Denn Tiere sind keine Maschinen

Wie geht es Minna und Stine?

von Admin, am 06.03.2015.

stine, paul und minna

Minna (15 Jahre alt) und ihre Tochter Stine (7 Jahre alt) konnten Mitte Februar gerade noch rechtzeitig gerettet werden. In ihrem vorigen „Zuhause“ hatten beide seit der Geburt von Stine in Anbindehaltung leben müssen.

Man kennt Verhaltensstörungen und -stereotypien von Zootieren in reizarmer Umgebung und zu kleinen Gehegen – solche Auffälligkeiten zeigen auch Minna und Stine nach der jahrelangen Deprivation: Sie reagieren panisch beim Kontakt mit anderen Rindern, laufen weg und stellen sich mit Blickrichtung gegen die Wand. Uns ist dieses panische Verhalten noch von Samuell und Fiete in Erinnerung, die bis zu ihrer Rettung ebenfalls isoliert in einem dunklen Raum ohne Bewegungsmöglichkeiten ausharren mussten.

Sowohl Rinder in Intensivhaltung wie auch in anderer nicht tiergerechter Haltung weisen eine Reihe solcher Stereotypien und abnormaler Verhaltensweisen auf, hierzu zählen unter anderem ein pferdeartiges Aufstehen aufgrund von Platzmangel, das Abwetzen der Hörner an der Stallwand oder das Schlagen mit dem Kopf gegen die Standbegrenzung (dies wurde insbesondere bei Kälbern in Anbindehaltung beobachtet).

Elementare artspezifische Grundbedürfnisse wurden bei Minna und Stine unterdrückt: Sie hatten keine Möglichkeit, Lauf-, Fress-, Leck-, Kratz- oder Ruheverhalten in dem Umfang auszuleben, wie es für ihre Gesundheit nötig und wichtig gewesen wäre.

Die körperlichen Folgen der langjährigen Vernachlässigung sind ebenso immens wie die psychischen Schäden: Minna und Stine haben ein verkümmertes Binde- und Stützgewebe, die Gelenke knacken, sie bewegen sich wie auf Gummibändern. Stine hat sich nun auch ein Horn abgebrochen – sie weiß in Bewegung nicht, wofür dieses Werkzeug nützlich ist. Minna hat heute einen Zahn verloren.

Minna und Stine leben bei uns bislang in einem abgetrennten Bereich des Offenstalls und lassen nur die Nähe der Kälber Emma und Paul zu, vermutlich empfinden sie die beiden Kleinen nicht als bedrohlich.

Foto: Stine, Paul und Minna

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Kategorie: Kühe

25 Antworten zu “Wie geht es Minna und Stine?”

  1. Luna sagt:

    Es ist schon wirklich schlimm,was den Beiden angetan worden ist,welche Folgen dies nun für sie hat.
    Es wird sicherlich eine lange Zeit und viel Geduld und Liebe brauchen,bis die Zwei „herausfinden“,wie ein gutes und schönes Leben „funktioniert“.
    Liebe Mira,vielleicht eine dumme Frage,aber Kühe lernen doch sicherlich auch voneinander,oder?
    Sie erkennen sich doch auch nach langer Zeit wieder und haben richtige Familienbande.
    Es wäre schön,wenn Minna und/oder Stine „sehen“,dass sie nun in Sicherheit sind.
    Ihre Seelen sind so verletzt worden.
    Wunderbar dass die Kleinen in ihre Nähe können.
    In kleinen Schritten,ganz langsam…..
    Nebenbei:Wir haben hier eine sehr geschundene und mißhandelte Katze,einäugig,eine Gesichtshälfte fast ganz zerstört.Sie ist nun schon einige Jahre bei uns,hat,wie es in ihrem Maße möglich ist,Vertrauen zu uns gefasst.
    Allerdings ist sie nach wie vor mit ,sagen wir mal, Vorsicht zu geniessen.Sie erschreckt sich sehr schnell,hat vor unbekannten Geräuschen panische Angst und großartig kuscheln und streicheln geht gar nicht.
    Sie lebt hier in der Katzengruppe,wird akzeptiert und in Ruhe gelassen,geniesst ihr Futter und ihre Leckerchen und wenn sie unsere Nähe möchte, macht sie sich bemerkbar.
    Sie hat auch nur einen sehr begrenzten Radius,was ihre Toleranz betrifft.
    Flucht und Angriff sind bei Unsicherheit ihre Strategie.
    Manchmal frage ich mich,was aus Stine,Minna und allen anderen geworden wäre,hätten Menschen sie nicht zu dem gemacht, was sie nun heute sind.
    Nichtsdestotrotz bleibt sie unsere einäugige Schönheit und wir würden sie niemals weggeben.
    Sie kann ja nichts dafür,das sie so geworden ist.
    Ich wünsche Euch,dass Stine und Minna zumindest irgendwann spüren,dass sie nun bei Euch zu Hause sind.
    Wir denken an Euch!

