Denn Tiere sind keine Maschinen

Tilly – Aus dem Leben eines Starhuhns

von Admin, am 05.01.2018.


Wie könnte man 2018 besser beginnen, als mit einem Rückblick auf die ersten Butenland-Monate von unserem Starhuhn Tilly? Lehnt euch also zurück und lasst euch von der Hühnerantwort auf Indiana Jones nochmal zu einigen ihrer spektakulärsten Abenteuern mitnehmen. Zum Schluß gibt es auch die allerneueste Episode zu bestaunen, die Tilly Bond ganz aktuell erlebt hat.

Ihre ersten Lebenswochen musste Tilly als Masthuhn verbringen. Die konventionelle Bodenhaltung macht in dieser Haltungsform über 95 % aus. Komischerweise lassen sich Verbraucher auch immer noch durch den Hinweis auf diese Haltung täuschen, wahrscheinlich standen sie noch nie vor den Hühnerteppichen in diesen Ställen und haben auch noch nie gesehen, wie lebende Hühner mit kaum noch vorhandenen Federkleid auf ihren toten Artgenossen stehen.

Diese Zustände sind kaum zu verhindern, denn Anlagen mit 50.000 Hühnern sind die Norm, inzwischen gibt es sogar Ausgaben mit bis zu 200.000 Gefangenen. Eine Besatzdichte von über 10.000 Hühnern pro Stall ist die Regel, mittlerweile geht das Schreckenspanoptikum aber teilweise auch schon hoch bis 40.000 Insassen pro Stall. Längst werden diese Szenarien nicht mehr in Körpern bemessen, man spricht in der Branche lieber von bis zu knapp 40 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter. Je nach Mast werden die Tiere in 30 bis 42 Tagen auf knapp 3 kg Gewicht gemästet.

Da die Masthühner erstens kaum Platz und zweitens ab einer fortgeschrittenen Mastperiode auch gar nicht mehr die Kraft für Bewegungen haben, liegen sie die meiste Zeit auf dem Stallboden, wenn nicht auf Artgenossen. Logisch, dass so etwas Verhaltensstörungen begünstigt, ebenso ist klar, dass sich Hühner in diesen Lagen öfter selbst erdrücken. Die hohe Besatzdichte wirkt sich natürlich auch auf das Stallklima aus, Wärmestaus entstehen und die Luft reichert sich mit Ammoniak an, was wiederum zu Atemwegserkrankungen führt, sich aber auch auf die Augen auswirkt.

Damit ist die Spitze der Perversitätenhitparade aber nicht erreicht, denn den Masthühnern wird außerdem ihr Sättigungsgefühl weggezüchtet, damit sie möglichst schnell Gewicht ansetzen. Auch unsere Tilly wächst jeden Tag ein Stückchen mehr, man kann sie fast dabei beobachten. Deshalb steht auch heute schon fest, dass auch sie nicht auf ihre natürliche Lebenserwartung bauen kann, sondern dass vorher der Körper aufgeben und ihr Gewicht nicht mehr tragen wird.

Das Einzige, was wir dagegen tun können, ist ihr soviel Auslauf wie eben möglich zu gewähren, was aber auch dazu führt, dass sie verstärkt zu Essensquellen gelangt und dort ihren nie versiegenden Appetit stillt. Was bleibt, ist ihr die Restlebensspanne so artgerecht wie eben möglich einzurichten, auch wenn das eine mehr als schale Entschuldigung dafür ist, was ihr die Bestie Mensch angetan hat.


Kategorie: Allgemein

5 Antworten zu “Tilly – Aus dem Leben eines Starhuhns”

  1. Ute sagt:

    Trotz dem Wissen um die Grausamkeiten in der Nutztierhaltung scheint es immer schlimmer zu werden. Ich kann das Denken von Menschen einfach nicht auch nur andeutungsweise verstehen. Wie kann’s trotz der Tatsachen ueberhaupt noch jemandem schmecken? Wie tot Menschenherzen doch sein koennen…
    Ein kleiner, entzueckender Lichtstrahl im Dunkel der Realitaet – Tilly!

  2. Susanne sagt:

    Man fragt sich ja, wer eigentlich derartig gequälte, künstlich hochgezüchtete Kreaturen essen möchte, sprich solch schlimme Energien in seinem Körper als sogenannte „Nahrung“ haben möchte…kann nicht gesund sein, oder??!!

    Themenwechsel: Köstlich, dass ihr von einem artgerechten Leben sprecht…so eines mit Treckerfahren und in Betten schlafen, näch. 😉
    Toll, was dieses Huhn erleben darf und so ggf. auch den Hunger immer wieder besser erträgt. Berührend wie sie sich ins Bett legt und auch süß, dass Eberhard sich scheinbar garnicht bewegen mochte/wollte, als sie auf ihm stand.

  3. Admin Admin sagt:

    Na ja, halt artgerecht im Sinne von gerecht. Und nachdem, was man Tilly angetan hat, ist es nunmal mehr als gerecht, dass sie hier ihr persönliches Fantasialand zur Verfügung gestellt bekommt. 🙂

  4. ines sagt:

    Es ist wunderschön zu sehen, wie Tilly die Welt entdeckt und wie wunderbar gelassen alle Butenländer auf Tillys Neugier reagieren.

  5. Christine sagt:

    Tilly ist einmalig!

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