Denn Tiere sind keine Maschinen

Abschied von Marte

von Admin, am 04.03.2019.

„Einschlafen dürfen, wenn man müde ist,
und eine Last fallen lassen dürfen, die man lange getragen hat,
das ist eine köstliche, eine wunderbare Sache.“
(Hermann Hesse)

Heute mittag haben wir Marte gehen lassen. Ihr Pansen arbeitete schon seit längerem sehr schwerfällig, sie baute körperlich immer mehr ab und schließlich konnte sie auch nicht mehr aus eigenen Kräften aufstehen. Das war für uns das endgültige Signal, um unsere Kuh-Oma ohne Schmerzen einschlafen zu lassen.

Die 22jährige Marte war die älteste Kuh auf Butenland. Im März 2016 wurde sie zusammen mit Milla, Maja und Maret vom Veterinäramt beschlagnahmt. Da so etwas viel zu selten geschieht, kann man sich vorstellen, unter was für katastrophalen Umständen die vier Kühe bei ihrem Vorbesitzer leben mussten. Unter anderem waren sie über 19 Jahre zu ständiger Anbindehaltung verdammt, ob sie jemals vor ihrer Butenlandzeit eine Weide gesehen haben, ist ungewiss. Hier könnt ihr euch nochmal den WDR-Bericht ansehen, der unter anderem über die Ankunft der vier Damen gedreht wurde: https://www.youtube.com/watch?v=5-n25C7qy44

Die blinde Maja überlebte auch nur wenige Tage, dann starb sie an ihrem grausamen Vorleben, nachdem sie wenigstens ein bißchen Freiheit genießen durfte. Die 25jährige Milla starb auch im späten Winter 2017 und konnte nur ein Jahr am richtigen Kuhleben schnuppern. Marte und ihre beste Freundin Maret haben es uns aber mal so richtig gezeigt, denn unsere Prognose war auch für dieses Duo bei der Ankunft sehr skeptisch. Zu mitgenommen sahen die 4 Kuhdamen aus, als dass wir ihnen insgeheim mehr als eine Sommersaison gegeben hätten. Aber die Butenländer Luft und der erstklassige Service vollbrachten echte Wunder, so blühten zumindest die beiden verbliebenen KUHlen Ladys aus dem ursprünglichen Quartett nochmal richtig auf und Marte konnte noch drei wundervolle Weidesaisonen geniessen.

Im Laufe dieses Jahres baute sie aber immer mehr ab und unser Tierarzt diagnostizierte, dass der Pansen kaum noch arbeitete. Mit einer Stimulanz versuchten wir das noch zu ändern, ein durchbrechender Erfolg blieb aber leider aus. So wurde Marte immer dünner, kämpfte sich aber Tag für Tag aus eigener Kraft hoch, was man bei einer Kuh immer als Zeichen für vorhandenen Willen ansehen kann. Seit gestern schaffte sie das aber nicht mehr und blieb auch nach unseren Aufrichtversuchen nicht mehr selbstständig stehen. Für ein Rind als Wiederkäuer gibt es kaum eine schlimmere Diagnose als ein nicht-funktionierendes Magensystem und den Verlust der Standfähigkeit. So mussten wir mit Marte einer weiteren Bewohnerin den schwersten Freundschaftsdienst überhaupt erweisen und sie in Würde gehen lassen.

Für Marte, Milla und Maya:

https://www.youtube.com/watch?v=xv1EprTdgBE

„Nun, du siehst sie, wenn du einschläfst.
Aber nie, um sie berühren und zu halten.
Weil du sie zu sehr geliebt hast und zu tief getaucht bist

Nun, du brauchst das Licht nur, wenn es schwach leuchtet.
Vermisst die Sonne nur, wenn es anfängt zu schneien.
Weißt nur, dass du sie liebst, wenn du sie gehen lässt.

Und du lässt sie gehen.
Ooooo ooooo oooooo.
Und du lässt sie gehen.
Ooooo ooooo oooooo.
Nun, Du lässt sie gehen.“


Kategorie: Allgemein

15 Antworten zu “Abschied von Marte”

  1. iski sagt:

    Es tut immer wieder so weh, auch aus der Ferne, von einem solchen Abschied zu hören. Fast als wäre ein Freund gegangen. Vor allem bei den Alten, die langezeit in Elend und Entbehrung gelebt haben.
    Und immer wieder kommt die Achtung vor dem, was ihr emotional leistet und was ihr auf euch nehmt. Ein ganz großes Dankeschön!

  2. Monika Hoffmann-Kühnel sagt:

    Wie traurig, für Euch, aber vor allem auch für die letzte Überlebende des Quartetts, Maret! Und doch tröstlich zu wissen, dass ihr letzter Lebensabschnitt so frei und umsorgt war. Die freundliche Omi wird uns allen sehr fehlen!

