Denn Tiere sind keine Maschinen

Die „schmerzfreie“ Trennung einer Familie

von Admin, am 05.01.2019.
Die Milchindustrie wird anscheinend immer nervöser und reagiert deshalb verzweifelt mit angeblich transparenten Videos wie dem hier vorgestellten, auf denen „anständig“ mit den Tieren umgegangen wird. Diese Filmchen werden dann im Kommentarbereich auch entsprechend von Berufskollegen und uninformierten Konsumenten gelobt, dabei sind sie aber eigentlich so transparent wie eine Betonwand.
 
Am Anfang wird gezeigt, wie die Mutter und ihr Kind unmittelbar nach der Geburt zusammenliegen, und es wird davon geplappert, wie wichtig es ist, dass das Kalb die Kolostralmilch bekommt. Verschwiegen wird, dass das gar nicht unbedingt bedeutet, dass das Kalb diese Erstmilch selbst trinken darf, immer wieder wird dabei auch auf die gelagerte Milch einer anderen Mutter gesetzt. Man sieht es sogar am Hinterteil der Kuh in diesem Beitrag, dass die Geburt noch nicht lange zurückliegt und das Kalb dementsprechend noch gar nicht diese wichtige Milch erhalten haben kann. Später im Video wird darauf hingewiesen, dass die Mutter hungrig direkt zur Futterraufe geht, da sie sich selber total vernachlässigt und nur für ihr Kind da ist, bevor die Familie getrennt wird.
 
Schon an dieser Stelle müssen direkt die Fragen kommen, wieso die gerade noch als wichtig beschriebene Milch diesen Status nur für wenige Minuten bis Stunden hat und warum sie trotz ihrer sogar extra unterstrichenen Wichtigkeit schon in den ersten Lebensstunden des Kalbes gegen ein künstliches Ersatzprodukt ausgetauscht wird. Und auf die Erklärung, wieso sich die Mutter aufopfert, solange sie bei ihrem Kind ist, aber trotzdem keinerlei Probleme mit einer Trennung hat, darf man sich auch sehr gespannt sein, wenn man einen Hang zu hanebüchenen Geschichten hat. Dabei ist auch schon bezeichnend, dass die Mutter ihr Kind nur verlässt, weil der Mensch hinter der Kamera sie von ihrem Ein und Alles wegtreibt.
 
Überhaupt wird sich im gesamten Beitrag nur auf die Mutter konzentriert, die noch gar nicht realisiert hat, dass ihr gerade das Kind für immer weggenommen wurde, und die sich im fatalen Vertrauen der Person ausliefert, die sie kennt und zu der sie eine Beziehung aufgebaut hat. Über das Kalb wird gar nicht mehr gesprochen. Über seinen weiteren Lebensweg wird selbstverständlich auch kein Video gedreht. Sollte das Kalb männlich sein, dann wird dieses Video auch kurz und grausam, denn wenn man eins in Milchbetrieben nicht braucht, dann sind das männliche Kälber, bestimmt für einen frühen Tod in der Mast.
 
Sollte das Kalb weiblich sein, dann gibt es ebenfalls kein Anschlußvideo, denn auch das würde eine FSK18-Produktion. Schließlich steht diesem Tier eine Karriere als Milchkuh bevor. Da kann es als erstes nur hoffen, dass der Halter nicht grausam genug ist, um sie schon im Kindesalter das erste Mal künstlich zu befruchten. Auf Butenland lebt mit Lillja ein Beispiel, das viel zu früh zwangsbesamt wurde, weshalb ihr Becken für ihr Kind noch zu schmal war und sie es nach einem Kaiserschnitt verloren hat.
 
