Denn Tiere sind keine Maschinen

Was hat denn Fleischkonsum mit der Klimakatastrophe zu tun?

von Admin, am 07.08.2019.


Auch das heute-Journal hat sich gestern mal wieder dem brisanten Thema „Fleischkonsum“ angenommen. Es ist zwar etwas bizarr, wenn Fakten, die seit langem bekannt sind, nun plötzlich von allen Medienanstalten als „Das konnte keiner ahnen“-Wissen der Marke „Ach du Schreck“ verkauft werden. Aber trotzdem ist es eine großartige Sache, dass diese Dinge endlich auch bei den großen Nachrichtenmagazinen angekommen sind und thematisiert werden. Natürlich traut sich da niemand zu dem Hinweis, dass es kinderleicht ist, seinen Fleisch- und Tierproduktekonsum ganz einzustellen, aber immerhin wird unterstrichen, dass an einer Halbierung niemand vorbeikommt, da die Sucht nach Schnitzel einer der größten Klimakiller ist, die in der Landwirtschaft circa 70 % aller Treibhausgase freisetzt.

 
Es ist noch immer zumindest für Freunde des schwarzen Humors sehr lustig, wie nun darauf reagiert wird. Da gibt der Milchbauer zu, dass das wohl so ist, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass er den Planeten leider weiter zerstören muss, weil es sonst böse Kräfte aus dem Ausland tun würden. Unsere Landwirtschaftsministerin steht für ein Interview gar nicht zur Verfügung, da sie das Gebiet „Tierhaltung“ sogar für themenfremd hält. Und an anderer Stelle tüftelt man an fetthaltigerem Futter, weil das dann angeblich 10 % weniger CO2 verursacht und es sich in diesen Ohren anscheinend super anhört, dass dann in der Landwirtschaft nach Adam Riese nur noch 60 % der Treibhausgase in der Tierhaltung freigesetzt werden. Trotzdem ist es sehr gut, dass das Thema immer mehr in den Fokus rückt und auch die Verursacher immer offener genannt werden.
 
Wie sehr die Sache mittlerweile unter den Nägeln brennt, sieht man auch an anderen Berichterstattungen. Zum Beispiel veröffentlicht die Tagesschau gestern die Meldung, dass schon zwei Jahre Dürre gereicht haben, um in Deutschland die Trinkwasserversorgung zu riskieren. https://www.tagesschau.de/investigativ/report-muenchen/wasserknappheit-101.html?fbclid= Da streiten sich in Niedersachsen bereits manche Leute um dieses als selbstverständlich angenommene Gut, weil die Behörden das Kontingent begrenzen mussten und es bei manchen Bauern nicht mehr für die Bewässerung aller Äcker reicht. Dementsprechend pochen nun auch die dortigen Tierhalter darauf, dass die Bereitstellung von Nahrungsmitteln genauso wichtig ist wie die von Trinkwasser. Das wird richtig spannend, wenn auch in diesen Gegenden die Kunde in den Umlauf kommt, dass man jederzeit ohne Tierprodukte hervorragend leben kann und man gleichzeitig realisiert, dass ein Mastschwein alleine fast eine Million Liter Trinkwasser verbraucht. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fleischproduktion-in-deutschland-was-sie-ueber-massentierhaltung-wissen-sollten-1.1899021-3
 
