Denn Tiere sind keine Maschinen

Neue Verordnung zu Kälbertransporten

von Admin, am 09.07.2021.
Der Bundesrat hat seinen Sinn für schwarzen Humor entdeckt und vor einer Woche eine neue Regelung beim Transport von Kälbern beschlossen. Versteckt in der „Tierschutz-Hundeverordnung und der Tierschutztransportverordnung“ wurde da mal eben rausgehauen, dass Kälber nicht mehr 14 Tage nach der Geburt auf ihre Fahrt in den Tod geschickt werden dürfen, sondern man damit jetzt 28 Tage warten muss. Man könnte sich schon darüber aufregen, dass diese Verordnungen zusammengelegt worden sind, so nach dem Motto „Sind ja alles Viecher“, aber viel interessanter ist die Reaktion auf diesen „mutigen“ Gesetzesentwurf.
 
Die Bauern regen sich darüber auf, dass sie die Tiere länger versorgen müssen und trotz üppigen Subventionen (die übrigens nichts anderes als unfreiwillige Spenden vom Steuerzahler sind) dafür echt kein Geld haben. Da bemühen manche Vertreter sogar Flipcharts und lamentieren über den verpassten idealen Zeitpunkt, eine Familie auseinanderzureißen, und wann man am besten damit anfängt, Kinder so dick zu mästen, dass man möglichst viel Fleisch bei ihrer Ermordung erhält. https://www.facebook.com/watch/?v=1033733527165708 Um den Text etwas humoristisch aufzuwerten, tippen wir an dieser Stelle auch mal einen Originalkommentar eines Tierhalters ab, der auf der Facebookseite „Land wird fair“ gesetzt wurde: „Da kommt noch hinzu, das ich gar nicht weiss wo ich die Tiere raumlich zwei Wochen halten soll. Sollen wir die Bullenkälber stapeln? Wirtschaftlich gesehen sollen die männlichen Kälber gar nicht geboren werden. Mit ein remontierungsrate unter 25 % werden auch nur die hälfte von die Weibliche gebraucht. Jetzt soll ich 300 Kälber zwei Wochen länger halten?“ https://www.facebook.com/landwirdfair/videos/1033733527165708 Dieser Beitrag ist nicht nur für die deutsche Bildungspolitik ein Schlag unter die Gürtellinie, er zeigt auch, dass die meisten Bauern an vieles denken, nur nicht an das Wohl ihrer Tiere, die sie ausschließlich als Produkte sehen.
 
Die Leute, denen es um das Wohl der Tiere geht, sind ebenfalls sauer, einfach weil sie keine Verbesserung in der angedachten Verordnung sehen. Wie sollte man das auch, wo der Bundesrat nicht mal die Verlängerung begründen kann, sondern sie wohl im Hinterzimmer ausgewürfelt hat? Da hilft dann auch kein Gefasel über die verbesserte Knochenstruktur von Kälbern, die man 14 Tage länger mutterlos im Plastikiglu einsperrt. Im Endeffekt werden auch diese Wesen im Kleinkindalter umgebracht, was noch immer jede Tierwohl-Bezeichnung ausschließt. Überhaupt soll das ganze Gesetz ab Winter 2022 greifen, da braucht man keine Wahrsagerkugel, um davon auszugehen, dass das dann amtierende Landwirtschaftsministerium das ganze Schlamassel wieder kippen oder zumindest nach hinten schieben wird, weil die übliche Quengelei der Bauernlobby im schrillen Bereich angekommen ist.
 
Und den Tieren ist das Gehampel sowieso egal. Die wollen einfach bei ihren Müttern groß werden und sich so gesund entwickeln, anstatt in elendigen Plastikiglus zu vegetieren. Und dass nicht 14 oder 28 Tage lang, sondern mit einem offenen Zeitfenster, das sich mindestens in Jahren bemisst. Was man den Tieren mit diesem Abbruch antut, sehen wir auf Butenland jeden Tag an Karlsson. Der hat mit Ole, Carlotta und Tom einen gleichaltrigen Freundeskreis und überragt diesen um fast zwei Köpfe, einfach weil er mit Muttermilch aufgezogen wurde und die anderen entweder nach wenigen Wochen abgestillt wurden oder sogar überhaupt nicht an Mamas Euter durften. Das können nur Leute übersehen, denen Tierwohl am Allerwertesten vorbeigeht und bei denen sich alles darum dreht, eine abscheuliche Tat wie das Töten eines schmerzempfindlichen, emotionalen Lebewesens und seiner anschließenden Verspeisung in ein hübscheres Licht zu stellen. Was auf Dauer bei keinem Menschen funktionieren wird, der etwas für Tiere empfindet und dem ihr Leid nicht egal ist.


Kategorie: Allgemein

3 Antworten zu “Neue Verordnung zu Kälbertransporten”

  1. ellen sagt:

    Es ist unfassbar, wie mit Lebewesen umgegangen wird. In unserer Nachbargemeinde entsteht gerade eine sogenannte, wertvolle „Biogasanlage“, bestückt, natürlich mit sehr vielen Kühen. Gestern Nacht erreichten die ersten Kälber, laut brüllend, ihr Gefängnis. Natürlich ein wunderbarer, offener Stall mit Spaltboden, damit die Fäkalien sofort in die Bioanlage überführt werden können. Lockdown bis zum Tod. Die ganze Anlage wird natürlich gefördert. Kilometerlange Kabel verlegt, alles zum Wohle der Menschheit!!!!!!

  2. Silke sagt:

    Man kann gar nicht soviel essen, wie man k… möchte 🙁

  3. Gabriele sagt:

    Hallo Silke, spreche es doch ruhig aus es ist doch angebracht. Mir kommt auch alles hoch und ich könnte nur kotzen und gleichzeitig weinen, wenn ich das lese.

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