Denn Tiere sind keine Maschinen

Das Thema Milch in Kindersendungen

von Admin, am 07.07.2019.
Es ist ja schon sehr gewöhnungsbedürftig, was im Erwachsenenprogramm teilweise für krude Milchglorifizierungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesendet werden. Da hat man immer den Eindruck, als hätte der Bauernverband persönlich Regie geführt. Noch gruseliger wird es aber, wenn diese Leute im Kinderprogramm zuschlagen, wie heute in der Sendung „Löwenzahn“ geschehen. https://www.zdf.de/kinder/loewenzahn/kuh-104.html Das ist echt eine Horrorshow, weil diese Formate eben kindergerecht produziert werden und deshalb grundsätzlich nicht nur mit Verschweigen und Verniedlichung arbeiten, sondern manche grausamen Dinge sogar benennen, sie aber in einen fröhlichen und ganz normalen Kontext stellen.
 
In der Sendung wird der Peter-Lustig-Möchtegern auf einem Campingplatz mit einer Kuh konfrontiert. Die ist von einem Bauernhof in der Nähe entlaufen, weil sie das Glück hatte, nicht als Turbokuh gezüchtet worden zu sein und deshalb überhaupt noch laufen kann. Das wird aber nicht angesprochen, denn Heike stammt selbstverständlich aus einem Kuhparadies, wo der total sympathische Bauer allen seinen Kühen Namen gegeben hat und sich liebevoll alleine um seine 60köpfige Familie kümmert. Bevor der Hauptdarsteller diesen Hof besucht, gibt es aber noch eine Szene mit der Campingplatzbesitzerin, die total sauer ist, weil die Kuh ihr Geschäft erledigt hat. Dafür hält die Dame die Todesstrafe für angebracht und droht mit dem Grill, was Peter Lustig 2.0 aber empört ablehnt. Schon allein das ist so billig, gerade in einer Kindersendung, denn im Cast ist kein Veganer vorgesehen, also werden sich tatsächlich alle Darsteller tote Kühe oder Schweine zum Mittagessen gönnen. Trotzdem wird mit den Gefühlen der Kinder gespielt, indem eine Kuh auf dem Grill als falsch dargestellt wird, obwohl dieser Vorgang nunmal unerlässlich für die omnivore Lebensweise ist.
 
Dann geht es zum Hof und die Kuh wird zurückgebracht. Natürlich wird sie auf dem Weg mal eben kurz gemolken, das war wichtig, damit zum ersten Mal hervorgehoben werden kann, wie großartig Milch schmeckt, gerade auch unbearbeitet frisch aus dem Euter. Das wird mehrmals in der Folge betrieben und der Hauptdarsteller ist dabei immer so verzückt, als hätte er noch nie dieses Ambrosium probiert. Es wird sogar kurz angesprochen, dass nur Mutterkühe Milch geben und die eigentlich für die Kälber ist. Das reicht dann aber auch als Information, denn auseinandergerissene Familien gehören nunmal nicht ins Kinderprogramm.
 
Sogar die Info, dass eine Kuh eine Hochleistungssportlerin ist und für 1 Liter Milch 500 Liter Blut durch das Euter fliessen, wird untergebracht, aber wieder wird verschwiegen, was das für die Kuh bedeutet. Der Bauer geht sogar mit dem Protagonisten durch den Stall und checkt online, welche Kuh wenig Milch gegeben hat und welche mehr Kraftfutter benötigt. Da wird sich gesorgt, mit den Kühen gesprochen und nochmal wird erwähnt, dass alle Namen haben. Eine neutrale Sendung hätte aber auch eine Szene gebracht, in der der ach so sympathische Bauer feststellt, dass bei einer Kuh seit längerer Zeit die Milchleistung nicht mehr stimmt und sie deshalb zum Schlachter muss. Es würde auch erwähnt werden, dass eine Kuh über 30 Jahre alt werden kann, in der Milchindustrie aber durchschnittlich mit 5 Jahren umgebracht wird. Das würde wieder suboptimal im Kinderpublikum ankommen, aber wenn man eine Sendung über diese grausame Industrie macht, dann gehört das einfach dazu.
 
