Denn Tiere sind keine Maschinen

Auf geht´s in die große Freiheit

von Admin, am 27.10.2018.

Eigentlich wollten wir unsere Neuzugänge Trude und Bo heute noch im abgetrennten Offenstall lassen, weil wir durch unseren Stand auf der „Hand in Hand für Tierrechte“-Veranstaltung in Hamburg unterbesetzt sind. Da haben wir die Rechnung aber ohne die Zwei gemacht, denn kurzerhand wurde in KUHler Eigenregie der Auszug geplant, indem unsere Holzraufe systematisch zerlegt wurde. Als wir heute morgen die Bescherung gesehen haben, wollte es natürlich keiner von den Unschuldsrindern gewesen sein. Dennoch war klar, dass wir keinen Tag länger mit der Zusammenführung warten konnten.

Also haben wir den beiden heute vormittag die Stalltür geöffnet und los ging die Butenländer Antwort auf alte „Western von gestern“-Episoden. Der einzige Grund, warum die zünftige Saloonprügelei nicht ausgeartet ist, war Hof-Sheriff Puschek. Der hat mutig „Wütender Pekinesen-Satellit“ gespielt, schwirrte dementsprechend um die Großmäuler herum und verteilte klare Ansagen. Ganz im Ernst ist es unglaublich, wieviel Respekt manche Rinder inzwischen vor unserem Vampirgraf haben. Der zeigt sich halt nur schwer beeindruckt, wenn ein Huhn, eine Gans oder andere Bestien dieser Art vor ihm auftauchen. So ein kleines Rind, das ihn nur locker um das Fünffache überragt, sieht er nicht mal als Herausforderung an.

Aber der Reihe nach: Das Video enthält fast einen ganzen Tagesablauf, ihr seht Szenen vom Vormittag bis zum Abend. Die Hauptdarstellerinnen sind dabei wie nicht anders zu erwarten die zwei Raubtiere in Kuhkörpern Chaya und Trude. Überraschenderweise übernimmt aber Dani den Erstkontakt und setzt die erste Marke bei Trude, während Bo bei Leevke zum Hardcore-Flirt ansetzt. Schnell gibt es aber auch das erste Duell Chaya vs. Trude, das die Zebu-Kuh souverän gewinnt, so dass Chaya erstmal Verstärkung holt.

Die restliche Herde beobachtet das Ganze aber lieber genau wie wir Menschen aus sicherer Entfernung, denn ungefährlich ist so eine Vergesellschaftung nun wirklich nicht. Danach führen Chaya und Trude auch die ersten Waffen ins Feld und bewerfen sich mit Sand. Es folgt eine Szene, in der man gut den Größenunterschied zwischen Trude und unserem Schmuseochsen Fiete sieht.

Dann gibt es die nächste Überraschung, denn sogar Lillja wird kurz zum Möchtegern-Stier und legt sich gleich mit beiden Neuzugängen an. Diese Konfrontation hat aber ein Happy End, denn am Ende des Vormittags liegen Trude und Lillja schon zusammen und erste vorsichtige Zungenküsse werden ausgetauscht.

Am Nachmittag rumst es dann aber schon wieder, selbstverständlich ausgelöst von Chaya, die sich auf ihre Dreckschmeiß-Kompetenzen besinnt. Wie erwähnt war das auch der Kampf des Tages, wobei wir bisher nicht sagen können, ob Trude oder doch unsere Rambokuh gewonnen hat. Da wird es wohl noch einige nonverbale Diskussionen geben, bis Trude ihren sicherlich recht hohen Rang in der Hierarchie akzeptieren wird.

Überhaupt merkt man sofort bei dieser Zusammenführung, dass sowohl Trude als auch Bo die Freiheit schon gewohnt sind und ein entsprechendes Selbstbewusstsein getankt haben. Da gibt es nicht den Hauch vom sonstigen Staunen über die noch nie gesehenen Weiden oder die Verunsicherung bei ungewohnten Windstößen, über Sonnenschein oder auch Artgenossen. Trude und Bo kennen das Herdenleben und führten auch seit jeher eine selbstbestimmte Existenz, das werden auch die restlichen Butenländer bei den nun anstehenden Herdenplatzverhandlungen merken. Sicher wird diese Vergesellschaftung auch erst in ein paar Tagen vollständig abgeschlossen sein, aber trotzdem ist ein guter Anfang gemacht. Wobei wir uns sowieso nie Sorgen über das Gegenteil gemacht haben. Dafür sind Rinder einfach viel zu soziale Tiere, von denen jeder Mensch gerade in Sachen Gruppendynamik und Gesellschaftsfrieden noch zig Lektionen lernen kann.

Übrigens muss sich kein Neuleser Sorgen um Puschek machen. Wie oben erwähnt hat sich dieser Hund schon ziemlich viel Respekt verschafft und die Herde kennt ihn auch inzwischen. Da kann er ruhig seine große Klappe riskieren, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Die kommen höchstens in Form eines Anschnaubens, gefährlich wird es für ihn aber nie werden.


