Denn Tiere sind keine Maschinen

Sorgen um Cello

von Admin, am 03.08.2018.


Heute gibt es leider ein etwas trauriges Update zu Cello. Der 23jährige Wallach war in seinem Leben vor Butenland ein internationales Turnierpferd, das quer über Europa für diesen grausamen Sport ausgebeutet wurde. Für seine letzten Rennen wurde er mit Schmerzmitteln fitgespritzt, logisch, dass der Körper so eine Behandlung nicht mitmacht und sich irgendwann rächt.

So ist es nicht verwunderlich, dass Cello unter diversen Allergien leidet. Auch ein chronisches Lungenemphysem wurde bei ihm festgestellt, deshalb behandeln wir ihn mit Inhalationen. Und als wäre das alles noch nicht genug, wollte unser Sorgenkind vor 3 Tagen nicht mehr stehen und der sofort alarmierte Tierarzt hat eine Hufrehe bei ihm festgestellt. Ungewöhnlicherweise nicht an den Vorder-, sondern an den Hinterbeinen. Als Ursache vermuten wir das Cushing-Syndrom, eine Stoffwechselerkrankung, die öfter bei älteren Pferden auftreten kann. Genaueres wissen wir aber erst nach einem weiteren Bluttest. Sämtliche Details erläutert euch Indira im Video.

Zum Glück haben wir die Erkrankung früh entdeckt, so konnten wir den Schub ganz gut in den Griff bekommen. Bis zu den Ergebnissen des Blutests kühlen wir Cello die Hufe und behandeln ihn mit leichten Schmerzmitteln.

Auf jeden Fall bestätigt uns diese Diagnose mal wieder in unserer Überzeugung, dass wir niemals mit dem Hof an das absolute Aufnahmelimit gehen werden. Das hier ist nunmal ein Altersheim, da kann man nie wissen, wie die Lage in 10 Jahren aussieht, wenn die im Vorleben durch die Bank gequälten Körper unserer Bewohner die Zeche zahlen müssen. Und eigentlich muss man dabei noch nicht mal 10 Jahre nach vorne blicken, schon morgen könnte ein weiterer Pflegefall dazu kommen, den wir dann selbstverständlich genauso aufmerksam versorgen wollen wie gewohnt und dafür entsprechende Zeitfenster zur Verfügung haben müssen. Die Arbeit auf so einem Hof wird einfach nie langweilig, umso wichtiger ist es, dass man jederzeit in der Lage ist, auf veränderte Verhältnisse und neue Aufgaben zu reagieren, ohne dass der Betrieb woanders darunter leidet.


Kategorie: Allgemein

13 Antworten zu “Sorgen um Cello”

  1. Ute sagt:

    Also Euch kann man garnicht oft genug „DANKE“ sagen!!

    Schoen auch mal wieder von Indira zu hoeren! Aber wie geht es der „unsichtbaren“ Jasmin?

  2. F. sagt:

    Ich hasse die Menschen, die Tiere für derartigen „Sport“ missbrauchen :-(! Sollen diese Leute doch selbst über irgendwelche Hindernisse springen und dämliche, artfremde Schritte machen.

  3. Wo aus Wu sagt:

    Moin! Das stimmt mich natürlich sehr traurig. Aber warten wir mal das Ergebnis ab. Wenn es ein Fehler in dem HHN-Regelkreis ist, kann man das, je nachdem welcher Art der Fehler ist und wo er angesiedelt ist, gut behandeln und die Lebensqualität erhalten, wenn nicht gar verbessern. So wie ich euch kennenlernen durfte ist Cello in den besten Händen. Übrigens: Es gibt Untersuchungen beim Menschen die zeigen, dass Stress im Mutterleib und während der frühen Jugend später zu solchen und ähnlichen Erscheinungen führen können!

