Denn Tiere sind keine Maschinen

Lach- und Sachgeschichten einer Landwirtschaftsministerin

von Admin, am 25.11.2018.


Uns kam die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner bislang immer so vor, als würde sie nur die Interessen der mächtigen Lobbyvereinigungen im Blick haben und sich nicht groß um Tiere kümmern. An dieser Stelle müssen wir uns wirklich entschuldigen, denn vorgestern hat sie in der Talkshow „3nach9“ eine unglaubliche Bombe platzen lassen: Heimlich und quasi hinter dem Rücken der Öffentlichkeit hat sie nämlich einfach mal Tierrechte im Grundgesetz verankert. Und das hätte sie wahrscheinlich sogar für sich behalten, wenn sie sich in dieser Talkshow nicht vor Aufregung verplappert hätte. Wir haben das Ganze mal für euch dokumentiert und selbstverständlich mussten wir uns auch gleich die aktuelle Neuauflage des Grundgesetzes ordern. Ein Flitzebogen ist nichts gegen unsere Spannung darüber, wie genau Frau Klöckner ihren mutigen Vorstoß formuliert hat und in dieses oberste Gesetzbuch eingetragen liess.

 
Damit kommen wir aber auch auf den Boden der Realität zurück und stellen jeden Spott ein. Wir sprechen hier von der Person, die Tierrechtler noch mehr kriminalisieren will, weil diese immer wieder auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aufmerksam machen und Filmmaterial darüber verbreiten. Sie will also die einzige Quelle stilllegen, die überhaupt solche Skandale an die Öffentlichkeit bringt. Vielleicht ist ja dem einen oder der anderen schon aufgefallen, dass die Schockvideos aus Schlachthöfen, in denen wir gerade fast ertränkt werden, nie von einer staatlichen Behörde stammen. Was sicherlich damit zu tun hat, dass der Staat aktuell Tierhaltungsbetriebe nur einmal im Jahrzehnt überprüft, und das auch nur, wenn dort ungewöhnlich engagierte Beamte ihren Dienst absolvieren. In Bayern kommt es zum Beispiel im Durchschnitt sogar nur jedes halbe Jahrhundert zu einer Kontrolle. Ansonsten interessieren sich ausschließlich private Tierrechtler für das Leid der Opfer.
 
Ausgerechnet diese einzige Instanz will Frau Klöckner jetzt schärfer verfolgen lassen und palavert gleichzeitig etwas davon, dass sie sich als Vorreiterin einer diffusen europaübergreifenden Politikerallianz sieht, die den Tierschutz überall auf himmlisch switchen und jede Art von Tötung eines intelligenten, selbstbewussten Lebewesens als ultimativen Trip ins Mecky-Messer-Disneyland uminterpretieren will. Das einzige Mittel, das sie zur Umsetzung dieses 8. Weltwunders beim letzten Bundestagsbetriebsausflug erfunden und auf einen Bierdeckel gekritzelt hat, ist ein neues Tierwohl-Label, weil von diesen Dingern ja auch schätzungsweise erst drölfzigtausend im Umlauf sind und wirkungslos an der Realität in den Betrieben zerschellen.
 
Und wer nach diesem Monolog noch nicht genug hat, für den kräht Frau Klöckner dann noch etwas von „Tierrechten im Grundgesetz“, meint damit die Paragrafen, die nicht mal viel mit Tierschutz zu tun haben, und beweist damit auch dem letzten Zweifler, dass sie von Tierinteressen oder Tierrechten keine Ahnung hat und nur ihren Ministerposten abräumen durfte, weil sie vom Bauernverband als ideal pflegeleicht abgenickt wurde. Na schön, aber immerhin haben wir über ihren naiven Ausbruch für 5 Sekunden gelacht, das ist mehr Humorpotenial, als die sogenannten Nutztiere in den Verliesen der Tierindustrie während ihrer gesamten Existenz ausleben können.
 
Wer sich aber noch nicht genug amüsiert hat, für den haben wir noch die zwei vorherigen Minister in diesem Amt:

Kategorie: Allgemein

10 Antworten zu “Lach- und Sachgeschichten einer Landwirtschaftsministerin”

  1. ellen sagt:

    Es ist wirklich unvorstellbare – die Personen, die eigentlich Kraft ihres Amtes für die Umsetzung/Kontrolle/Einhaltung von Rechten gewählt wurden, treten diese Rechte mit Füßen. Gäbe es die permanenten Verstöße in der Tierhaltung nicht, würden solche Schockvideos erst gar nicht die Runde machen und kein Mensch müßt versteckt Aufnahmen produzieren – wobei ich den Hut ziehe, denn überhaupt dies entsetzlichen Zustände täglich mitansehen zu müssen, erfordert immenses physische und physische Durchhaltevermögen. Ich persönlich bin froh, dass es Tierschützer gibt, die Licht ins Dunkel bringen und die Politik sollte sich schämen, solche Zustände missbilligend zu dulden!!!!!!! Es wird Zeit, dass sich etwas ändert.

