Denn Tiere sind keine Maschinen

Tiertransporte in Drittstaaten

von Admin, am 13.02.2021.

Unser Bericht vom letzten Wochenende über das einsame Kalb im zugeschneiten Iglu inklusive Aufklärung über Kältestreß hat viele Bauern dazu veranlasst, auf unserer Seite zu „diskutieren“. Die wenigen Vertreter, die dabei nicht ausfallend wurden, wiesen in Dauerschleife daraufhin, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt und ansonsten Rinder grundsätzlich wunschlos glücklich den Himmel auf Erden in deutschen Betrieben erleben. Das nehmen wir direkt zum Anlass, um diesen Zeit-Artikel zu teilen, der sich mit dem nächsten Thema beschäftigt, das Bauern gerne verschweigen. Vor allem weil man hier nicht mal mehr annähernd von Einzelfällen sprechen kann.

Es geht um die Verschiffung von trächtigen Kühen in Drittstaaten. Seit Ewigkeiten läuft da nämlich schon ein einträgliches Geschäft und deutsche Rinderzüchter verkaufen Teile ihres Bestands in Länder wie Marokko, die von Tierschutzgesetzen noch nie etwas gehört haben. 2019 mussten über 52.000 Tiere diese Höllenfahrt mitmachen. Im Artikel wird beschrieben, wie eine dieser Kühe erst bei der Verladung bis aufs Blut gequält wird und danach vor Ort elendig ausblutet, ein Todeskampf, der hier in Deutschland aus guten Gründen verboten ist, in den Drittstaaten aber Normalität darstellt. Auch auf den Transport wird eingegangen, zwar nicht durch Interviews mit direkt Beteiligten, da die komplett jede Stellungnahme abgelehnt haben, was auch schon tief blicken lässt. Aber durch neutrale Dokumentationen ist längst bekannt, dass die Tiere im Durchschnitt fast eine Woche unterwegs sind, kaum versorgt werden, in den Ankunftsländern schon mal über mehrere Tage entladen werden und dabei ständig aufeinanderhocken. Natürlich ist die Sterberate schon bei dieser Tortur entsprechend hoch.

Hier in Deutschland streitet man sich schon seit Jahren über diese Schande. Auch das wird im Artikel beschrieben und der ganze absurde Behördenapparat wird entlarvt, in dem Gerichte Transporte verbieten, aber von höheren Instanzen korrigiert werden. Sogar das niedersächsische Landwirtschaftsministerium verfügte schon Exportstopps, an die sich das zuständige Veterinäramt einfach nicht gehalten hat, ohne dass dies Konsequenzen hatte. Nun stimmt sogar der Bundesrat über ein Verbot ab, aber man darf sich wohl nicht viele Hoffnungen machen, dass da etwas Positives herauskommt. Erst gestern in der heute-Show wurde Julia Klöckner wieder ein ganzer Beitrag spendiert, die Frau wird dort nur noch als „Lobbypuppe von der Bauerntruppe“ bezeichnet, in der gestrigen Sendung hat sie sogar selber zugegeben, dass sie sich als Hauptlobbyistin des Bauernverbands sieht. Diese Frau und ihr Machtapparat werden deshalb sogar bei einem Verbot dafür sorgen, dass Ausnahmegenehmigungen kommen und großzügig genutzt werden. Das sieht man auch schon an der Tatsache, dass in verschiedenen Bundesländern bereits Transportstopps in „Risikostaaten“ gesetzlich verboten wurden, darunter Marokko. Amtsveterinäre dürfen aber Vorlaufatteste für die Verbringung in andere deutsche Landkreise ausstellen und schon gelangen Kühe wie durch Zauberhand und mit erheblicher krimineller Energie der Verantwortlichen etwa über Schleswig-Holstein trotz offiziellen Exportstopps weiterhin in die illegalen Drittstaaten.

