Denn Tiere sind keine Maschinen

Muuhpedia

von Admin, am 26.04.2017.

Unser heutiges Foto zeigt die 14jährige Mieke, die zum Glück nie auf ihre Hörner verzichten musste. Viele Menschen gehen davon aus, dass sich Rinder durch ihre Hörner gegenseitig verletzen können, das ist aber nicht nur falsch, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Starke Kopfschmerzen bis hin zu Kopfverletzungen stehen nur an, wenn Rinder ihre Rangordnungskämpfe ohne diese Hilfsmittel bestreiten und so frontal mit der Stirn gegeneinander prallen. Diese Kämpfe sind gerade für Rinder unerlässlich, da diese Tiere Familien gründen und innerhalb der Herde eine soziale Hierarchie schaffen. In der gesamten Butenland-Historie kam es noch nie zu einem Unfall bei diesen eleganten Fechtkämpfen.

Darüberhinaus ersetzen Hörner sowohl Emily als auch die Kuhputzmaschine, wenn weder Mensch noch Gerät gerade mal in Reichweite sind, denn mit ihnen kommt man auch an die schwierigste Juckstelle am Körper. Auch als Tischbesteck oder Heuhaufenzerteilungshilfe werden sie gerne benutzt, und das mit außerordentlicher Geschicklichkeit.

Außerdem fühlen Rinder mit ihren Hörnern, da diese mit Nervenbahnen durchzogen sind. Durch diese Bahnen dienen sie den Arten in wärmeren Gebieten sogar als praktische Klimaanlage, über die Körperwärme abgegeben werden kann.

Auch für die Kommunikation untereinander und mit dem Umfeld sind sie unverzichtbar, die klappt zwar auch ohne Hörner, wirkt dann aber so, als würde ein Mensch eine Sprache nicht richtig beherrschen.

Unglaublicherweise helfen sie Rindern sogar bei der Verdauung, da ihre Nasennebenhöhlen bis weit in das Horn hineinreichen. So gehen Verdauungsgase nach jedem Rülpser beim Wiederkäuen bis in die Hornspitzen, wodurch die Schleimhäute der Nebenhöhlen wahrnehmen können, was gerade im Pansen abgeht. Die Kinder unter den Lesern können gerne versuchen, das als Ausrede zu benutzen, wenn es nach dem Essen mal wieder lauter wird.

Auf jeden Fall sollte nun jedem klar sein, was man Rindern antut, wenn man sie hornlos züchtet oder ihnen diese enorm wichtigen Quasi-Gliedmassen in der Kindheit ausbrennt. Das ist und bleibt eine Verstümmelung, vergleichbar mit einer Handamputation beim Menschen.


Kategorie: Allgemein

9 Antworten zu “Muuhpedia”

  1. ulla39 sagt:

    ich kann über die vielfältigen Aufgaben der Hörner zur staunen. Ich war unbedingt dafür, daß die Rinder ihre Hörner behalten, hätte die Gründe aber nicht benennen können.
    Danke, Ihr Butenländer fürs Erklären.

  2. Dagmar sagt:

    Genau, liebe Ulla!
    Wir hatten uns vor 2 Jahren hier mal über die Wichtigkeit der Hörner unterhalten. Ich habe aber schon fast alles wieder vergessen.
    Ich erinnere mich aber noch daran, dass die Qualität der Milch bei behornten Kühen um vieles besser ist als die, der verstümmelten Kühe.
    Für mich geht nichts über Hafermilch oder Reismilch 🙂
    Danke, Admin, für die Erinnerung.

  3. Inga sagt:

    Auch von mir Danke für die Erinnerung. Wobei ich mir die Sache mit den Nebenhöhlen sicherlich gemerkt hätte, wenn ich je davon gehört hätte. Aber auch jetzt ist mir das noch nicht ganz klar. Was haben die Nebenhöhlen von ihrem Wissen über die Vorgänge im Pansen? Bzw. was hat Mieke davon, dass ihre Nebenhöhlen wissen, was im Pansen los ist?

  4. margitta sagt:

    ähnlich schlimm finde ich das abrasieren oder einflechten der mähne bei pferden

  5. Ellen sagt:

    Danke für die ausführlichen Infos. Einiges davon wußte ich wirklich noch nicht.

  6. Admin Admin sagt:

    Hallo, Inga, hier nochmal die nicht ganz so unterhaltsame, dafür sehr informative wissenschaftliche Erklärung:

    „Der Hornzapfen ist der innerste Teil des Horns. Er besteht aus Knochen und ist fest mit dem Stirnbein des Schädeldachs verwachsen. Er ist kegelförmig und hat an seiner äußeren Oberfläche grobe Längsrillen. Diese tragen durch die Oberflächenvergrößerung zu einer guten Verbindung der Hornscheide mit dem Hornzapfen bei.

    Wo der Hornzapfen mit der Hornscheide bedeckt ist, ist sein Durchmesser größer und an der Basis etwas eingeschnürt (Hornzapfenhals). An dieser Übergangsstelle befinden sich Eingänge großer Blutgefäße in den Knochen. Im Inneren ist der Hornzapfen von den gekammerten Hohlräumen der Stirnhöhlen durchzogen.

    Sie reichen mit zunehmendem Alter bis fast ans Ende des Hornzapfens und sind mit einer feinen Schleimhaut ausgekleidet. Bei jedem Atemzug werden sie von der durch die Nase streichenden Luft durchlüftet. Da die Atmungsluft der Kuh immer mit Gasen aus dem Pansen gemischt ist (die Kuh rülpst jede Minute ein- bis zweimal), gelangen Pansendüfte bis in die Höhlen der Knochenzapfen.“

  7. Christine sagt:

    Wieder viel dazugelernt – danke!
    Mieke ist sooo hübsch auf dem Foto getroffen – eine ganz ganz liebe Kuhdame.

  8. Inga sagt:

    Vielen Dank, Admin! Ich hoffe, die Düfte aus dem Pansen sind angenehm und steigern den Genuss. Jedenfalls freue ich mich sehr, dass Mieke selbst so viel hat von ihrem stattlichen Gehörn.

  9. Ines sagt:

    Vielen Dank für diese Informationen! Ich hätte auch intuitiv gesagt, dass eine Kuh ihre Hörner behalten muss, denn umsonst hat die Natur das ja nicht eingerichtet, für irgendwas muss das ja gut sein. Nun weiß ich es und kann es jederzeit nachlesen! 😉

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