  4. ines sagt:

    Ich wünsche Cello, dass sich die Situation schnell wieder stabilisiert und er wieder schmerzfrei laufen kann. – Vielen Dank euch Butenländern für eure Fürsorge und hervorragende Betreuung!!!

  5. Marita sagt:

    Es ist so erschreckend zu sehen, wie viel Geld mit der „Sportpferde“-Industrie gemacht wird. Es ist im Grunde so ähnlich wie bei Kühen. Die Stuten werden entweder zwangsbesamt, oder ihnen werden die Eier geraubt und außerhalb befruchtet. Andere – nicht so leistungsstarke Stuten – dürfen dann die befruchteten Eier austragen und Mutter für eine viel zu kurze Zeit werden. Denn wie lange ein Fohlen sich bei der Mama wohl fühlt, weiß natürlich nur der Mensch ganz genau! Bei den Pferden schreien Mutter und Kind nach der Zwangstrennung auch lange hinter einander her und leiden…. Dabei gibt es bei Pferden bestimmt auch solche Verbindungen wie die von Mattis und seiner Muddi. Die einen wandern auf den Schlachthof die anderen werden zu „Hochleistungsathleten“ getrimmt. Und der Fernsehkommentator betont jedes Mal, dass das Pferd kaum zu bremsen ist, weil es soooo gerne über die Hindernisse springt. Wenn wir hier eine Liste erarbeiten würden, mit allen Grausamkeiten die wir Menschen an den Tieren begehen, würden wir zu nichts anderen mehr kommen. Was andererseits aber auch nicht schlecht wäre….

  6. Christine sagt:

    Der arme Kerl – Cello wurde so misshandelt nur für den menschlichen Profit + die Geltungssucht.
    Man merkt ihm trotz Schmerzen an, dass er sich bei Euch gut aufgehoben + geliebt fühlt, weil ihr ihm so helft + alles tut, um seine Krankheiten zu lindern.
    Schliess‘ mich allen meinen Vorrednern an und bedank‘ mich bei allen menschlichen Butenländern für die Fürsorge + wünsch‘ Cello gute Besserung hoch.

  7. Ellen sagt:

    Alles Gute für Cello – ich drücke die Daumen und kann mich den anderen Kommentaren in Sachen Profit-, Geld-, und Geltungssucht nur anschließen. Er ist in guten Händen und ich hoffe das Beste.

  8. Gabriele sagt:

    Kaum zu glauben, dass der arme Bursche diese Strapazen soviele Jahre aushalten musste. Ich hasse alle Pferdesportler und wünsche ihnen allen, dass sie ebenfalls die ganzen Schmerzen am eigenen Leib erfahren, die sie diesen schönen Tieren angetan haben. Cello, Du bist jetzt Gott sei Dank in so liebevollen Händen. Ich sende Dir ganz liebe Genesungswünsche, Du hast wirklich ein Leben ohne Leid verdient.

  9. Wo aus Wu sagt:

    Ich hatte mal eine Aufstellung über Todesursachen bei Rennpferden, mal schauen ob ich die noch finde, ist schon etwas her. Was man da zu lesen bekommt ist schon abenteuerlich. Hier mal das Wichtigste: Von z.B. schweren Magengeschwüren durch Stress und exessive NSA-Verabreichung,
    über Lungenblutung nach Überlastung und Kollaps der Lungenbläschen und Emphysem am Ende, Rechtsherzüberlastung als Folge von O2-Mangel nach nicht auskurierter obstruktiver Atemwegserkrankung, bis hin zum Aortabriss (!!!). Den obligatorischen Verschleiß am Bewegungsapparat lasse ich jetzt mal weg.
    Manches liest sich wie der Autopsiebericht eines langzeitverstressten kettenrauchenden Managers, der unter schwerer Schlafapnoe litt und seinen langsamen, qualvollen Konkurs nicht ertragen hat.
    Es gibt Hinweise darauf, dass Stress schon im Kindesalter die Weichen für spätere Allergien und Stoffwechselentgleisungen stellt, für die man dann keine „klassischen“ Ursachen findet. Der HHN-Regelkreis spielt hierbei eine Rolle.
    Aber auch vielen Freizeitpferdchen geht es nicht unbedingt gut. Bei den Haltern gibt es natürlich solche und solche: Diejenigen, die in ihrem Schützling ein hoch entwickeltes Lebewesen und Kamerad sehen und auf seine Bedürfnisse Rücksicht nehmen und sich angemessen kümmern. Und diejenigen, bei denen das „Sportgerät“ auf den Punkt gefälligst zu funktionieren hat. Wenn es kaputtgeht: Macht nichts, Papa kauft ein Neues.

