Denn Tiere sind keine Maschinen

Wenn die Kontrolleure klingeln

von Admin, am 05.03.2018.


Heute wurde Hof Butenland mal wieder behördlich kontrolliert. Diesmal war die Landwirtschaftskammer im Auftrag des niedersächsischen Landwirtschaftsministerium bei uns zu Gast. Bemerkenswert und gut zu wissen: Kontrollen werden bundesweit nur bei circa 1 % aller landwirtschaftlichen Betriebe durchgeführt. Diese Zahl ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Wenn man aber bedenkt, dass ein Lebenshof wie Butenland regelmäßig Besuch bekommt, dann darf man sich darüber bestimmt ein bißchen wundern. Ebenfalls muss die Frage erlaubt sein, ob Großkonzernen wie Wiesenhof erstens überhaupt eine ähnliche Aufmerksamkeit geschenkt wird, und ob sie zweitens auch jährlich für die Zustände in all ihren Zuliefererbetrieben Rede und Antwort stehen müssen.

Die unangemeldete Kontrolle findet im Rahmen der „Cross Compliance Verordnung“statt. Da geht es um Prämienzahlungen für die Einhaltung von Umweltschutzstandards. Kontrolliert werden Güllentsorgung, Wasserproben, die Einhaltung der sogenannten „Fauna/Flora-Richtlinie“ und viele andere Dinge, bei denen Butenland überall vorbildlich abschneidet. Leider wird aber auch ein Auge auf den „Tierschutz“ geworfen, den Punkt setzen wir ausdrücklich in Anführungszeichen. Denn kontrolliert wird nicht etwa, wie glücklich die Tiere leben, es interessiert nur, ob sie gekennzeichnet sind. Sehr interessant ist bei diesem Punkt, dass wir teilweise sogar bei den Behörden auf Verständnis stoßen. Da wird gerne mal festgehalten, dass es kein Wunder ist, dass Ohrmarken abfallen, wenn man sieht, wie frei sich unsere Rinder bewegen können. Auch stoßen Formulare oft an Grenzen, weil wir weder sog. Mastvieh, noch Milchkuh halten. Im Endeffekt werden wir dann aber immer in Kategorien hineingepresst, bei denen sich alle Seiten einig sind, dass wir dort nicht hineingehören, und wir werden nach Dingen wie Lebensmittelherstellung beurteilt, obwohl wir die Stiftung gegründet haben, um genau das für immer auszuschliessen. Das ist alles schon sehr frustrierend.

Es gibt aber auch eine sehr gute Nachricht zu diesem Thema: Wir haben mittlerweile die Übersicht verloren, wieviele Behörden es gibt, die in Deutschland Bauernhöfe kontrollieren. Bei uns jedenfalls waren schon alle: Lebensmittelüberwachung, Wasserverband, Veterinäramt. Das Problem ist also nicht, dass hierzulande zu wenig Stellen eingerichtet wurden, die ein kritisches Auge auf die Landwirtschaft haben sollen. Vielmehr hakt es daran, dass regelmäßig menschliche Ressourcen an Höfen verschwendet werden, die sich bewusst aus dem Verarbeitungssystem verabschiedet haben. Während Großbetriebe zeitgleich ihre Tiere stapeln und selber in Gülle ertrinken, aber sich dabei entweder absolut gesetzeskonform verhalten oder einfach nicht kontrolliert werden.

Weil das ganze System hinterfragt werden muss, haben wir heute als Video einen Talkshow-Ausschnitt mit Landwirtschaftsminister Robert Habeck gewählt, einer der wenigen Grünen, die ihren Ursprung noch nicht vergessen haben. Solche Politiker braucht das Land, und es könnte sich womöglich etwas ändern. Aber das ist noch ein langer Weg und führt erstmal definitiv die nächsten 4 Jahre über eine Große Koalition, an die wir persönlich keinerlei Erwartungen knüpfen, da Lebenshöfe noch nie eine politische Lobby in Machtpositionen besessen haben.

Unbedingt möchten wir uns am Ende dieses Beitrag aber für jede einzelne Spende bedanken. Denn die Butenland-Paten und Unterstützer sind unsere Lobby, und wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir dadurch sehr viel unabhängiger sind und diese Kontrollen zumindest sehr viel entspannter über uns ergehen lassen können.

Video: NDR – 3 nach 9 vom 3.3.2018


Kategorie: Allgemein

10 Antworten zu “Wenn die Kontrolleure klingeln”

  1. Ellen sagt:

    Es ist schon befremdend zu hören, dass ausgerechnet „Butenland“ den regelmässigen Kontrollen „unterliegt“ und wie richtig angemerkt, bei Höfen, die alles andere als normale Zustände hervorbringen, anscheinend großzügig weggeschaut wird. Ich verspreche mir übrigens auch keine nennenswerten Änderungen von der Großen Koalition, die Posten werden verteilt und damit ist es dann auch gut………die Bananenrepublik kommt.