Noch spannender ist ein Blick über den Tellerrand in die Welt hinaus. Unfassbare 17 Staaten sind momentan von sogenannten „extrem hohen Wasserstress“ betroffen, darunter so riesige Länder wie Indien. Ein Viertel der Menschheit, also fast 2 Milliarden Menschen, lebt in Staaten, die von akutem Wassermangel bedroht sind. Die Menschen in den Gebieten mit extrem hohen Wasserstress verbrauchen jährlich mehr als 80 Prozent des verfügbaren Grund- und Oberflächenwassers. Die Weltbank hat eine Studie veröffentlicht, die davon ausgeht, dass sich die Wasserknappheit in Regionen ausbreiten wird, wo sie derzeit nicht existiert, und sich in Regionen, wo Wasser bereits knapp ist, massiv verschlimmert. https://www.sueddeutsche.de/wissen/wasserstress-atlas-wasserknappheit-1.4555268 Da ist dann auch wieder Deutschland betroffen, und es sei nochmal darauf hingewiesen, dass nur 2 Jahre Dürre diese Zustände ausgelöst haben, wir weiterhin monatlich von Hitzerekord zu Hitzerekord jagen und deshalb eine Entspannung nur Wunschdenken ist. Mal sehen, wie der irre Wasserverbrauch in der Tierhaltung nach 4, 6 oder 10 Jahren Dürre beurteilt wird. Wirklich spannende Zeiten, in denen wir leben. Die Erde brennt, und die einzig verfügbare Feuerwehr diskutiert nur theoretisch über ideale Löschversuche, die aber möglichst wenig Geld kosten dürfen.

Kategorie: Allgemein

5 Antworten zu “Was hat denn Fleischkonsum mit der Klimakatastrophe zu tun?”

  1. Antonia sagt:

    Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt, dass die Nutztierhaltung als Klimakiller es in die Tagesthemen geschafft hat, – nur schade, dass dafür erst die Welt untergehen muss, um das Thema so prominent zu platzieren und Klartext zu sprechen.

    Die Idee mit dem fetthaltigeren Futter ist wieder mal besonder schwachsinnig und zeigt außerdem die ganz typische Haltung des Verbrauchers, der auf nichts verzichten will.

    Die Krönung ist aber wie üblich Frau Klöckner. Die Wasserknappheit hat ja insbesondere Niedersachsen stark betroffen, wo es extrem viel Massentierhaltung gibt. Da sollte doch sogar eine Landiwrtschaftsministerin einen Zusammenhang herstellen können!

    Und last but not least finde ich es sehr traurig, dass bei einer (bislang noch hypothetischen) Reduzierung des Fleisch- und Milchkonsums der „Tierschutz“ nur mittelbar über unumgängliche Klimaschutzmaßnahmen erfolgen würde.

  2. ingeborch sagt:

    1 Million Liter Trinkwasser – krass. Wusste ich auch noch nicht. Mal abgesehen davon, dass es noch andere gute Gründe gibt, keine Tiere zu essen – das ist ein mehr als Guter.

  3. Thekla sagt:

    Dabei darf man nicht vergessen, dass durch die industrielle Landwirtschaft durch das Ausbringen der Gülle das Trinkwasser auch noch droht zu verseuchen.
    Auch hier ist erstmal noch kein Umdenken zu sehen.
    Also, ein Umdenken ist immer schwer und das Handeln danach auch nochmal. Und leider kommt das ja immer erst, wenn es nicht mehr anders geht. Jedenfalls ist das in meinem kleinen Leben so, es scheint aber auch bei anderen so zu sein.
    Deshalb sind ja die Menschen, die mit dem Finger darauf zeigen, enorm wichtig.

  4. Gabriele sagt:

    ….und nun wollen die angeblich für mehr Tierwohl auch noch die Mehrwertsteuer für Fleisch anheben….da lachen doch die Hühner. Diese angebliche „Tierwohl“-Steuer stecken sich doch wieder nur die schlimmsten Verbrecher ein, die es in dieser Fleischmafiaorganisation gibt.

  5. Wo aus Wu sagt:

    „Die Erde brennt, und die einzig verfügbare Feuerwehr diskutiert nur theoretisch ….“

    Stimmt, aber die Diskussionen werden – erfreulicherweise – mit einer zunehmenden „Beunruhigung“ geführt. Ich habe schon den Eindruck, dass sich da was tut. Hoffentlich hält es an und kommt nicht zu spät. Die Symptome des Erdklimas lassen sich einfach nicht mehr wegdiskutieren und wirken sich aus. Wenn erst einmal über längere Zeiträume das Trinkwasser rationiert wird, dann geht’s ans Eingemachte der Wohlstands- und Verschwendungsgesellschaft. Und spätestens dann gilt die Erkenntnis, dass alles nur eine Frage des Leidensdrucks ist.

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