Aber selbst wenn der Bauer sich an die zynischen Grundregeln hält, stehen dann viele Fragen an, die in dieser ach so transparenten Videoproduktion wohlweislich unter den Tisch gefallen sind: Wie oft muss sowohl das Kind als auch die Mutter Irmi zwangsbesamt werden, damit sie ständig Muttermilch produzieren? Von wievielen Kindern werden die beiden dafür noch getrennt werden? Wie reagiert ihr Körper auf die bis auf kurze Trockenstehphasen fast ununterbrochene Milchproduktion und was haben sie für eine Lebenserwartung, wenn ihr Milchstrom irgendwann versiegt oder auch nur die Produktionsraten nicht mehr erfüllt?
 
Und dabei haben wir uns noch nicht mal mit den existenziellen Fragen beschäftigt. Zum Beispiel, wo Irmi und ihre Artgenossen die Zeit zwischen Melkstand und Stall verbringen? Gibt es diese Zeit überhaupt oder verbringen sie wie die Mehrheit der Rinder ihr Leben in Anbindehaltung, Laufstall oder Box, nur unterbrochen von regelmäßigen Melkroboterdates? Wir könnten auf jeden Fall viele Videos von Mattis und Dina (wie zum Beispiel dieses hier von Mattis Geburt: https://www.stiftung-fuer-tierschutz.de/2016/08/21-8-2011-mattis-wenige-minuten-alt/ ) nachreichen, nur um zu beweisen, was Rinder für eine Beziehung aufbauen, wenn man sie lässt. Und was es deshalb für ein unglaubliches moralisches Verbrechen ist, ihnen diese Chance auf eine Familie zu nehmen und das Ganze auch noch stolz auf den untransparentesten Verfilmungen des Universums als anständig zu präsentieren.
 

Kategorie: Allgemein

3 Antworten zu “Die „schmerzfreie“ Trennung einer Familie”

  1. Avatar Marita sagt:

    Es ist nicht nur ein ein moralisches Verbrechen, das an den Tieren begangen wird. Sagt das Tierschutzgesetz nicht, dass Tieren keine „unnötige“ Schmerzen zugefügt werden darf. Die Trennung von Mutter und Kind ist mit „unnötigen“ Schmerzen verbunden. Denn Mutter und Kind schreien nicht vor Freude nach der Trennung hinter einander her. Man sollte diesen Vorgang nur mal in menschliche Realitäten umsetzen. Frauen denen gleich nach der Geburt die Kinder geraubt werden. Da fällt mir ein, hatten wir nicht sogar mal so was…..? Und wurde später das nicht als eines der größten Menschenverbrechen bezeichnet? Hier sollt mensch nur mal in die Geschichtskiste greifen. Dann weiß er/sie wo wir stehen mit unseren Verbrechen die wir an den Tieren begehen. Pfui – kann ich da nur zu jedem Menschen sagen, der/die sich daran beteiligen.

  2. Avatar Ute sagt:

    Das fiel mir gestern auch auf, als ich das Video sah, dass die Geburt so kuerzlich geschehen war, um dem Kalb ueberhaupt nicht die Zeit erlaubt haben zu koennen, das Kolostrum zu trinken.
    Und was mich erschuetterte war, wie bereitwillig die Kommentatoren dieses Maerchen der gluecklichen Kuh schluckten und die Trennung von Mutter und Kind sogar als notwendig betrachteten. Zum Schutz des Kalbes, denn „es gibt einige Kuehe, die nicht nett mit den Kaelbern umgehen und sie toeten.“ Diese Muetter gibt’s unter den Menschen auch, also konsequenterweise……?

  3. Avatar ines sagt:

    Aber Ute, du kommst ja auf Ideen! Der Mensch ist doch was gaaaaanz anderes. Da liegt das Verhalten solcher Mütter an einem traumatischen Kindheitsrlebnis oder an was weiß ich. – Ich kann mir diese Art von Rechtfertigungs-Videos nicht mehr ansehen, da kommt mir das Essen wieder hoch. Wenn es nach mir ginge, würde es im Umkehrschluss gleiche Konsequenzen für Menschen geben, vor allem für die, die wohlwollend zu diesen Verbrechen nicken.

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