Denn Tiere sind keine Maschinen

Der wilde, wilde Westen fängt kurz hinterm Nordseedeich an

von Admin, am 23.02.2021.

Im heutigen Video dreht sich endlich mal wieder alles um unsere Pferdefamilie.

Der Älteste im Bunde ist Loriot, er wird in 4 Tagen 32 Jahre alt. Bis 2005 musste er auf einem Reiterhof als Schulpferd dienen, dementsprechend desinteressiert war er bei seiner Ankunft auf unserem Hof. Inzwischen ist er aber wieder sehr aktiv und dient jedem neuen Mitglied als geduldiger Mentor. Obwohl er altersbedingt unter Arthrose leidet, ist er momentan topfit, macht sogar hin und wieder Renneinlagen mit Cello oder Pferdinand und nimmt rege am Hofalltag teil.

Der 25jährige Cello lebt seit 2013 auf Butenland und ist ein ehemaliges Turnierpferd. Zu seinen letzten sportlichen Leistungen wurde er vom Vorbesitzer mit Schmerzmitteln getrieben und war entsprechend „verbraucht“, als er bei uns ankam. Er leidet unter Allergien und hat eine Lungenkrankheit (chronisches Lungenemphysem), das wir mit täglichen Inhalationen behandeln, die sehr gut von ihm angenommen werden.

Runi ist 31 Jahre alt und seit Sommer 2019 ein Butenländer. Bei seiner Ankunft litt er neben einem Ekzem unter starkem Milbenbefall, hatte eine Nebenhöhlenentzündung, sein Gebiss lag mehr oder weniger in Trümmern, via Blutbild wurden Wurmparasiten festgestellt, seine Leber- und Nierenwerte waren im tiefsten Keller, es wurde eine Unterversorgung mit Selen und Zink diagnostiziert und in seinem Penis hatten sich Smegmasteine angesiedelt. Wir wissen nicht, ob es sich dabei um den Standardlohn handelt, den man für den fast 18jährigen Dienst in einer Reitschule erhält. So eine Schule hat Runi nämlich mit 12 Jahren aus Island importiert und danach ge – oder wohl eher benutzt. Es hat uns einige Nerven gekostet, diese Baustellen alle unter Kontrolle zu bekommen, aber nach einer Penisreinigung, einer Wurmkur, Mittel zur Blutbildung, Aufbaupräparate für die Leber, diversen Zahn- und Tierarztvisiten und natürlich täglichen Bürst-, Wasch- und Eincremeaktionen kam unter dem Häufchen Elend doch tatsächlich ein wunderschönes Pferd zum Vorschein, das sich von Anfang an super mit seinen Artgenossen verstanden hat und auch alle anderen Tiere, egal ob Pekinese, Mensch oder Rind freundlich behandelt.

Der neueste Zugang in dieser Familie ist unser 27jährige Pferdinand, er lebt seit November 2019 auf unserem Hof. Auch seine Krankenakte war bei der Ankunft schier endlos. Er wurde beim Vorbesitzer beschlagnahmt, da sich dieser trotz mehrfacher Verwarnung vom Veterinäramt nicht um ihn gekümmert hat. Diese Vernachlässigung hat Pferdinand einen aufgerollten Vorderhuf, Hufrehe und eine Hufbeinabsenkung mit Rotation eingebracht. Durch den stressigen Transport bekam er zusätzlich einen Reheschub, hatte dementsprechend starke Schmerzen und wollte nicht mehr stehen. Dazu gaste er sehr viel, sein Darm verursachte ungewöhnlich laute Geräusche und er wollte nichts essen. Der Tierarzt war in der Anfangswoche täglich da, die Medikamentenliste des Patienten dementsprechend ellenlang. Er bekam Schmerzmittel, Blutverdünner, Entzündungshemmer, Krampflöser, Magenschutz, ein Mittel gegen Durchfall, zahlreiche Medikamente für den Magen-Darm-Trakt und Infusionen mit Glukose, Leberschutz, Elekrolyte, Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Aufbaupräparaten. Inzwischen ist das aber alles zum Glück Geschichte, Pferdinand geht es blendend und er hat sich super in unsere Pferdegruppe eingelebt.


Kategorie: Allgemein

9 Antworten zu “Der wilde, wilde Westen fängt kurz hinterm Nordseedeich an”

  1. Antonia sagt:

    Toll, wie rüstig alle 4 Senioren noch sind, – dank der liebevollen und fachkundigen Butenland-Pflege. 🙂

    Runi ist ja mindestens so plüschig wie Anton.♥

  2. Rielle sagt:

    Einfach nur schön, die Vier so zu sehen!

  3. Bettina sagt:

    Getreu dem Motto: „ Einer für alle, alle für einen“ machen die vier Butenland unsicher. Pferdinand hat wohl sein Können bei verschiedensten, selbstbestimmten Turnierspielen unter Beweis stellen dürfen und ist nun anerkanntes Mitglied der Truppe.
    Schade, dass die vier nicht für die Gunst einer bezaubernden Stute ins Feld ziehen können, das würde ihre, auf Butenland ohnehin gestiegene, Lebenserwartung sicher weiter erhöhen.

  4. Lena sagt:

    Weite Freiheit Lebensfreude

  5. Elke sagt:

    Echt toll anzuschauen, wie gut es allen geht und wieviel Freiheit sie bei euch haben. Sie können rennen, was das Zeug hält. Leider eine Rarität. Jedes Pferd / Tier verdient so ein gutes Leben.

  6. Gudi sagt:

    In Erinnerung an mein eigenes Pferd zaubern die Vier mir ein Lächeln ins Gesicht.
    Mit Kumpeln auf den Weiden zu laufen, artgerecht umsorgt, gepflegt und geliebt von den eigenen Menschen, so stellte ich mir vor, mein Leben mit meinem Pferd zu teilen. Und wenn er mich weit entfernt am Fluss rufen hörte und über endlose Wiesen mit lautem Wiehern herbei galoppierte, dann ging mein Herz auf. Danke für die Fürsorge für disee Vier ans Butenland, jeder Tag ist nach so einem Vorleben ein Geschenk.

  7. Martina sagt:

    Da sind Cello,Runi,Lolle & Pferdinand aber volle Möhre unterwegs.
    Lebensfreude pur.
    Tolle Bilder sind das – vielen
    Dank dafür !

  8. Elke sagt:

    Das sind mal wieder sehr schöne Bilder von den Pferden, die voller Lebensfreude über die Weiden galoppieren können, wann immer sie selbst das so wollen :-)♥

    Und es ist immer wieder auch sehr berührend, wie gut sich oft selbst sehr alte, kranke und/oder „verbrauchte“ Tiere erholen können, wenn man sich nur anständig und liebevoll um sie kümmert und sie nicht behandelt wie Gebrauchsgegenstände, die man – sobald sie nicht mehr richtig „funktionieren“ – entsorgt …

    Es ist schön, dass es Hof Butenland gibt!!

  9. Ira sagt:

    Einfach nur schön die Pferde so zu sehen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.