Denn Tiere sind keine Maschinen

Bauernproteste – Das Klientel der Ewignörgler

von Admin, am 26.11.2019.

Heute werden wieder zigtausende Bauern in Berlin gegen das Agrarpaket der Bundesregierung protestieren. Und das, obwohl die Eingriffe durch dieses Paket sowieso nur sehr marginal und längst nicht ausreichend sind, wie in diesem TAZ-Artikel https://taz.de/Bauern-gegen-Umweltschutz-Auflagen/!5640908/?fbclid=Iw sehr schön erklärt wird. Man darf wohl sogar davon ausgehen, dass viele der Demonstranten gar nicht wissen, weshalb sie genau streiken. Mittlerweile reicht es völlig, dass irgendjemand vom Bauernverband andeutet, dass etwas verändert wird. Schon sehen viele Landwirte prinzipiell rot. Wie hilf- und kopflos das Ganze ist, merkt man auch daran, dass Aktionen angekündigt wurden, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Wenn man sich auf so eine Unterhaltung mal einlässt, kann man sich im Fazit eigentlich nur noch in Sarkasmus retten, denn das Gespräch läuft dann immer so ab, dass Bauern viel zu wenig Geld bekommen, zu keinerlei Kompromissen bereit sind und man doch bitteschön so weitermachen soll, wie es seit Jahrzehnten Tradition ist und wodurch dieser Planet so erfolgreich gegen die Wand gefahren wird.

Diese Bürgergesprächsaktionen beinhalten dann zum Beispiel kilometerlange Traktorenkonvois, die bereits vor Tagen gestartet sind und möglichst viele Infrastrukturen lahm legen sollen. Man hat ja auch durchaus Zeit und freie Arbeitskapazitäten, um für Tage gemütlich nach Berlin zu schleichen, weil auf dem eigenen Hof währenddessen nichts Wichtiges liegen bleibt. Nein, um auf sich aufmerksam zu machen, muss man deshalb mit Maschinen Verkehrswege blockieren und mit Diesel die Umwelt verpesten. Da kann man nur hoffen, dass diese Streikmethode nicht auch bei anderen Berufsgruppen Schule macht, denn wenn sich ab jetzt bei jedem Streik die Protestierenden einfach in bewusst in den SUV setzen und betont langsam und in möglichst großen Gruppen den Verkehr blockieren, dann verbringen die meisten Autofahrer wohl ihr Leben im Stau und können sich am besten in ihrem Wagen häuslich einrichten.

Es ist auch interessant, wie sehr die Bauern bei ihrem Protest unterstreichen, dass ihnen jede Art von Umweltschutz grundsätzlich egal ist. Das sieht man nicht nur an den bereits erwähnten unnötigen Dieselkolonnen, die sie für ihre Heularien einsetzen. Auf „Top Agrar“ werden sogar Artikel veröffentlicht, in denen das Insekten- und Artensterben geleugnet wird. Da weisen selbsternannte Oberbauern einfach darauf hin, dass nur die ermittelte Biomasse der Insekten bei entsprechenden Untersuchungen um 70 % zurückgegangen ist, jeder Rückschluß aber spekulativ wäre. Der selbe Typ würde das Aussterben ganzer Arten wahrscheinlich so kommentieren, dass die Viecher einfach nicht mehr zu sehen sind und niemand weiß, ob sie sich nicht nur sehr gut versteckt haben.

Aber das in der Landwirtschaft fast grundsätzlich gegen das Gemeinwohl entschieden wird, ist ja sowieso mittlerweile ein alter Hut. Erst im letzten April hat der NABU eine neue Studie beauftragt, die das Netz der Agrarlobby in Deutschland offenlegt. In dieser Studie untersuchten Wissenschaftler vom Institut Arbeit und Wissenschaft (IAW) der Universität Bremen mehr als 150 Personen und Institutionen, insbesondere aus Führungspositionen, Aufsichts- und Kontrollgremien in der Finanzwirtschaft, Agrochemie, Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie Verbänden. Sichtbar wurden dabei insgesamt 560 Verbindungen sowie mehrere Netzwerk-Knotenpunkte in Berlin und Brüssel. Allein der Präsident des deutschen Bauernverbands Joachim Rukwied besetzt mindestens 18 wichtige Positionen vor allem in der Agrar- und Finanzwirtschaft und zahlreichen Verbänden, darunter in den Aufsichtsräten der BayWa AG, Südzucker AG sowie der R+V Allgemeine Versicherung AG. Zugleich ist er Chef des „europäischen Bauernverbandes“ COPA-COCEGA. Durch diesen Posten hat Rukwied auch Zugang zu den Sitzungen der Agrarminister in Brüssel. Außerdem ist er Präsident des Baden-Württembergischen Bauernverbandes und ganz nebenbei auch noch aktiver Landwirt. Kein Wunder, dass bereits die erste Studie zu diesem Thema, die der NABU 2001 veröffentlichte, zu folgendem Schluß kam: „Nur wenn es gelingt, die Einflüsse von innovationshemmenden Vertretern aus Bauernverbänden und Ernährungswirtschaft zurückzudrängen, hat die Agrarwende eine Chance.“ Denn es liegt auf der Hand, dass die vielen Posten vereint in wenigen Personen zwangsläufig zu Interessenskonflikten führen müssen. Und dass sich am Ende immer maximaler Profit gegen Umweltschutz durchsetzt, ist in diesen Gedankenwelt auch völlig normal.