Unter dem Strich ist das einfach wieder eine Tierquälerei, die viele Bauern nicht auslassen werden, weil für trächtige Kühe im fernen Ausland fast doppelt so hohe Preise gezahlt werden, da der Markt noch nicht so übersättigt ist. Und weil Geld die Welt regiert, wird deshalb auch die Politik höchstens halbherzige Verbotsvorstösse wagen und diese wie üblich einfach nicht kontrollieren. Das Leid der Tiere kann man einfach nur persönlich aus dem eigenen Leben ausklammern, indem man sie nicht mehr ausbeuten lässt, weder schön, noch gut und schon gar nicht beim utopischen Bauern aus der Nachbarschaft. Lest euch bitte den hervorragenden Zeit-Artikel durch, ein Probe-Abo ist sogar gratis. Es lohnt sich wirklich: https://www.zeit.de/2021/07/tierschutz-tierexport-kuh-schlachtung-transport-verbot-eu/komplettansicht


Kategorie: Allgemein

9 Antworten zu “Tiertransporte in Drittstaaten”

  1. Janina sagt:

    Frau K. hätte es bei der Weinkönigin belassen sollen.

  2. Wo aus Wu sagt:

    Das Lobby-Register läßt ja auch weiter auf sich warten – warum nur? Ob es denn überhaupt jemals kommt? Wenn man sich selber die Regeln machen und Standards zurechtschwurbeln kann, dann wird
    man eben genau dieses tun. Gibt es auch in anderen Ressorts. So wird dann auch das „C“ im Parteikürzel immer mehr zur Lachnummer.

  3. Monika Hoffmann-Kühnel sagt:

    Das Thema ist nicht neu, aber es macht einen immer wieder sprachlos. Tiere sind keine Güter, die man beliebig handeln, benutzen und wegwerfen kann. Nein, ich bin nicht optimistisch, was eine Entscheidung des Bundesrats betrifft, selbst wenn sie im Sinne der Tiere ausginge. Leider haben in der Politik die Lobbyisten das Sagen. Aber immerhin ist ja Wahljahr…

  4. Conny sagt:

    Das Leid dieser gequälten, hilflosen und ausgelieferten Wesen ist UNSER ALLER Leid…die Angst, der Schmerz, die Verzweiflung, die sie spüren, ist UNSER ALLER Angst, Schmerz und Verzweiflung…denn alles ist EINS und alles was der Mensch macht, wirkt sich auch auf ihn aus! Das Verhalten ALLER, die davon profitieren und der Grausamkeit freien Lauf lassen, implizit der Politiker kann man nur damit erklären, dass sie unter so etwas wie einer Dissoziativen Störung leiden müssen… nur so kann die Abspaltung von der Realität und die Rechtfertigung dieses Wahnsinns erklärt werden.

  5. Conny sagt:

    P.S. Ich will mich da nicht ausnehmen, denn ich bin noch nicht ganz da, wo ich hinmöchte auf dem Weg zu dem Menschen, der ich sein will. Deshalb mache ich ja gerade eine Therapie auf Hof Butenland und habe doch schon die ersten Fortschritte gemacht. DANKE!

  6. Gudi sagt:

    Sorry – ich könnte kreischen und kotzen bei dem Thema.
    Diese empathielose Geldgier ist einfach nur scheußlich und absolut widerlich, aber ebenso die machtgierige Lobbyarbeit innerhalb der Parteien.
    W i e schaffen es die Akteure, die alle in irgendeiner Form an dieser Quälerei beteiligt sind, des Abends zufrieden mit sich und ihrem Tagewerk zu Bett zu gehen, mit den Kindern kuscheln, eventuell ein Gebet verrichten und ohne Unrechtsbewusstsein süße Träume zu träumen ?

  7. Gabriele R. sagt:

    Ich kann das gar nicht zu Ende lesen. Alleine die Vorstellung, was diese armen Tiere durchmachen müssen, schnürrt mir die Kehle zu. Unglaublich, was für verrohte „Menschen“ es gibt, die trotz ihrer Greueltaten, ein normales Leben führen können. Ich selbst mache mir tagelang Vorwürfe, wenn ich beim Staubsaugen versehentlich eine Spinne töte.

  8. Ira sagt:

    Die Geschichte von Erika ist so grausam und passiert täglich und immer wieder.
    Da ich auch Fördermitglied bei AA
    bin, habe ich auch Bilder dazu gesehen und bin immer wieder erschüttert über soviel Brutalität gegenüber diesen hilflosen Tieren.
    Es wird schon soviele Jahre darüber berichtet und nichts ändert sich.
    Die Verantwortlichen sollten sich dafür schämen, was sind das für Menschen…..

  9. […] Wir haben erst vor gut einer Woche hier https://www.stiftung-fuer-tierschutz.de/2021/02/tiertransporte-in-drittstaaten/ über die schrecklichen Bedingungen bei Tiertransporten in Drittstaaten berichtet. Der Unterschied […]

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