  10. Sigrid sagt:

    Liebe/r Mo – ich frage mich gerade, was HHN Regelkreis bedeutet?
    Stimme dir vollkommen zu, es ist kaum zu ertragen, welche Tierqual auch ich in Reiterställen zu sehen bekam, die vom zuständigen Tierschutzverein als noch nicht schwer genug für eine Intervention erachtet wurde. Danach habe ich das Reiten aufgegeben.

  11. Wo aus Wu sagt:

    Liebe Sigrid! HHN bedeutet „Hypothalamus -> Hypophyse (Vorderlappen) -> Nebennierenrinde“. Das ist der Mechanismus, der die Produktion von Kortisol, einem lebenswichtigen katabolen (=abbauenden) Stoffwechselhormon in der Nebennierenrinde steuert.
    Kortisol (=Hydrokortison, nicht Kortison! Letzteres muss erst „verstoffwechselt“ = hydriert werden) steuert u.a. den Abbau von Energiespeichern (Fettdepots, aber leider auch Proteine = Muskelmasse), und deren Umwandlung in Zucker (Glukose), der wiederum zur Energieerzeugung benötigt wird. Bei Stress wird davon mehr benötigt -> „Stresshormon“. Es kann aber noch mehr. Der Kortisolbedarf schwankt über den Tag.
    Der Hypothalamus veranlasst bei Bedarf den Hypophysenvorderlappen mit einem Releasing-Faktor, ACTH (adrenokortikotropes Hormon) in Richtung Nebenniere auszuschütten. Diese produziert daraufhin Kortisol. Ist genug davon im Umlauf (das meiste an ein Protein gebunden, da Kortisol nicht wasserlöslich ist) fährt die Produktion wieder herunter (negative Rückkopplung).
    Ein Tumor z.B. auf der Hypophyse (=Morbus Cushing) oder eine „Kommunikationsstörung“ zwischen Hypothalamus und Hypophyse stört diese Regelung, es wird zuviel ACTH-ausgeschüttet, weshalb die Nebennierenrinde dann folgerichtig Kortisol produziert, obwohl es nicht benötigt wird.
    Dadurch wird Zucker (Glukose) produziert, der nicht abgerufen wird. Der Körper speichert diesen dann als Fett „für schlechte Zeiten“ ein, was zum Cushing-Syndrom führt: Fettleibigkeit, Stiernacken, Vollmondgesicht und Hautstreifen beim Menschen, bei Fellträgern überschießendes, kräuselndes Haarwachstum, z.B. Winterfell im Sommer. Gleichzeitig schwinden die Muskeln zu Gunsten von Fett, Knochen werden brüchig, Haut wird dünn u.s.w. Zuviel freier Zucker führt mit der Zeit zu schweren Organschäden oder zu anderen stoffwechselbedingten Folgen.
    Cushing kann durch Messen der einzelnen Hormone des Regelkreises diagnostiziert werden. Durch gezielte Hormongabe kann man den Regelkreis „provozieren“ und feststellen, wie er arbeitet und wo genau der Fehler sitzt und eine geeignete Therapie starten. Ein Hypophysentumor kann beim Menschen durch die Nase minimalinvasiv entfernt werden. Ggf. sind bildgebende Verfahren angezeigt.
    Das alles ist die „endogene“ Variante von Cushing. Man kann es aber auch „exogen“ auslösen, durch übermäßige Einahme von Kortikosteoriden. Zuwenig Kortisol ist als Addison-Syndrom bekannt.
    Auch bestimmte Lungentumore führen zu einer verstärkten ACTH- und damit Kortisol-Bildung.
    Von solchen Regelkreisen, die das Leben von Mensch und Tier managen, gibt es einige. Vieles ist noch nicht klar. Die Nähe zum Gehirn (Hypothalamus) bewirkt, dass Stress und Kummer Einfluß haben und auf die Dauer krank machen können, nicht nur Menschen!

