Denn Tiere sind keine Maschinen

Aus einer Haltung für „glückliche Mutterkühe“

von Admin, am 16.06.2020.

„Ich kenne kein einziges Rechtsgebiet, in dem so heuchlerisch vorgegangen wird wie im Tierschutzrecht. Wo so viel oben drin steht und so wenig unten ankommt“. (Prof. Dr. iur. Steffen Augsberg, Deutscher Ethikrat)

Unser heutiges Tagesvideo ist nichts für schwache Nerven, und das meinen wir ausnahmsweise mal im vollen Ernst. Das kurze Handy-Video erhielten wir heute morgen von einem Butenland-Unterstützer und es zeigt eine Kuh, bei der das Horn in den Schädel gewachsen ist. Was müssen das für unfassbare Schmerzen sein, wenn etwas nicht nur auf die Kopfseite drückt, ohne dass man es entfernen kann, sondern sich auch noch Tag für Tag weiter in den Schädel hineinbohrt?

Wir haben uns direkt mit der SOKO Tierschutz kurzgeschlossen, sowohl von dieser Organisation als auch vom Anwalt und Kuratoriumsmitglied der Stiftung Hof Butenland wurde dem Halter eine Anzeige sowohl bei der Polizei wegen Unterlassung und Tierquälerei als auch beim Veterinäramt erstattet. Dabei sind wir sehr zuversichtlich, dass das Amt hier tätig wird. Viel zu oft wurden glasklare Anzeigen abgeschmettert, indem dem Halter recht larifari kein Vorsatz unterstellt wurde und angeblich auch kein länger andauerndes Leiden festgestellt werden konnte. Das schliesst sich in diesem Fall aus, denn so ein Horn wächst über Monate in den Schädel und kann nur bei Haltern vorkommen, die sich keine 5 Minuten mit ihren Tieren beschäftigen. Tage bevor die Hornspitze sich in den Kopf bohrt, wird auch erstmal das Fell weggescheuert, das kann man also sehr früh erkennen, wenn man nur will. Tatsächlich erreicht uns gerade beim Aufsetzen dieses Textes die Nachricht, dass das Veterinäramt bereits heute morgen kontrolliert hat und ein Strafverfahren eingeleitet wird. Gleich morgen wird nachgeprüft, ob der Tierarzt das Horn behandelt bzw. gesägt hat. Wir werden an der Sache weiter dran bleiben und haben uns als Ziel ganz klar ein Tierhalteverbot für den Verantwortlichen gesetzt.

Der für den Hof zuständige Tierarzt wird ebenfalls zur Rechenschaft gezogen. Denn auch er muss wie so üblich weggeschaut haben, spätestens bei der gesetzlich verbindlichen und deshalb jährlich anstehenden BHV1-Blutuntersuchung müssen solche Misshandlungen auffallen. Übrigens stammt das Horror-Video aus einem Betrieb, der ausdrücklich unter „Glückliche Mutterkuh-Haltung“ firmiert. Daran sieht man mal wieder, was für Augenwischereien auch hier in den meisten Fällen sind.

Die SOKO Tierschutz hat hier https://www.soko-tierschutz.org/leitfaden-tierschutzverstoss einen sehr guten Leitfaden darüber veröffentlicht, was man als Privatperson in solchen Fällen tun kann. Und auch wir schliessen uns da ausdrücklich an. Verlasst euch nicht auf große Organisationen, wenn ihr Tierquälerei seht. Dokumentiert das Ganze möglichst genau mit Fotos oder Filmmaterial. Beschreibt detailliert, was auf den Aufnahmen zu sehen ist. Fügt unbedingt das Datum und den Ort des Vorfalls hinzu. Zeugen sind immer von Vorteil, wenn man sie benennen kann. Dabei muss sich niemand Sorgen um seine Sicherheit machen, denn bei Anzeigen greift der Datenschutz und sie können zumindest so anonym erfolgen, dass der Verantwortliche nie euren Namen mitbekommt.