Wer wundert ich dann noch darüber, dass die Unterstützungsbereitschaft für die Bauern in der Bevölkerung rapide schwindet und diese Berufsgruppe in der Gesellschaft immer mehr ins Abseits gerät? Sie sind laut, sie sind gegen alles, sie haben als Gegenvorschläge nur „Auf Ewigkeit weiter so wie bisher“, die Umwelt geht ihnen am Arsch vorbei, solange sie kein Geld für ihren Schutz bekommen, und sie sind dazu flexibel wie eine Bahnschranke. Das einzig Positive an der Sache ist, dass immer mehr Menschen merken, wie unnötig Teile dieses Berufsstands sind, weil es in ihm genügend Alternativen gibt, die sich nicht asozial verhalten und die Probleme der Zukunft selbstkritisch lösen möchten. Jetzt müsste nur noch dieses laut TAZ-Zitat „kleine Klientel“ der Ewignörgler seinen Mund halten, und wir könnten uns endlich daran machen, diese Welt zu versorgen, ohne ihr dabei den Gnadenstoß zu verpassen.

Dass wir das gerade tun, merkt man auch daran, dass die Medien, heute am Tag der Bauernproteste Artikel darüber veröffentlicht, dass Deutschland sich bereits in der heutigen Gegenwart um 1,5 Grad erwärmt hat. https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klima-deutschland-hat-sich-bereits-um-1-5-grad-erwaermt-a-1298283.html Mit allen daraus resultierenden Folgen und ohne dass wir bisher darauf reagiert haben. Die Zukunft wird also nur noch schlimmer, wenn jetzt nicht endlich alle verfügbaren Kräfte gegensteuern. Und das gilt auch und gerade für überzeugt ewiggestrige Bauern mit ausschließlicher Egoperspektive. Denn auch die besitzen keinen Planeten B.


Kategorie: Allgemein

3 Antworten zu “Bauernproteste – Das Klientel der Ewignörgler”

  1. Monika Hoffmann-Kühnel sagt:

    Dass der Klimawandel noch abzuwenden bzw. abzumildern ist, habe ich mir angesichts unserer egoistischen und verzichtsunfähigen Gesellschaft schon lange abgeschminkt. Schuld haben immer die anderen, da macht der Bauernstand keine Ausnahme. Dumm nur, dass die Öffentlichkeit inzwischen mehr über das System und die Produktionsmethoden weiß – da verwundert es lediglich, weshalb sich so viele Bauern den schlechten Ruf ihrer Branche so gar nicht erklären können. Allen Berufstätigen werden regelmäßig weitreichende Änderungen in ihrer Arbeitswelt zugemutet, nur die Bauern dürfen so weiter machen wie gehabt…super!

  2. Cornelia sagt:

    In Russland läuft nun ein neues Experiment: Kühe bekommen Virtuell-Reality-Brillen aufgesetzt, die ihnen vorgaukeln, sie bewegten sich sonnenbeschienenen, saftig grünen Weiden, um so die Milchleistung erheblich zu verbessern.

    Diese Meldung findet man in der Tageszeitung unter „Kuriose Meldungen“….
    Selten so gelacht!!!!!!

  3. ingeborch sagt:

    Hier auch – für 50 Euro pro Quadratmeter sät der hiesige Bauer auf einem schmalen Stück Land „Insektenfutter“ an. Links und rechts davon werden munter weiter Insektizide versprüht, auch bei heftigem Wind und ohne auch je nur einmal vorher Bescheid zu geben, damit die Anwohner ihre Pferde, Hunde, Katzen, Hühner, Gänse und sonstige Tiere rechtzeitig rein holen können.

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