  3. ElkeS sagt:

    Ach, Martelein, du wunderbare Kuh-Omi! Es macht mich sehr traurig, dass du nicht noch länger die Freiheit von Hof Butenland genießen durftest. Das hätte ich dir so sehr gewünscht. Aber ich freue mich auch, dass du eben diese Freiheit immerhin noch 3 Jahre lang erleben konntest und nun in Frieden und Würde sterben durftest.

    Ich hoffe nun ganz, ganz doll, dass Einhorn Maret als Letzte des Vierergespanns noch lange durchhält und den Altersrekord von Milla bricht.

  4. Antonia sagt:

    Marte, Du liebes altes Mädchen, jetzt bist Du erlöst. Du sahst zuletzt auch wirklich müde und geschwächt aus.
    Es ist ein Trost, dass Du in Würde gehen konntest, und es ist ein schöner Gedanke, dass Du die letzten Jahre Deines Lebens auf Butenland genießen konntest.

    Hoffentlich trauert Maret nicht zu sehr und schließt sich verstärkt an ihre Kumpels in der Krankenstation an.

  5. Ute sagt:

    Ich weiss, das klingt uebertrieben, aber ich vermute, dass hier so einige Leute zustimmen koennen – Martes Tod schmerzt wie der Tod eines Familienmitglieds. Es tut mir in der Seele weh, dass Marte von uns gegangen ist. Wie sehr haette ich ihr eine noch viel laengere Zeit auf Butenland gewuenscht, als sie erleben durfte! Und wie dankbar bin ich, dass sie erfahren konnte, wie schoen ein Leben sein kann!
    Ja, Monika! Ich mache mir auch Sorgen, wie Maret den Tod ihrer lebenslangen Freundin verkraften wird… Vielleicht hat sie geahnt in den letzten Wochen, dass Martes Leben zu Ende geht und hat auf ihre Art Abschied nehmen koennen?

    Danke, Jan, Indira und Karin, dass Ihr Marte nicht leiden liesst!

  6. Dami sagt:

    Liebe Marte,

    es tut weh, daß Du nicht mehr da bist.

    Ich freue mich aber von Herzen, daß Du noch so ein schönes Leben auf Butenland führen durftest und feststellen durftest, daß Menschen Dich nicht nur ausbeuten und missbrauchen.

    Mach es gut, liebes altes Kuhmädchen !

  7. Melanie sagt:

    Das Leben endet, die Liebe nicht. Mach es gut, liebe Marte, wo immer Du jetzt bist.
    Für Maret wünsche ich mir noch ganz, ganz viele Sommer auf der Weide, brich bitte alle Altersrekorde die es je gab.

  8. V. Arken sagt:

    An alle bisherigen Kommentarinnen: Welch große Zuneigung und Liebe spricht aus Euren Worten. Da kommen mir die Tränen! Möge dieses Mitgefühl Euch, liebe Butenländer, ein wenig trösten. Und gebt Maret eine Streichelung von mir.

  9. Cornelia sagt:

    Auch mein erster Gedanke galt Maret… wie mag es ihr ergehen jetzt??? Marte ist in Frieden erlöst und ich hoffe, das hat sich Maret mitgeteilt und macht es ihr möglich, noch eine vergnügte Zeit die Weiten Hof Butenlands zu genießen und all die Liebe, die ihr entgegengebracht wird. Ich gönne es ihr von Herzen!

  10. gisi sagt:

    Still schließe ich mich an.

  11. Inga sagt:

    Liebe Marte, die letzten Jahre Deines Lebens waren ein ach viel zu kurzer Traum, der einen Alptraum ablöste. Jetzt ruhe in Frieden. Vielen Dank Butenland, das Dir den Traum ermöglichte und den schmerzlosen Übergang.

    Allen in der Familie wünsche ich Kraft in der Trauer.

  12. Doro sagt:

    Liebe Marte, ich weine, obwohl ich ja weiss, dass du jetzt erlöst und frei bist…Ruhe in Frieden, du Süsse.

  13. Elke Kloos sagt:

    Liebe Marte,
    ein weinedes und ein lachendes Auge für Dich. Du hattest noch eine schöne Zeit auf Butenland. Machs gut.

  14. Christine sagt:

    Adieu, liebe Marte!

  15. Gabriele sagt:

    Liebe Marte, leider lese ich erst heute von Deinem Abschied. Ich habe aber jeden Tag an Dich gedacht und leider auch schon damit gerechnet, daß Du bald über die Regenbogenbrücke gehst. Es tut mir so leid, daß Du viel zu viele Jahre nur angebunden warst und erst in einem so schlechten Zustand gerettet werden konntest. Ich hoffe, daß Dir die kurze Zeit auf Hof Butenland gezeigt hat, das es auch viele gute Menschen gibt, die Dir viel Liebe und Fürsorge geschenkt haben. Vielleicht hat diese Zeit ein wenig geholfen, Deine seelischen Wunden zu heilen. Ruhe Dich jetzt aus Du Liebe und grüsse alle, die vor Dir gegangen sind. Machs gut, Du Süße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.