  12. Sigrid sagt:

    Hallo Wo aus Wu, danke für die ausführliche Beschreibung des HHN-Regelkreises, ein wahrer Teufelskreis und hochkompliziert! Um die Ursachen dieser Erkrankung zu verstehen, muß man glaube ich Mediziner sein (du kennst dich ja bestens aus!). Ich vermute nach deiner Beschreibung, daß bei Cello exogene Ursachen (die Gabe von Dopingmitteln) die Erkrankung ausgelöst haben? Es scheint neben einer Hormonbehandlung aber auch Behandlungen mit alternativen Mitteln zu geben, die Linderung verschaffen.
    Ich wünsche Cello baldige Besserung seiner Beschwerden dank der liebevollen und kompetenten Fürsorge der Butenländer!

  13. Wo aus Wu sagt:

    Hallo Sigrid! „Teufelskreis“ klingt so negativ: Der HHN-Regelkreis ist, wie die anderen Regelvorgänge auch und wenn er funktioniert, ein „Wunderwerk“ welches uns das Leben überhaupt erst ermöglicht! Das gilt für Mensch, Pferd, Hund, Katze, Pottwal, Kirchenmaus, … Nur wenn eine Fehlfunktion vorliegt kommt es zu Problemen. WENN das bei Cello der Fall ist, was sich aber noch herausstellen muss, dann ist es wohl hauptsächlich auf sein Alter zurückzuführen, natürlich verschlimmert durch seine Vorgeschichte. Umgerechnet ist er etwa meine Alterklasse, und da verschleißen schon mal einige „Bauteile“, wer kennt das nicht. Es lässt sich nicht heilen, aber in der Regel gut behandeln. Stress in seinem Vorleben wird hier aber sicher seine Spuren hinterlassen haben. Rennpferde laufen im Endeffekt um ihr Leben!
    Mehr Sorgen mache ich mir um seine Lungen. Als langfristige Komplikation kann es durchaus zu negativen Auswirkungen auf das Rechtsherzsystem (Lungenkreislauf) kommen. Hier kommt zum Tragen, dass er in seinem Vorleben regelmäßig fitgespritzt und über die körperliche Leistungsgrenze getrieben wurde. Aber die BERÜHMTE BUTENLÄNDER HEIL- UND KRAUL-THERAPEUTIN sorgt so vorzüglich für seine Lungen, dass er noch viele schöne Jahre vor sich haben dürfte. Außerdem hat er wohl nie in seinem Leben geraucht! Wenn wir ihm jetzt noch ein Seniorenhandy mit extra großen und stabilen Tasten besorgen, dann kann er sich jeden Dienstag in meine Lungensportgruppe einwählen und mitmachen …
    Zum Verständnis dieser Regelkreise: Es ist wie bei der Abgasreinigung im Auto. Hat die Lambdasonde einen Defekt, meldet sie der Motorsteuerung falsche Werte, und die Benzinpumpe bekommt falsche Vorgaben. Die Motorkontrollleuchte geht an, und dann wird es teuer. Leider kann man aber weder bei Mensch oder Tier einfach etwas austauschen.
    Liebe Grüße

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