  2. elke sagt:

    Ich bin ehrlich tief erschüttert. Was ist bloß mit manchen Menschen los? Ich werd’s nie verstehen. Aber ich habe große Hoffnung dass Ihr das Unmögliche schafft!!

  3. Dagmar Kuenzel sagt:

    Es ist wirklich eine Schande, was diesen armen Tieren angetan wurde. Dass sich solche Menschen nicht schaemen!? Ich bin ausser mir. 15 Jahre an der Kette und keinen Platz um richtig schlafen zu koennen…Unglaubliche Qual…
    Das Horn abbrechen tut sicher weh. Das hat sie sich doch auf dem Transport schon verletzt, oder?
    Wenn sich die beiden ein wenig eingelebt haben, Paul und Emma sind sicherlich eine Hilfe, und sich etwas mehr bewegen, werden dann die Gelenke wieder besser?
    Ich wuensche den beiden, dass sie bald Vertrauen finden und merken, dass die schlimme Zeit vorbei ist. Dass sie endlich durch die Wiese laufen und sich an der Freiheit freuen koennen.

  4. Karsten sagt:

    Ich denke, ich verstehe, was mit den beiden Kuhdamen los ist… die brauchen noch etwas mehr Zeit. Allerdings denke ich, das sie es trotzdem schaffen werden, noch ein 2. Leben zu beginnen.
    Ich finde es schön, das ihr über beide Kuhladies berichtet und vielleicht sind ja gerade die beiden jungen Tiere eine gute Medzin?
    Wie kommt eigentlich Emma mit Paul zurecht? Nun ist ja er der Kleinste und sie muß sich die Aufmerksamkeit, die sonst für sie alleine gedacht war, mit ihm teilen? Sind sie Freunde geworden?

  5. Liebe Luna,

    ja klar, Kühe sind sehr intelligent und lernen durch Zuschauen, Nachmachen, Üben, Ausprobieren. Ich glaube, Banana war es damals, die einfach nicht auf die Weide wollte – so dachten wir jedenfalls, bis wir merkten, dass sie Angst vor dem Übergang zwischen Betonweg und Weide hatte. Frieda hat sie schließlich durch Anstupsen dazu gebracht, erst einen Schritt und dann noch einen auf den unbekannten Untergrund zu tun. Sie war einfach komplett überfordert mit etwas eigentlich so Alltäglichem…

    Man muss sich den psychischen Zustand dieser Tiere in etwa wie die Situation der RAF-Leute vorstellen, die in Stammheim in Isolationshaft saßen. Man weiß relativ gut, was solch eine Deprivation nach sehr kurzer Zeit (wenigen Tagen und Wochen) psychisch bei Menschen anrichtet (es können keine zusammenhängenden Gedanken mehr gefasst werden, Erschöpfungszustände, Wahrnehmungs- und Konzentrationsstörungen, teilweiser Verlust der Sprachfähigkeit und und und – siehe z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Isolationshaft)

    Die körperliche und auch die psychische Leidensfähigkeit von nichtmenschlichen (Säuge)Tieren ist der von Menschen sehr ähnlich, daher kann man wohl annehmen, dass die sieben Jahre währende Haltung in Ketten bei Minna und Stine möglicherweise irreparable Schäden hinterlassen hat.

    Eine Richtigstellung: Minna hat sich während der Ankunft beim Aussteigen aus dem Transporter ein Horn abgebrochen. Stine hat sich jetzt ebenfalls eines verletzt.

  6. susanne68 sagt:

    Es ist tröstlich, dass die Beiden die Kinder an sich veranlassen. Es mag ein Anfang sein, sozusagen ein erster Übungsschritt zum Umgang mit den anderen Rindern. Brechen Hörner eigentlich leicht, oder hängt das mit dem Nährstoffmangel zusammen? Ich hoffe, wie Karsten, dass mit mehr Zeit das Vertrauen in die neue Situation und die anderen Rinder wächst.

  7. Tina sagt:

    Ich denke schon das wenn die Körper der beiden in so einem schlechten Zustand sind, das die fehlenden Nährstoffe die Hörner brechen lassen (ist ja bei unseren Nägeln auch nicht anders).
    @Liebe Mira, habt ihr schon mal von Reconnective Healing gehört? Damit habe ich bei meinen Pelzpiraten in 2 Fällen einen Durchbruch erreicht, Beispiel: ein chronischer Schnupfer mit Calici positiv der jetzt nur manchmal noch schnorchelt und kein Calici mehr nachzuweisen ist.
    Minna und Stine euch wünsche ich von ganzem Herzen einen Weg zurück ins Leben.

  8. Ulla39 sagt:

    Grausam, was Menschen anderen Geschöpfen antun.

    Wie beruhigend, daß es die Butenländer gibt und natürlich Paulchen und Emma.

