Denn Tiere sind keine Maschinen

Sollen wir umerzogen werden?

von Admin, am 14.08.2019.
Das fragt der Bauernverband fragt nach dem am Sonntag ausgestrahlten Polizeiruf. Nach dieser Überschrift folgt dann ein Text, aus dem wir wortwörtlich zitieren:
 
„Mitten drin das Thema Kühe: Selber verloren auf der Schaukel sitzend, verrät eine Frau der Kommissarin ihre Gedanken: „Wussten Sie, dass eine Kuh 2/3 ihres Lebens schwanger ist? Der Kuh wird nach der Geburt direkt das Kalb weggenommen, damit wir Milch trinken können. Das ist doch krank.“
 
Liebe ARD: Beendet doch diese Umerziehung auf Kosten der Gebührenzahler! Eure Framingversuche auf Kosten der Bauern sind wenig anständig.
 
Die Kuh ist nicht schwanger, sondern tragend. Das Nutzen der Kuhmilcherzeugung ist nicht krank, sondern dient der gesunden (!) Ernährung des Menschen. Und das seit Jahrtausenden! Damals gab es kein TV, aber viele Menschen, die sich nicht anders ernähren konnten als durch die Nutztierhaltung. Das ist heute immer noch so. Das ist nicht krank, sondern erhält Leben!“
 
Hier endet dieser recht armselige Versuch einer Kritik, den wir so nicht stehen lassen können. Denn wenn das eine Umerziehung ist, dann eine zur Wahrheit, weil immer mehr Leute einsehen, dass die Märchengeschichten der Bauernverbände nicht mehr hingenommen werden können.
 
Eine Kuh ist tragend, weil Institutionen wie der Bauernverband mühsam eine erniedrigendere Ausdrucksweise für Tiere etabliert haben. Deshalb ist ein Schnitzel kein abgeschnittenes Stück Körper, eine Wurst keine geschredderte Tierleiche im Eigenorgan, das den Kot transportiert, und Kühe sind deshalb halt nicht schwanger, sondern tragend.
 
„Das Nutzen“ ist erstens der Nutzen, und zweitens in Sachen Kuhmilcherzeugung hochgradig krank. Und schon gar nicht gesund, sonst müsste man das Zeug nicht auf Teufel komm raus nachbehandeln. Rohmilch ist extrem anfällig für Keime, logisch, weil die Natur sie ja so konzipiert hat, dass sie nur vom Euter in den Kälbermund wandert. Pumpt man sie ab, weil man die eigene Mutter mit einem Rind verwechselt, dann riskiert man ohne Nachbehandlung Untermieter wie Listerien, EHEC, Campylobacter oder Salmonellen. Und die machen alle Ausrufezeichen dieser Welt nicht gesund.
 
Der Joker mit den Jahrtausenden sticht auch nicht, denn der Mensch schlachtet sich auch seit Jahrtausenden gegenseitig ab, ohne dass das in irgendeiner Form durch die Zeitspanne erstrebenswert geworden wäre. Tradition ist nicht gleich alles tutti, es gibt zum Glück viele Menschen, die lieber auf Evolution und Weiterentwicklung schwören, und deshalb nicht mehr in Höhlen leben, nicht mehr auf Nachbars Rasen kacken und eben auch nicht mehr artfremde Muttermilch trinken. Da können die Ewiggestrigen noch so sehr heulen, trotzdem geht das Leben auch ohne ihre Traditionen aus einem Land vor unserer Zeit weiter.
 
Übrigens ein Land, in dem es auch noch keine Computer und kein Internet gab und kein Bauernverband dementsprechend absurde Heulorgien veröffentlichen konnte, weil sein langfristiger Umerziehungsversuch endlich Risse bekommt. Es war also nicht alles schlecht.

Kategorie: Allgemein

5 Antworten zu “Sollen wir umerzogen werden?”

  1. Petra Betzien sagt:

    Nun habe ich den Polizeiruf nicht gesehen, freue mich aber sehr über diese Szene. Lasst es mich bitte mal sagen: „Der Bauernverband hat sie wohl nicht mehr alle!“ Ca. 70 % der Weltbevölkerung trinkt gar keine Milch, weil sie nicht vertragen wird. Es gibt auch hierzulande eine ganze Reihe Menschen, die laktoseintolerant auf Milchprodukte reagieren. Und dann gibt es sogar Menschen, wie ich selbst, die von Geburt an Milch einfach nur eklig finden und die darum auch nicht trinken. So, und jetzt danke ich der ARD für diese kleine Szene.

  2. Ute sagt:

    Diese Euphemismen, die uns Tierleid akzeptabel machen sollen, fangen ja schon damit an, dass Fleisch als „Lebensmittel“ klassifiziert wird. Eine besonders hoehnische Umbenennung von Leichenteilen, deren Beschaffung den „Quellen“ des Fleisches den Tod gebracht hat.
    Jetzt rufen Bauern und Schlachter auch immer mehr nach dem Ersetzen des Ausdrucks „Schlachtung“ und wollen ihn durch „Verarbeitung“ verharmlost sehen. Alles, um sicherzustellen, dass die Idee, dass eine omnivore Ernaehrung Opfer hat, aus dem Bewusstsein der Menschen verdraengt wird.

    Uebrigens – was wirklich „tragend“ ist: Obstbaeume und -buesche.

  3. Thekla sagt:

    Ich habe mal gelesen (nee, das war eine Sendung auf ARTE), dass es in Ländern, in denen wenig oder keine Kuhmilch getrunken wird, es deutlich weniger Autisten gibt.
    Wer weiß, welche Krankheiten es sonst noch gibt, die durch den Konsum von Milch entstehen.
    Umdenken ist wirklich schwer.

  4. Andreas Brinck sagt:

    Danke für diesen Kommentar. Könnt ihr mir vielleicht sagen, an welcher Stelle im Polizeiruf das ist?

  5. Gabriele sagt:

    Nur sehr wenige Menschen machen sich diese ganzen Zusammenhänge bewußt. Ich werde immer noch wie ein Alien angesehen, wenn ich sage, dass ich keine Tiere esse. Für die meisten, mit denen ich gesprochen habe, sind diese Tiere dafür da und man ist sogar der Meinung, dass man ohne tierische Produkte krank wird. Mitleid hat man sowieso nicht, denn dafür werden die Tiere schließlich gezüchtet. Ich habe es aufgegeben meine Meinung zu äußern, weil ich mich tatsächlich danach wie ein Alien fühle.

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