Denn Tiere sind keine Maschinen

Die Schau der „Besten“

von Admin, am 02.05.2019.

Als Tagesvideo präsentieren wir euch heute einen kritischen Bericht des NDR über die „Schau der Besten“, auf der Turbo-Kühe vorgeführt werden. Der Beitrag lief in der Late-Night-Show „Der deutsche Michel“ und beleuchtet ganz nüchtern und ohne Beleidigungen diese gruselige Parade. Dazu passt auch unser Statement zur „Eurotier“-Messe, das wir an dieser Stelle deshalb nochmal veröffentlichen wollen:

Reportagen wie diese https://www.ndr.de/fernsehen/Eurotier-Hannover,sendung845256.html?fbclid= von der „Eurotier“-Messe in Hannover sind oft schwerer zu ertragen als ihre blutigen Gegenstücke. Denn gerade durch den Versuch, alle Tiere extra dafür herzurichten und ausdrücklich alles wie ein Einblick ins Paradies darzustellen, wird deutlich, dass dieses System selbst in seinen bemühtesten Momenten nicht ohne massive Tierquälerei auskommt.

Es wird erzählt, wie sehr die Ausstellungskühe gepflegt werden, sie werden für die Kunden herausgeputzt, rund um die Uhr bewacht, auf Laufstegen und Drehbühnen präsentiert und nur noch nach ihrer Leistung beurteilt. Das sind Zustände, die erschreckende Parallelen zur Zuhälterei besitzen.

Natürlich erzählt auch jeder Besucher etwas von Tierwohl und wie sehr es ihm doch am Herzen liegt. Wenn das wirklich so wäre, warum kommt dann niemand auf die Idee, sich mal bei ehemaligen Milchbauern wie Jan Gerdes zu erkundigen, was zu tun ist, wenn man tatsächliches Mitgefühl für seine Tiere entwickelt hat? Da bekommt man dann garantiert andere Vorschläge, als über eine Messe der Tierausbeuterindustrie zu schlendern, sich die erfolgreichsten Turbokuh-Opfer anzugucken und sich über den angeblichen „Stall von morgen“ zu informieren. Wer sich für Frauenrechte stark macht, der pilgert ja auch nicht zur „Venus“ und trifft die Stars der Pornoszene.

Gruselig ist auch der Bauer, der seinen Betrieb mit Robotern bestückt hat. Als hätte das auch nur minimal etwas mit Tierwohl zu tun. Im Bericht wird unter anderem lapidar darauf hingewiesen, dass diese Roboter sogar den Spaltenboden säubern. Wir haben den Überblick darüber verloren, wieviele Rinder auf Butenland sich durch eben diese Bodenform ihr komplettes Gangbild ruiniert haben. Wie kann man unter diesen Umständen stolz darüber berichten, dass diese unartgerechten Böden neuerdings von Robotern blitzblank gehalten werden und das dann auch noch als geniale Innovation abfeiern? Unvergesslich ist auch die Szene, die bei Undercover-Recherchen entstanden ist, in der so ein Roboter ein neugeborenes Kalb von der Mutter weg durch den halben Stall schiebt.

Auch die Melkroboter werden abgefeiert, weil es halt niemanden kümmert, dass diese Dinger gerne mal Blut abzapfen. Ein Blick auf Herstellerseiten klärt nämlich auf, dass sie über einen Blut- oder Farbsensor verfügen und so die Milch vom Blut abgetrennt werden kann. Da gibt es auch verschiedene Varianten, ein paar schauen nach jedem „Euterviertel“, ob denn überhaupt noch Milch abgepumpt wird, ein Roboter schaut sich nur das „Gesamtgemelk“ an. Wichtig ist auch hier nur, dass so wenig Blut und Eiter wie eben möglich beim Kunden landet.

In einem Nebensatz wird auch erwähnt, dass sich die Milchleistung durch den Einsatz der Roboter gesteigert hat. Es ist der reine Hohn, wenn Bauern Milch als natürliches Produkt hinstellen wollen. Diese Muttermilch ist von der Natur dafür bestimmt, vom Euter in den Kälbermund zu wandern, die Umleitung Mensch wurde da nie eingeplant. Und dann wird sie auch noch tierischen Müttern in einem Akkord abgenommen, der durch die Decke geschossen ist und jährlich neue Rekorde aufstellt. Was verstehen diese Leute bloß unter „Natur“?

Dann wird es hochinteressant, denn es folgt ein Einspieler, in dem Gummimatten plötzlich als „Weich wie ein Bett“ angepriesen werden. Wenn das so ist, warum schläft der Mensch eigentlich noch nicht auf solchen Matten? Allerdings wird sofort aufgelöst, wieso man überhaupt auf den Gedanken für so eine „Verbesserung“ kommt. Die Kuh soll sich öfter hinlegen, mehr wiederkäuen und so die Milchproduktion ankurbeln. Denn nur darum geht es, sie soll produzieren, produzieren, produzieren. Jedes Tierwohl, das nichts mit Produktionsraten zu tun hat, geht den meisten (allen?) Landwirten nämlich komplett am A…. vorbei.

