicht funktionieren,da ich mir im Laufe der letzten 2 Jahre mein eigenes Bild über die tolle Arbeit
    von Karin & Jan gemacht habe.
    Die Aussagen der Fam. Primbs sind für mich nicht relevant

  3. Monika Hoffmann-Kühnel sagt:

    Manchmal bedauere ich es schon, nicht bei Facebook zu sein, weil ich somit nicht kommentieren kann: aber ich frage mich in der Tat sehr ernsthaft, weshalb nicht alle Tierhalter in der Landwirtschaft auf Lebenshof umstellen, wo doch damit so viel Geld mit soviel weniger Arbeit zu verdienen ist! Geht’s eigentlich noch dümmer?

  4. Monika sagt:

    Liebe Karin, lieber Jan, bitte regt Euch nicht zu viel über so ein haltloses Geschwafel auf! Man sieht Euren Tieren mit glänzendem Fell und soweit möglich bestens im Futter an, wie gut es ihnen geht! Ihr trefft Eure Entscheidungen so, wie es ethisch richtig ist. Wir stehen hinter Euch!!

  5. Judith Flohé sagt:

    Das ist unfassbar!!. Ich sehe, da spricht der totale Neid, dass Ihr es echt gut hinkriegt. Bei euch läuft’s. Das kann er nicht verpacken und schiesst mit unhaltbaren Argumenten. Eigentlich sind solche Leute es nicht wert, dass man sich aufregt. Ich kann nur sagen macht weiter so!!! Ihr macht das toll, ich bewundere eure Arbeit und den Mut es genau so zu tun. Und ich denke JEDE MENGE anderer Leute sieht das genau so.

  6. Kerstin sagt:

    Ich schließe mich meinen Vorrednern vollumfänglich an. Ergänzen möchte ich kurz, dass jeder, der in der Lage ist, zu sehen, sich nur die Bilder von Lina – der ich noch oft freundliche Gedanken sende – anschauen muss: Aus dem völligen Häuflein Elend, das aus dem Wassergraben gezogen wurde, ist in ganz kurzer Zeit eine Kuh geworden, die in großer Würde Abschied genommen hat, und in deren zuvor erloschenen Augen kurz vor ihrem Tod Glanz zurückgekehrt ist, und ein Hauch von Vertrauen. Das fand ich damals ungeheuer bewegend. Allein dafür werde ich Butenland gegenüber immer loyal bleiben. Ihr macht alles richtig, und ich kann gar nicht oft genug sagen, wie froh ich bin, dass es Euch gibt.

  7. Doris sagt:

    @Monika, du musst nicht bei Facebook angemeldet sein, die Kommentar-Funktion wurde deaktiviert. Es sind nur Kommentare von guten Freunden und die möchte niemand lesen. Ich glaube der Familie kann man nicht mehr helfen, die sind so weit weg von der Realität. Da hilft kein Reden mehr. Die glauben wirklich die Milch kommt vom Gras. Der beschwert sich über die gezahlten Spenden an Butenland – wir spenden doch alle freiwillig. Kann es sein, dass die von uns mitfinanzierten Subventionen nicht mehr ausreichen? Also liebe Butenländer macht bitte genauso weiter. Eure Familienmitglieder und die die es hoffentlich noch werden, werden es euch danken.

  8. Anja W. sagt:

    Ich weiß nicht, was mich mehr aufregt. Die Darstellungen der Fam. Primbs oder die ganzen dummen Kommentare der kalten, herzlosen „Fans“. Liebe Butenländer, Ihr seid auf dem richtigen Weg und Ihr macht alles richtig!! Bitte lasst euch von solchen Menschen nicht entmutigen und gebt bitte niemals auf.

  9. Michaela sagt:

    Ich bin froh und dankbar, dass euch gibt!! Diese Welt und vor allem ihre Tiere braucht sooo dringend Menschen wie euch!!

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