Denn Tiere sind keine Maschinen

Eine kleine Presseschau

von Admin, am 29.11.2020.

Wir bemühen uns seit Tagen darum, einem kleinen Ochsen das Leben zu retten. Das Tier wurde zu einem Schulprojekt erklärt und sollte erst Anfang nächsten Jahres geschlachtet werden, durch die öffentliche Aufmerksamkeit wurde das Ganze jetzt in eine Sklavenkarriere als Zugochse umgewandelt. Natürlich bleiben wir weiter dran, an dieser Stelle möchten wir aber diesen Fall nutzen, um mal einen kleinen Einblick in die Hirnwelten von manchen Bauern zu geben. Aufgebracht allein durch den Gedanken, ein Tier mal nicht nur zu benutzen oder es sogar zu verschonen, werden diese nämlich gerade im Breitwandformat in Kommentarbereichen der Bauernverbände präsentiert bzw. herausgekotzt.

Das fängt mit den für viele dieser Leute absolut normalen Holocaustrelativierungen an. Da werden wir einfach mal zu „Ökofaschisten“ erklärt, wahrscheinlich weil der Schulweg des Kommentierenden echt lang war, er so ständig den Geschichtsunterricht verpasst hat und deshalb keine Ahnung hat, was ein Faschist ist und welche mörderischen Methoden dieser anwendet. Karin war früher Tierbefreierin und betont bei jedem Auftritt, dass sie die damals ausgeübten Taten (übrigens nur gegen Sachen, nie gegen Personen) inzwischen für falsch hält und nur noch hinter dem friedlichen Ansatz dieser Idee steht. Trotzdem hauen geschichtsvergessene Landwirte Zeilen wie „Die RAF und die Nazis haben ihre Feindbilder auch immer als böse Menschen dargestellt. Nur dass die nicht von den Medien gehypt werden“ raus. Wie wünschenswert wäre es, wenn in der deutschen Geschichte statt dem brutalen Dritten Reich mit über 10 Millionen verursachten Toten eine Tierrechtsorganisation aufgetaucht wäre, die keinem Menschen ein Haar gekrümmt hätte? Leider lief es anders, für geistig tiefergelegte Bauern anscheinend kein Grund, um diese Dinge nicht auf der exakt selben Stufe einzuordnen. Sogar zu Aussetzern wie „Endlösung der Feindbildfrage“ liessen sich manche der Tippazubis hinreißen. Dazu noch ein interessanter Fun-Fact: Die AfD wirbt verstärkt um Bauern https://www.sueddeutsche.de/politik/afd-bauern-landwirte-1.4764413 , was auch ziemlich logisch erscheint, wenn man so liest, was für ein anscheinend harmloses Bild von Nazis manche dieser Leute aus ihrem Geschichtsunterricht mitgenommen haben.

Fast schon lustig ist folgender Satz: „Dass die Olga Terroristin ist und ihr Depp ein Versager, macht das Ganze nicht gerade sympathischer“. Diesen Satz macht dagegen schon bildungstechnisch interessant, dass er kein Zitat ist, da wir trotz der Kürze gleich sechs Rechtschreibfehler korrigieren mussten. Mit dem Vergleich „Tierbefreier/Terrorist“ inklusive des doch recht unterschiedlichen Bodycounts dieser Beschäftigungen haben wir uns schon im oberen Absatz beschäftigt. In das ziemlich rassistische Profil passt übrigens perfekt, dass ein normaler russischer Vorname in Kleinhitlershausen als Beleidigung durchgeht. Aber dass Jan als Versager hingestellt wird, setzt dem Ganzen doch die Krone auf. Selber steht der Kommentierende wahrscheinlich regelmäßig auf der Straße, heult darüber, dass er vom Staat viel zu wenig Geschenke bekommt, sein Unternehmen an den normalen Marktpreisen zugrunde geht und er aber leider viel zu unflexibel ist, um etwas zu produzieren, was andere benötigen und deshalb gute Preise dafür zahlen. Wenn so jemand dann einen anderen angreift, weil dieser ausgestiegen ist und jetzt erfolgreich seinen Hof mit einer Ansatzalternative betreibt, dann kann man da fast schon Mitleid bekommen. Oder eben einen kleinen Lachanfall.

Diesen Lachanfall bekommt man auf jeden Fall, wenn man unser Schlußbeispiel für heute beleuchtet. Da erklärt ein Bauernverband stolz auf seiner Seite, dass ihm von einer anonymen Quelle Beweise zugespielt wurden. Die veröffentlicht er natürlich auch direkt und lässt so die Bombe platzen, dass Butenland um höfliche Kommentare direkt auf der NDR-Seite gebeten hat, um so das Interesse an Themen zu zeigen. Wie dumm nur, dass Butenland diesen Aufruf auf seiner offiziellen Facebookseite gestartet hat und so der ganze Geheimhaltungsquatsch den Bach runtergeht. Dabei müssten sich gerade Bauernverbände mit anonym zugespielten Material auskennen, müssen sie doch täglich erklären, warum Fernsehsender schon wieder Aufnahmen, die massive Tierquälerei in einem ihrer Betriebe dokumentieren, von anonymen Quellen erhalten haben. Das ist aber noch nicht mal das Lustigste an der Sache, denn gleichzeitig ruft der Bauernverband schon mal gerne dazu auf, ganze Städte zu blockieren, wenn ihm politische Entscheidungen oder Medienberichte nicht in den Kram passen. https://www.tagesschau.de/inland/bauern-protest-101.html  Gerne können sich interessierte Menschen auch noch mal durch diese hervorragende Reportage https://www.youtube.com/watch?v=sgYKwOEFW3U über die geschichtliche Strippenzieherei und Vetternwirtschaft der Bauernlobby informieren. Ob das wirklich so eine gute Grundlage schafft, um Lebenshöfen vorzuwerfen, dass sie ihre Unterstützer aufgefordert haben, einen positiven Beitrag auf Facebook zu liken?