Zynisch wird der Bericht, wenn eine Datenbrille vorgestellt wird, mit der sich der Bauer jederzeit über die Gesundheit seiner Kühe informieren kann. Auch das wird natürlich wieder als Tierwohl-Durchbruch hingestellt. Dabei informiert sich der Bauer nur, wie sehr er die Gesundheit seiner Gefangenen bereits ruiniert hat und wen er besser zum Schlachten aussortieren sollte. Überhaupt geht es da um eine Gesundheit, die bei der Kuh nie gefährdet gewesen wäre, wenn sie ihren ach so fürsorglichen Bauern nicht kennengelernt hätte. Dieser lapidare Tonfall, mit dem der Zweck dieser „Innovationen“ verdreht wird, ist wirklich nichts für schwache Nerven.

Natürlich muss auch der Landwirt vorgestellt werden, der den Beruf ergriffen hat, um „ein Verhältnis zu den Tieren aufzubauen“. Und deswegen reißt er Familien auseinander, schwängert im Akkord Kühe gegen ihren Willen, lässt im Labor Bullen Sperma abpumpen und gibt seine Opfer zur Schlachtung frei, wenn sie nicht mehr ausgebeutet werden können, grundsätzlich Jahre oder Jahrzehnte vor ihrer eigentlichen Lebenserwartung. Wenn solche Leute dann ein adäquates Verhältnis zu Menschen aufbauen, werden sie bei „Aktenzeichen XY“ vorgestellt. Wieder können wir nur empfehlen, mal einen unserer Besuchersamstage wahrzunehmen, wenn man erfahren möchte, wie man ein Verhältnis zu Tieren aufbaut, an dem beide Seiten interessiert sind.

Der Bericht dreht sich auch auf der Stelle, denn eigentlich werden nur Verschlimmbesserungen vorgestellt, von denen die Opfer gar nichts haben, weil sie ausschließlich Probleme lösen, die kein Tier ohne die Gefangenschaft durch den Bauern hätte. Das ist auch das Fazit, das man ziehen und auf die komplette Tierwohl-Initiative in all ihren Auswüchsen übertragen kann.


Kategorie: Allgemein

7 Antworten zu “Die Schau der „Besten“”

  1. ines sagt:

    Wenn irgendwelche Sendungen laufen, in denen es um Tierwohl geht, kann man meist schon nach wenigen Minuten abschalten. Mensch weiß gar nicht, was das Wort bedeutet und kann schon gar nicht entsprechend handeln (von wenigen Außnahmen abgesehen).

  2. Marita sagt:

    Das ganze System ist einfach nur krank. Wenn Menschen ab einen gewissen Alter noch Milch trinken ist das einfach widernatürlich. Hier sollte schon im Kindergarten drauf hingewiesen werden. Ein Schlückchen für den Kakao/Tee/Kaffee oder gleich pur aus dem TetraPak. Allein wieviel arme Kühe dafür nicht leiden müssten, wenn nur diese Unsitte weg fallen könnte. Vor allen, weil es ja durchaus schmackhafte Ersatzprodukte gibt. Von den anderen Produkten wie Käse, Joghurt und Quark und Co. ganz zu schweigen. Dabei habe ich von dem größten Posten, dem Fleisch noch gar nicht gesprochen. Wir Menschen haben es nicht verdient, diesen Planeten zu bevölkern. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber mit denen könnte mensch es ja nochmals versuchen?!

  3. Monika Hoffmann-Kühnel sagt:

    Ich finde, das grenzt schon irgendwie an Pornographie…und bestätigt mal wieder die Abartigkeit des Systems. Wie können Menschen sich am Anblick von Kühen ergötzen, die vor Euter kaum laufen können! Widerlich!

  4. Antonia sagt:

    Das ist ja total grausam und pervers! Mir kommen wirklich die Tränen. Da werden die Tiere krank gemacht und dann noch im Blitzlichtgewitter vorgeführt. Diese Euter an sonst viel zu mageren Kühen erinnern an riesige Tumore. Wirklich ganz, ganz schlimm!
    Und was ich spontan über solche Personen denke, wie den ersten Interviewten, das kann ich hier nicht schreiben.

  5. Wo aus Wu sagt:

    Der Herr Ringrichter mit seinem Statement zu Vorder- und Hintereuter ab 0:16. Ich wende diese Erkenntnis gerade mal auf seine Anatomie an, ihr wisst schon. Jetzt brauche ich erst mal ne Pause.
    Ansonsten sehe ich da nur krankhafte Drüsenschwellung XXL. Die Kuh ab 1:00 gibt m.E. die einzig richtige Antwort: „Ich sch…e auf Euch!!“ Wenn das alles nicht so traurig wäre.

  6. Wo aus Wu sagt:

    Und hier die Auswüchse beim männlichen Pendant. Auf Youtube „Meet the Super Cow“ eingeben. Alles arme Socken. Aber bitte nicht erschrecken! Wer macht so was? Und warum???

  7. Gabriele sagt:

    Bei diesen Bilder muß ich kotzen und kann sie mir deshalb nicht anschauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.