Denn Tiere sind keine Maschinen

Chaya räumt auf

von Admin, am 26.02.2018.


Heute ging es mal wieder sehr turbulent auf Butenland zu, deshalb gibt es ein etwas älteres Video als Wiederholung. Stine ist in unseren Frontlader gelaufen und hat sich dabei die Klaue verletzt. Also stand ein Tierarzttermin an, die 900-Kilo-Dame musste in den Klauenkippstand, und dort örtlich betäubt und genäht werden. Der tapferen Patientin geht es soweit wieder gut, allerdings mussten wir für sie einen Stallbereich abtrennen, da sie jetzt erstmal Ruhe braucht.

Im Video seht ihr Chaya und vor allem die Kraft, die diese Kuh entwickeln kann. Die Aufnahme haben wir ganz bewusst gewählt, denn da gibt es eine Vorgeschichte. Chaya ist zu uns gekommen, weil sie vor dem Schlachthof so jämmerlich geschrien hat, dass eine Tierärztin auf sie aufmerksam wurde und sie schließlich nach längeren Verhandlungen gen Butenland vermitteln konnte.

Diese Geschichte haben wir schon öfter erzählt, nicht so bekannt ist die Tatsache, dass Chaya aus dieser Zeit eine starke Ablehnung gegen grüne Kittel mitgenommen hat. Hier sind deshalb schon Mitarbeiter des Veterinäramts über Zäune gesprungen und auch unser Tierarzt muss sich sehr genau überlegen, was er für eine Farbe wählt, wenn Chaya in der Nähe ist. Heute kam noch dazu, dass sie auch sofort das Blut von Stine bemerkt hat und diesen Geruch ebenfalls mit schlechten Erfahrungen verbindet. Da kann man nicht aufmerksam genug sein, wenn durch solche Erfahrungen eine Kuh oder auch ein Ochse wilde Minuten entwickelt und dementsprechend mal kurz zeigt, wie unterlegen ein Menschlein von der Körperstatur her ist.

Das wollten wir unbedingt auch schreiben, damit nochmal unterstrichen wird, dass wir nicht umsonst die Besuchergruppen auf maximal 8 Leute begrenzen, durch die Bank nur erfahrene Mitarbeiter suchen und auch jedes Angebot auf Wochenendhilfe ausschlagen. Das hat nichts mit einer bösen Absicht zu tun, nur leben hier auf Butenland ausschließlich Tiere, die erstens so frei wie möglich über den Hof laufen, zweitens bei aller Gemütlichkeit und Freundlichkeit vor Kraft strotzen, und die drittens auch alle Vorgeschichten haben, die man kennen und im Umgang mit ihnen beachten muss. Sonst endet man im falschen, grünen Outfit schnell als Strohballenersatz für Chaya oder bekommt auf die harte Tour vermittelt, dass sich Mattis gerne mit Tritten für Heuauslieferungen bedankt. Die Liste der benötigten Vorkenntnisse ist da lang und besteht bei Nichtbeachtung nur aus Erfahrungen, die sicher niemand machen möchte. Die Arbeit auf einem Lebenshof definiert sich eben nur in unseren Videos über Kuscheleinlagen, der Hauptteil ist ein wirklich harter Job, für den man bis zur Beherrschung lange ausgebildet werden muss.


Kategorie: Allgemein

4 Antworten zu “Chaya räumt auf”

  1. Ute sagt:

    Autsch, Stine – das tut weh! Hoffentlich wird’s bald wieder gut! Lass dich verwoehnen!

    Wenn Erinnerungen zum Albtraum werden – arme Chaya! Gut, dass Ihr so verstaendnisvolle und behende Tieraerzte habt!

  2. ines sagt:

    Schon schlimm, wie tief manche schlechten Erfahrungen sitzen, obwohl die Tiere doch bestimmt auch merken, dass sie bei euch in Sicherheit sind. – Gute Besserung für Stine!

  3. Susanne sagt:

    „wie unterlegen ein Menschlein von der Körperstatur her ist.“

    Ja schade, dass wir so viele Mittel und Wege haben, die an sich körperlich stärkeren zu bezwingen und zu quälen.

    Wie gut, dass es manchmal eben nicht geht und sie uns zeigen, wie ausgeliefert wir ihnen sein können, bzw. wie unterlegen wir auch sind! (Natürlich nicht, wenn wir ihnen helfen wollen keine Frage, bitte nicht missverstehen!!)
    Aber es nötigt Respekt ab und das ist doch gut.
    Das mal meine Gedanken dazu.

  4. Christine sagt:

    Gute Besserung für Stine!

    Chaya hat enorme Power – ist nur zu verständlich, dass sie eine Abneigung gegen Blutgeruch + grüne Kleidung hat – sie erinnert sich sehr wohl noch daran, wie schrecklich es im Schlachthaus war.
    An Chayas Beispiel merkt man doch total, wie ähnlich wir alle fühlen.

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