  2. Ute sagt:

    So ein unsinniger, buerokratischer Irrgarten. Noch nicht mal haarscharf am Wesentlichen vorbei, sondern kilometerweit weg.
    „Garnichts Skandaloeses, sondern nur die normale Art, wie wir die Tiere halten und wie sie geschlachtet werden…“? Ich haette doch gedacht, dass die Worte (Nutz-)Tierhaltung und Skandal austauschbar sind….
    Ihr Butenlaender – um auf das gestrige Zitat zurueckzugreifen und es vielleicht auf den Kopf zu stellen: wir helfen Euch, aber wir erhalten so UNENDLICH VIEL MEHR zurueck. Und das traegt fuer manche ungeheuer zu ihrem Leben bei.

  3. ines sagt:

    Hauptsache, Lebenshöfe werden kontrolliert. Dort, wo es dringend nötig wäre, werden alle Augen zu gemacht und Tierschützer wegen Hausfriedensbruch angeklagt.

  4. Irene sagt:

    Vielen Dank für die Erklärungen! Hätte nicht gedacht, daß so viele Behörden kontrollieren, Wasserverband, Veterinäramt und Landwirtschaftskammer kann man ja noch einsehen, aber die Lebensmittelüberwachung im Lebenshof.

  5. Sigrid sagt:

    Hallo Ines, apropos Tierschützer und Hausfriedensbruch gibt es gute Nachrichten: das OLG Naumburg hat am 22.2.18 drei angeklagte Tierschützer, die sich Zutritt zu einer Schweinemastanlage verschafft und dort grausame Zustände gefilmt hatten, in dritter Instanz freigesprochen.
    Der Umstand, daß ein glaubhafter Verdacht gegen den Betreiber der Anlage vorgelegen hat und das Veterinäramt trotz bekannter Verstöße nicht eingeschritten ist, hat zu diesem Ergebnis geführt.
    Dieses Grundsatzurteil wird als richtungsweisend für den Tierschutz betrachtet.

  6. Susanne sagt:

    Die Talk Show mit Robert Habeck als Gast hatte ich auch gesehen. Ich finde gut, wie klar und angstfrei er diese Position – zumal in seinem Amt – vertritt, das ist schon mutig und klasse. Jetzt müsste ggf. nur noch Frau von der Leyen kund tun, dass sie gegen Waffen und Krieg ist…!
    Das ist ja seltsam (und interessant), dass man Lebenshöfe mit den Begriffen und Kreterien aus der Tierindustrie belegt!

  7. Melanie sagt:

    Vielleicht ändert sich tatsächlich mit Leuten wie Robert Habeck zukünftig etwas.
    Wenn man aber sieht, wie die Lebensmittel-Mafia mit der Politik verbandelt ist, schwindet die Hoffnung wieder…..wer tüchtig am Leid der Tiere, aber auch der Menschen denen die ganzen designten Lebensmittel untergejubelt werden, verdient, ist an Veränderungen sicherlich nicht interessiert.

  8. Christine sagt:

    Wie bitte – ein Gnadenhof wird kontrolliert?
    Hätten die mal besser auf die Zustände woanders geachtet, denk‘ da an Klara, die fast verhungert wäre, Paul, der einfach „aussortiert“ wurde, Greta + Lillja viel zu jung zwangsgeschwängert, Fiete in einem dunklen Stalleck festgebunden, Samuell als „Fleischlieferer“ in der Garage gefangen gehalten, Anton von seiner Mama weggerissen + dann im engen, dreckigen Verschlag zwangsgemästet, Julchen + Mama wären ohne butenländische Hilfe einfach gekillt worden – sollen sie doch bitte mal da ein Auge drauf haben.

  9. ines sagt:

    Hallo Sigrid, hab auch davon gehört. Das sind die kleinen Lichtblicke, die Hoffnung machen …. Wir haben mit Amtstierarzt und Veterinäramt bisher auch nur negative Erfahrungen gemacht.

  10. Gabriele sagt:

    Wie immer in dieser kalten, materiellen Welt gehts doch nur ums Geld. Massentieranlagen werfen doch genug Profit ab, warum Kontrolle? Jeder weiss doch wie die Tiere dort leiden. Das ist den Verantwortlichen doch egal, die profitieren doch von diesem Leid und stopfen sich die Taschen mit diesem Blutgeld voll, den eine Krähe hakt der anderen kein Auge aus. Gnadenhöfe sind in deren Augen doch überflüssig, die ärgern sich doch nur, das man diese Höfe bzw. die Tiere dort nicht ausbeuten kann. Um so wichtiger, dass es immer mehr solcher Gnadenhöfe gibt. Sollen sie Euch doch kontrollieren, Ihr habt dabei doch nichts zu verlieren und die Bösen ärgern sich noch mehr, dass sie bei Euch nichts gefunden haben. Vielleicht öffnet sich bei diesen Kontrolleure ja bei seinem Besuch doch einmal ein wenig sein versteinertes Herz und er erkennt, wie liebenswert und schützenswert all die Tiere sind, die auf ihren Tellern landen. Manchmal soll es ja noch Wunder geben.

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