Beim gleichen Stallgang wird kurz fallengelassen, dass eine Kuh einmal im Jahr Nachwuchs bekommt. Auch wieder einfach als Tatsache vor die Füße der Zuschauer gekotzt, ohne darauf einzugehen, dass die Kuh dafür künstlich geschwängert wird, das Elend der Zuchtbullen, die ihr Leben lang nichts anderes machen, als sich in eine künstliche Vagina in einem Labor zu ergiessen, wird mit keinem Buchstaben erwähnt. Stattdessen wird zynisch auf einen Mutterschutz hingewiesen, da eine schwangere Kuh im Stall nun die wenigen Tage im Jahr geniessen darf, in der sie nicht gemolken wird, nur um sie danach wieder zu schwängern. Danach gibt es sogar ein Kapitel über süße Kälber, die aus Eimern mit Zitzen trinken dürfen, wie süß. Warum die Kälber von der Mutter getrennt leben, wieso die meisten außerhalb des verklärenden Beitrags nicht frei im Stall laufen, sondern in Kälberiglus vor sich hin vegetieren, und dass ihre Zukunft je nach Geschlecht Milchmaschine oder Schlachthofopfer ist, fällt selbstverständlich wieder unter den Tisch. Das hat Kinder bzw. die Kunden von morgen einfach nicht zu interessieren.
 
Mit keiner Silbe wird erwähnt, wie sehr die Milch mittlerweile in der Kritik steht, weil sie nur unter schwerster Tierquälerei und maximaler Schädigung des Klimas produziert werden kann. Auf keine einzige Alternative wird hingewiesen, stattdessen wird die Sendezeit mit einer kitschigen Liebesgeschichte zwischen Bauer und Campingplatzbetreiberin gefüllt. Und der grausame Peter-Lustig-Verschnitt darf als Abschlußgag noch einen Rodeo-Witz machen, wahrscheinlich weil seine Rolle von Anfang an als Arschloch angelegt wurde. Das Einzige, was in dieser gebührenfinanzierten Bauernwerbung etwas Sinn macht.

Kategorie: Allgemein

3 Antworten zu “Das Thema Milch in Kindersendungen”

  1. Avatar Gabriele sagt:

    Bei den Naturvölkern geht das alles ohne Filter vor sich. Da schauen die kleinen Kinder bei den Schlachtungen schon zu. oder bekommen vom Häuptling einen vergifteten Pfleil in die Hand gegeben, um damit kleine Affen von den Bäumen zu schießen. Gerade bei Kindern müssen eben die Eltern „richtig ticken“, sonst werden die Kleinen leider schon früh von den Medien gehirngewaschen.

    Ich habe mal gelesen, daß Peter Lustig angeblich Kinder gar nicht leiden konnte.

  2. Avatar Ute sagt:

    Diese abwertenden, beleidigenden Schimpfworte – „Rindvieh“? „Bloede Kuh“? „Dickkoepfig wie eine Kuh“?
    Ein Kind, das mit solchen Ausdruecken der Herabsetzung konfrontiert wird, kann doch gar keinen Respekt fuer ein Tier entwickeln. Oder behalten…
    Und Gitarre spielend ihrer Ausbeutung zustimmende Kuehe? Und nicht eine Kuh angekettet, geschweige denn doppelt angekettet. Keine Kaelberiglus. „Kindgerecht“ versteckte Grausamkeiten. Gehirnwaesche vom Feinsten….

  3. Avatar Thekla sagt:

    Ja, zu diesem Thema kann ich beitragen, was ich in einer regionalen Zeitung gelesen habe: Kindergartenkinder werden eingeladen auf einen Bauernhof, wo Geflügel gezüchtet wird. Dort wird ganz selbstverständlich dargestellt, wie Kücken gezüchtet werden, nämlich in Brutmaschinen. Die Kinder lernen gar nicht mehr den Ursprung des Lebens, nämlich das Kücken auch Hennen brauchen zum Großwerden.
    Und im Fernsehen habe ich mal einen Beitrag gesehen von ebendiesen Kücken, wie sie verzweifelt versucht haben, Unterschlupf zu suchen bei anderen Kücken. Das ist mir schon sehr nahe gegangen.
    Das hat jetzt nichts direkt mit Kühen zu tun, aber ist ja das gleiche Muster.

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