  2. Gisi sagt:

    Die ambivalenten scheinheiligen „christlich“anmutenden Bekenntnisse sind uns über Jahre hinreichend bekannt…als verlogen…ich wählte im letzten Jahr erstmals eine Tierschutzpartei;irgendwie verzweifelt im Protest…aber es geht weiter!!!vegan…..

  3. Ute sagt:

    Gloeoeckler: „Das Tierrecht wird nicht durchgesetzt.“ Kloeckner: “ Bitte nicht so pauschal.“
    Selbst wenn der Vorwurf wirklich verallgemeinernd waere und Verstoesse gegen das Tierschutzgesetz eher selten vorkaemen, waeren es immer noch Kriminaltaten, die nicht (oder in den wirklich allerseltensten Faellen) geahndet werden.
    Und dass „Heumilch“ als laktosefrei erklaert wird, ist einfach nur ignorant und lachhaft. Das laeuft so in die Richtung, die Rindfleisch als vegan beschreibt, weil Kuehe Pflanzenesser sind…

  4. Monika Hoffmann-Kühnel sagt:

    Dass die Politik inzwischen (oder schon immer?) maßgeblich von Lobbyisten gemacht wird, ist ein großer Schwachpunkt unserer Demokratie. Gäbe es die „Zivilgesellschaft“ nicht mit ihren vielen engagierten Organisationen und Einzelpersonen, dann stünde es noch weitaus schlechter um die Interessen der Schwachen und Stimmlosen. Und, klar, da sind noch wir VerbraucherInnen, die wir täglich darüber entscheiden, ob Tiere gequält werden oder nicht.
    Traurig, dass die Politik nicht begreift, wie lächerlich sie sich macht – auch wenn uns das Lachen darüber im Hals stecken bleibt…

  5. Ursula sagt:

    Ich kann über die Verharmlosungen der
    Politiker-Darsteller überhaupt nicht lachen
    und glaube nicht, daß von dieser Seite
    ernsthaft Veränderungen angestrebt werden.
    Ist doch bekannt, daß die Lobbyisten im
    Parlament hocken und die für ihre Interessen
    passenden Gesetzentwürfe formulieren.
    Da bleibt nur die Hoffnung auf den Meteoriten,
    der all dem Elend ein Ende setzt.

  6. Christine sagt:

    Bei der Dame spar‘ ich meine Smartphone-MB. Wenn ich schon ‚Tierwohl‘ höre, steigt Würgereiz auf …

  7. Claudia sagt:

    Dazu fällt mir nur folgendes ein:

    Wo immer ein Tier in den Dienst des Menschen gezwungen wird, gehen die Leiden, die es erduldet, uns alle an.
    (Albert Schweitzer)

    Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.
    (Mahadma Gandhi)

    Solange Menschen denken,
    dass Tiere nicht fühlen,
    müssen Tiere fühlen,
    dass Menschen nicht denken.

  8. Monika sagt:

    Mein Dank geht an Armin Rohde und Harald Glööckler, die das Thema Tierschutz angesprochen haben, bei dem es ja dann auch geblieben ist, obwohl ein anderes Thema vorgesehen war. Überzeugen konnte Frau Klöckner wirklich nicht und von Empathie keine Spur.

  9. Melanie sagt:

    Ich sage nur: Meine ganz ganz spezielle Freundin, wenn ich die im Fernsehen sehe muss ich wegschalte sonst fliegt der nächsterreichbare Gegenstand hinein.
    Was ich mit dieser „Dame“ alles gerne machen würde erwähne ich jetzt besser nicht…..

  10. Gabriele sagt:

    Wie eine Krähe sieht die Dame gar nicht aus aber, eine Krähe hakt den anderen eben kein Auge aus. Tierschutzgesetze sind doch sowieso nur Tiernutzgesetze und, daß etwas zum „besseren“ verändert werden soll dient doch nur den Verbrauchern, um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen. Wenn man wirklich etwas für die Tiere zum besseren wenden möchte muß man vegan leben. Es ist ganz einfach: eine zivilisierte Gesellschaft muß damit aufhören hochentwickelte Säugetiere zu verspeisen, wir leben nicht mehr in der Steinzeit, das sind nur Nahrungsgewohnheiten und keine Ernährungsnotwendigkeiten. Es ist einfach pervers andere Lebewesen zu ermorden und sie aufzuessen. Die Menschen entwürdigen sich und die Tiere damit.

    @Claudia: Diese Verse kenne ich auch, sie treffen den Nagel auf den Kopf. Ich danke Dir, daß Du diese schönen Worte, die jeden zum Nachdenken anregen sollten, hier niedergeschrieben hast.

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