Kategorie: Allgemein

9 Antworten zu “Auf geht´s in die große Freiheit”

  1. Christine sagt:

    Boah – die zarte Trude hat Feuer unter den Hufen bzw. Klauen – wie sie Chaya angeht … Bo sieht anscheinend nicht, wie hübsch Lillja ist, mit so einem Superkuhgirlie hörndelt ochs doch nicht rum, sondern fängt dezent muhig zu flirten an. Puschek ist eine coole Socke – er ist furchtlos, der kleine, flauschige Kerl! Nachmittags schauts schon kuhig zivilisierter aus – wie sich Lillja + Trude ein Bussi geben. Jedenfalls fühlen sich Bo + Trude wohl in ihrer neuen Heimat + neue Freunde finden beide, wie es ausschaut, ganz sicher bald.

  2. Ute sagt:

    Also diese Loesung fuer Argumente werde ich mir merken – morgen besorge ich mir eine Ladung Sand!
    Waehrend der ersten paar Minuten des Films habe ich vor mich hingemurmelt: „Das wird, das wird, das wird….“ und am Ende des Videos aufgeseufzt „alles gut.“ Wenigstens fuer heute!
    Ueber den kleinen Hundekaefer bin ich auch bass erstaunt – verwegen oder einfach nur selbstsicher?

    Und ich sag’s heute auch wieder: ich freu‘ mich so sehr fuer Willi!

  3. Tine sagt:

    =D Wieder einmal super geschrieben. Wie ein Kuh-Krimi. Toll anzusehen. <3

  4. Gabriele sagt:

    Man da wurde Eure friedliche Herde ja ordentlich aufgemischt, alle Beteiligten sind mächtig aufgeregt und die Kampfgrizzly-Dama Chaya kommt voll auf ihre Kosten. Ohje, nach all der Aufregung ist der kleine Puschek aber mächtig erschöpft und müde, schließlich hat er ja den Schiedsrichter und Schlichter gemimt.

  5. Wo aus Wu sagt:

    Das nennt man dann „frischen Wind“ mitbringen, dem eingefahrenen Establishment mal zeigen wo der Hammer hängt! Horizonterweiterung in ReinKUHltur! Klein gewinnt gegen Groß, ab 2:50, und Groß ist verdutzt. Anschließend verträgt man sich wieder.
    So etwas stelle ich mir gerne auch woanders vor, habe da jede Menge Ideen! Könnte man das nicht als Bildungsmaßnahme für Jung- und Altmanager bzw. -politiker vermarkten? Viele von denen müssten m.E. mindestens noch so 1-2 Jahre „auf die Weide“ bevor man sie auf die Menschheit loslässt. Sozialisierung in der Herde, als Alternative zu hochdotierten Seminaren mit Pferden. Diese armen Socken müssen sich jede Woche auf neue Psychopathen einstellen und verstehen anschließend die Welt nicht mehr.
    Und mittendrin diese ständig kläffende Wollmaus! Da kennt der ja nix!
    Bei der Gelegenheit: Was machen denn die Vergiftungsopfer? Gibt es neue Erkenntnisse?

  6. Doro sagt:

    Meine Güte, das ist ja total spannend…da wird ja die Herdendynamik und Rangordnung ganz schön aufgewirbelt, Bo und Trude sind offenbar fest entschlossen, hier eine nicht unbedeutende Position einzunehmen. Da darf man wohl weiterhin gespannt sein, wie die Integration so voranschreitet. Bin beeindruckt! Allerdings tun mir die doch teils sehr gebeutelten Rinder etwas leid angesichts dieser Power, der sie ja aufgrund ihrer Vorgeschichte nicht so viel entgegen zu setzen haben. Sind Bo und Trude denn ursprünglich auch aus schwierigen Verhältnissen? Wisst ihr etwas darüber?

  7. Marita sagt:

    Es ist so faszinierend für mich, daß Herdenverhalten der Kühe zu beobachten. Als Städterin habe ich ja sonst keine Gelegenheit dazu. Vor allen weil ich die Tiere mittlerweile, vom den Beschreibungen her, ganz gut kenne. Bin sehr gespannt wie es weiter geht. Die eigensinnige Exotin Trude Zebu und ihr irischer Freund Bo Dexter sind auf jeden Fall eine tolle Bereicherung für die Butenländer Herde. Viel Spaß bei der Vergesellschaftung und alles Gute, allen Beteiligten.

  8. Admin Admin sagt:

    Leider weiß ich noch gar nichts über Bos und Trudes Vorgeschichte, deshalb gibt es auch noch keinen Eintrag auf der Rinderseite.

  9. Maria sagt:

    Die beiden Selbstbewussten wollen sich ja auch erst einmal in einem neuen Herden-Verbund zurechtfinden – das wird!

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