Wichtig ist, dass ihr immer nur von einem Verdacht sprecht, sonst drohen womöglich Gegenanzeigen wegen Unterstellung. Ihr solltet für die Dokumentation möglichst auch kein Privatgrundstück betreten. Bei der Anzeige ist noch darauf zu achten, sie nicht nur telefonisch einzureichen, sondern auch eine E-Mail mit Empfangsbestätigung zu schicken. Diese Anzeige kann man sowohl beim zuständigen Veterinäramt als auch bei der Polizei als Strafantrag stellen, am besten macht man beides. Es ist außerdem nicht verkehrt, öfter nachzufragen und sich auch nach der Anzeige über ihren Verlauf zu informieren. Bei so krassen Quälereien wie hier im Video kann auch Druck entstehen, indem man das Ganze öffentlich macht. Auf jeden Fall kann man als Privatperson genauso viele Hebel in Bewegung setzen wie wir und sollte das auch dringend tun.


Kategorie: Allgemein

9 Antworten zu “Aus einer Haltung für „glückliche Mutterkühe“”

  1. Avatar margitta sagt:

    danke, für den Hinweis und die Vorgehensweisen, dabei denke ich auch sofort an die Missbrauchsopfer.

  2. Avatar Ira sagt:

    Unfassbar, ich kann es nicht in Worte fassen!
    Es ist so wichtig beim spazieren gehen auch mal rechts und links zu gucken. Da kann man auch mal feststellen, das manche Tiere kein Wasser haben usw.
    Vielen Dank an alle, die sich für Tiere einsetzen!

  3. Avatar Martina sagt:

    Shame on you !!!
    Bilder die weh tun.
    Man ist froh,dass es Hof Butenland und SOKO Tierschutz
    gibt, die solche Missstände aufdecken und sich dieser annehmen.
    Ich bin der Meinung,dass Frau Klöckner das Thema Tierschutz zeitnah zur Chefsache erklären
    müsste, anstatt sich die Fingernägel zu lackieren !

  4. Avatar Doris sagt:

    Was für Bilder, wie kann ein Mensch, was der Landwirt nun auch mal ist, so was übersehen und sich nicht darum kümmern? Ich kann so viel Ignoranz nicht nachvollziehen.
    Aber danke an Euch und SOKO Tierschutz, dass Ihr Euch jetzt darum kümmert. Es ist so schön, dass es Euch gibt.

  5. Avatar Gabriele R. sagt:

    Mir wurde schon beim Lesen übel und ich hoffe, dass immer mehr von diesen Grausamkeiten an die Öffentlichkeit dringen. Vielen Dank an den Butenland-Unterstützer, der hoffentlich diesen schockierenden „Stein“ ins rollen gebracht hat. Hoffentlich kann diesem armen Tier endlich geholfen werden!!!!!!!!!!!!!!!!!

  6. Avatar ingeborch sagt:

    Und wenn ich hundert Jahre alt werde, so was werde ich nie verstehen.
    Meine Erfahrungen mit den AmtstierärztINNen sind auch dahin gehend, dass nichts unternommen wird. Nun. Obwohl eine gesetzestreue Bürgerin, habe ich schon Tiere einfach da raus geholt, einen Hund z.B. mit Hilfe eines pensionierten Polizeibeamten – Privatgrundstück hin oder her.
    Alles Gute, „glückliche Mutterkuh“.

  7. Avatar Tenzin Dharma sagt:

    Ich würde gerne wissen , welchen Vet Amt ihr kontaktiert habt . Ich habe vor ein paar Jahren wegen schwersten Misständen bei Pferden hier im Kreis Bad Segeberg das Vet Amt kontaktiert . Sie haben sich nie um die armen Pferde gekümmert . Abgemagerte Stuten , tote Fohlen auf der Weide , kein Futter und kein Wasser bei 30 Grad in der Hitze . Sie sind nicht tätig geworden . Ich habe den Mailverkehr noch und würde jederzeit als Zeugin aussagen !

  8. Admin Admin sagt:

    Tatsächlich ist auch hier das Veterinäramt Bad Segeberg zuständig und das haben wir neben der Strafanzeige bei der Polizei auch eingeschaltet.

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