Alles in allem ärgern wir uns aber gar nicht über diese Möchtegern-Kritik. Denn am Ende entsteht sie nur durch Neid, weil unser Lebenshofprojekt das Interesse bekommt, das andere Bauern gerne hätten. Und das ist nunmal etwas grundlegendes Positives. Wenn wir uns das in Erinnerung rufen, können wir auch auf den größten geistigen Ausfall der Gegenseite wie unser heutiges Tagesbildmodel Isolde reagieren oder in einer kleinen Presseschau wie hier durchaus genüßlich kommentieren.


Kategorie: Allgemein

13 Antworten zu “Eine kleine Presseschau”

  1. Monika Hoffmann-Kühnel sagt:

    Die mangelnde Souveränität im Umgang mit Kritik oder dem, was als solche empfunden wird, kann m. E. nur damit zu tun haben, dass da ein sehr wunder Punkt getroffen wurde. Sehr viele Menschen haben begriffen, dass es so nicht weitergeht, wenn die nächsten Generationen noch eine Chance auf ein halbwegs gutes Leben haben sollen. Das macht natürlich Angst, wenn man von Natur- und Tierausbeutung lebt. Im übrigen verursacht auch bei mir jede Äußerung des Bauernverbandes und seines großen Vorsitzenden einen regelrechten Schreikrampf. Soviel weinerliche Ignoranz und Arroganz sucht ihresgleichen…
    Was ich eigentlich sagen wollte: wir müssen weiter für eine humane, faire Gesellschaft eintreten; eine andere Option gibt es nicht!

  2. Maria sagt:

    Jan Gerdes ist ein Bauer mit Format.

  3. ellen sagt:

    Das Tagesbild sagt alles – man braucht sich nur die neuesten Aufdeckungen der SOKO Tierschutz anzusehen, die wiederholt beweisen, wie übel mit den Tieren umgegangen wird. Es gibt noch viel zu tun……………….zum Glück gibt es Menschen, die vielen, grausam behandelten Tieren ein Zuhause, Glück und Zukunft geben.

  4. Janina sagt:

    Und jetzt heult derjenige, dass man hierzulande nicht mehr sagen darf, was man denkt, Wetten? Ich mach dann mal die Isolde…

    Euch wünsche ich unerschütterliche Nerven.

  5. Marita sagt:

    Der Volksmund sagt doch so schön, dass getroffene Hunde bellen. Der Bauernverband mit seinen vielen Lobbyisten hat es doch am meisten nötig, still zu sein. So viel Dreck den die am Stecken haben, können doch alle deutschen Bauern zusammen nicht produzieren. Die menschliche Größe derer, die auf Hof Butenland jeden Tag nach den Regeln von Anstand, Tierschutz und Empathie arbeiten, werden die Menschen, die sich dem Bauernverband verschrieben haben, nie erreichen.

  6. Antonia sagt:

    Das sind ja ganz schön heftige Beleidigungen! Dass Eure „Kollegen“ Euch nicht mögen, weil sie hoffentlich ethische Gewissensbisse haben, ist eine Sache, – aber sich öffentlich auf so unterirdischem Niveau zu äußern, eine andere. Wie armselig die doch sind! Es tut mir total leid für Euch, dass Ihr gerade die Zielscheibe für solche verbalen Anfeindungen seid. Ich hoffe Ihr habt wirklich etwas von Isoldes Gelassenheit und freut Euch über die wachsende Zahl an Menschen, die durch Euch jegliche Tierausbeutung beendet haben und die Tiere nun als gleichwertige Personen ansehen. Auch durch die Diskussionen um Goofy könnte sich dieser Kreis vergrößern.

  7. Bettina sagt:

    Die Reaktion war vorhersehbar, in dieser Intensität aber doch verwunderlich.

  8. Doro sagt:

    Schwarz als Weiss hinzustellen und Andersdenkende zu diffamieren ist doch seit einigen Monaten total in. Die Bauern sagen sich, was die Regierung kann, können wir schon lange. Es ist so armselig und lächerlich, dass sie sich nicht selbst blöd vorkommen, zeugt nur davon, wie vergiftet ihre Gehirne durch den Konsum von Tierprodukten bereits sind.

  9. Bettina sagt:

    Ich möchte gerne noch ein mahnendes Zitat von Nietzsche sinngemäß anfügen:
    Wer gegen Ungeheuer kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird, denn wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

  10. Hilke sagt:

    Bettina bei 9: seh ich genau so!

  11. Gabriele R. sagt:

    Wenn Rudolf Steiner dies alles mitbekommen würde, er würde sich im Grabe umdrehen. Er hatte ja schon zu seinen Lebezeiten schlimme Zukunftsvisionen, was den ethischen und moralischen Zerfall der menschlichen Spezies betrifft. Doch, dass gerade Menschen aus seinen eigenen Reihen, sein Erbe und seine hohen ethischen Lehren so beschmutzen und auch noch unschuldige Kinder in diesen blutigen, unmenschlichen Sumpf mit hineingezogen werden, dass hätte Steiner Tränen in die Augen getrieben.

  12. Bettina sagt:

    @Gabriele:
    Ich glaube, das Walddörfer-Gymnasium hat mit den Waldorfschulen nichts zu tun.

  13. ingeborch sagt:

    Fest gedrückte Daumen für den Ochsen!

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