Denn Tiere sind keine Maschinen

Jule und Mama Jette – Ein Muuhpedia-Beitrag zum Thema Milch

von Admin, am 17.08.2017.

Direkt nach der Geburt leckt die Mutter ihr Kind trocken und muht dabei tief und intensiv. Das steigert direkt von den ersten Lebenssekunden an die Bindung zwischen ihnen. Das Lecken mit gleichzeitiger Ansprache wird auch in der Folgezeit ständig betrieben, so dass das Kalb seine Mama nach 2, 3 Tagen bereits an der Stimme erkennen kann. Die Kuh selber identifiziert ihr Kind nicht nur anhand seiner Laute, sondern kann auch den Geruch ihres Nachwuchses jederzeit zuordnen.

In der ersten Lebenswoche trinkt das Kalb 6 – 8 Mal täglich bei der Mutter, immer über mehrere Minuten, und nimmt dabei pro Trinkvorgang mehrere Liter Muttermilch auf. Dabei bleiben die Kälber noch an abgeschirmten Orten liegen und werden von der Mutter dort regelmäßig aufgesucht. Aber der 2. Woche führt die Kuh ihr Kind zur Herde. Wenn es dort mehrere Kälber gibt, wird ein Kindergarten innerhalb der Herdenhierarchie gegründet, der von erfahrenen Rindern beaufsichtigt wird. Die Mutter sucht ihren Nachwuchs nur noch circa viermal täglich auf, um ihn zu säugen und zu belecken, während das Kalb selber immer mehr pflanzliche Nahrung zu sich nimmt. Ab dem 2. Monat begibt sich das Kalb immer eigenständiger in die Herde, um dort zu spielen, zieht sich aber auch noch regelmäßig zu den Freunden in den Kindergarten zurück. Ab dem 5. Monat beginnt das Rind immer mehr in der Herde zu weiden und das Leben immer durchgehender im Verband zu verbringen.

Weibliche Rinder werden von den Müttern nach circa 8 bis 9 Monaten auf die eigenen Füße gesetzt, während die männlichen Kälber etwas länger für ihre Eigenständigkeit brauchen, da wurden 11 bis 12 Monate oder der völlig außer der Reihe laufende Mattis-Riesenbaby-Zeitraum beobachtet. Überhaupt sind das nur lose Richtwerte. Die Butenland-Live-Erfahrung ist, dass Martin bei Martina ein Jahr ans Euter durfte und danach jeder Versuch verweigert wurde, während Mattis von Dina 3 Jahre gesäugt wurde und noch heute hin und wieder Milchschaum abstaubt, während Jule mit ihren 1 1/2 Jahren noch circa zweimal täglich bei Jette trinkt. Die Bindung innerhalb der Familie bleibt aber in den meisten Fällen von der Absetzung sowieso unberührt. Oft weiden verwandte Rinder noch zusammen, beleckt werden sogar ausschließlich Familienmitglieder.

Zum Schluß noch ein paar erschreckende Entwicklungen: In den 50er Jahren gab eine Kuh durchschnittlich 2.600 Liter Milch im Jahr. 1980 waren es schon 4.548 Liter, 1998 lag der Wert bei schon viel zu hohen 5.750 Litern, während er sich heute auf erschreckende 8.000 Liter jährlich eingependelt hat. Und das ist wie erwähnt nur der Durchschnittswert, „Spitzenkühe“ werden heutzutage dazu gezwungen, fast die 20.000 Liter-Marke pro Jahr zu errreichen. Dabei muss man wohl nicht extra erwähnen, dass sich das Euter oft bis auf das Zehnfache vergrößert hat.


Kategorie: Allgemein

6 Antworten zu “Jule und Mama Jette – Ein Muuhpedia-Beitrag zum Thema Milch”

  1. Ute sagt:

    Also ein von der Natur gut entwickeltes Erziehungssystem, das seine Wurzeln in der Geborgenheit der Herde haben koennte, wenn der Mensch das nur nicht aufs Grausamste unterbinden wuerde!
    Und diese die Milchproduktion anbelangenden Zahlen sind einfach nur katastrophal fuer die betroffenen Kuehe – kein Wunder sie sehen in ihrem noch jungen Erwachsenendasein wie ausgemergelte Greise aus. Man muss sich da nur an das Foto der skelettartigen Gestalt Klaras erinnern….

  2. margitta sagt:

    dies beobachtungen decken sich auch mit anderen tieren, z.b. den wölfen, die ja neuerdings auch bei uns verfolgt werden, obwohl sie noch nicht gesichtet wurden.sie sind überaus sozial und kommunikativ, um mal über den tellerrand hinauszuschauen.

  3. Christine sagt:

    Ist das liebevoll, wie Jette ihre Jule♡ füttert.
    Julchen umkreist Mama ganz begeistert + möchte noch ein bisschen Nachschub.
    Jeder, der Pflanzenmilch verwendet + anderen das auch versucht, schmackhaft zu machen, hilft schon wieder mit, Positives zu bewirken.

  4. margitta sagt:

    liebe christine, soll ich der großmutter, die ihren enkeln ein überleben in ruanda mit einer kuh sichert, (sonst gilt sie nichts in ruanda), die pflanzenmilch schackhaft machen? ich glaube, dass wir allzusehr im wohlstandsdenken verhaftet sind.wir können auswählen und frei entscheiden, ein unglaublicher luxus!

  5. Admin Admin sagt:

    Und weil wir auswählen und frei entscheiden können, ist jeder Vergleich mit Großmüttern in Ruanda auch unangebracht.

  6. margitta sagt:

    hallo admin,
    die frage richtete sich an christine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.