  9. Wolfgang sagt:

    Ich fühle mit Minna und Stine so sehr mit und kann Sie so gut verstehen.
    Minna und Stine sind nicht so arm, sie hatten ja sich Beide und sie haben sich Beide, auch wenn sie sich nicht berühren konnten, und ein bisschen zusätzlich jetzt auch Emma und Paul.
    Sie haben trotz Ketten und Dunkelheit Möglich-keiten der Verständigung und seelischer Interaktion gefunden, da bin ich mir sicher weil sie sehr intelligent sind wie alle Kühe!
    Man kann die Zeit, „Ihre Zeit gemeinsam, durch Ketten getrennt“, nicht einfach ungeschehen machen.
    Sie können jetzt nicht einfach vergessen was einen Schwerpunkt ihres Lebens ausgemacht hat,
    sicherlich sind sie allerschwerst traumatisiert.
    Viel viel viel Ruhe und Liebe aber auch ein Wille
    zum Leben und zur Veränderung der letztendlich von ihnen selber kommen muss könnten ein kleines Wunder bewirken!
    Mein Herz bleibt bei Minna und Stina, dass Sie die Kraft zur Liebe und Freiheit finden und bei den liebenden Butenländern/innen und bei Emma und Paul welche so fleissig dabei helfen.
    Vielleicht ist der Bruch ihrer Hörner bereits ein symboplisches Zeichen für den Bruch mit ihrer so
    traurigen und quälenden Vergangenheit hin zum Licht, zur Liebe und zur Freiheit, ich wünsche es ihnen so von Herzen!

  10. Doris sagt:

    Das sieht nicht gut aus. Bei Gisela sah es damals aber auch nicht gut aus, und was hat sie sich noch einmal gut erholt.
    Aber da ist jedes Individuum bzw. jeder „Fall“ anders gelagert.
    Der Frühling steht vor der Tür, da kann vielleicht auch bei den beiden noch einmal ein Anschub kommen. Die körperlichen Mangelerscheinungen werden schwerlichst zu beheben sein. Da wird wohl auch von der Veterinär-Medizin keine große Hilfe kommen können.
    Ein Jammer. Da bekommen Kühe Gucklöcher in den Bauch, um zu sehen wie neues Kraft-Futter verwertet werden kann, aber für die ausgemergelte Kreatur steht nur der Schlachter bereit? Was ist denn das für eine Gesellschaft.

  11. Wolfgang sagt:

    Sie hatten immer sich Beide, liebe Doris, das hat ihnen geholfen zu überleben, ich glaube fest daran
    dass Sie es schaffen und Stine ihren ersten Schmetterling erleben wird.

  12. Luna sagt:

    Danke,liebe Mira,für Deine Antwort:).Das läßt doch hoffen.
    Ich bin mir ganz sicher,dass Minna und Stine nach ihrem eigenen Tempo und auch nach ihren eigenen Möglichkeiten „gesunden“.Jede so,wie es für ihre Persönlichkeit noch möglich ist.
    @Tina:“Pelzpiraten“:):).
    Wie goldig ist das denn?
    Habe ich noch nie gehört.
    Einfach nur so süß!

  13. Dagmar Kuenzel sagt:

    @ Wolfgang
    Du schreibst immer so schoen. Wenn ich Deine Saetze lese, ist es immer genau das, was ich fuehle. Deine Worte sind wie ein Pflaster auf ein aufgeschlagenes Knie. Ich hoffe fuer Minna und Stine, dass Paul und Emma so ein Pflaster auf ihre geschundenen Seelen sind.

  14. Wolfgang sagt:

    @Dagmar,
    Ja, das hoffe ich auch, das wäre ganz wunderbar
    und so schön für die Beiden, ganz bestimmt schaffen das Emma und Paul(chen)!

  15. Admin Admin sagt:

    Lieber Karsten,

    Emma ist schlau und gerissen. Sie kommt mit allen klar, obwohl sie rangniedrig ist. Sie ist überall dabei und drängelt sich durchs Rinderleben…

    Paul ist sehr eingeschränkt und lässt sich von Emma nicht motivieren, obwohl sie es immer versucht… Er möchte immer bei Stine und Minna sein, aber wir schieben ihn tagsüber mal in die Herde…..

    LG, Karin

  16. susanne68 sagt:

    Danke, Karin, für diesen Einblick ins Herdenleben der jüngsten Butenländer.

    @Wolfgang: Schön, dass du uns wieder Stines Schmetterling in Erinnerung rufst. Das ist ein schönes tröstliches Bild.

  17. Wolfgang sagt:

    Paul spürt die enge Verbundenheit zwischen Minna und Stine und fühlt in diesen Banden sich geborgen,
    irgendwie auch ein kleines Glück!

  18. Cornelia sagt:

    wie immer tausend Dank für eure pofessionelle Rinder-Lehrstunde!!!!
    Je mehr viele Menschen wissen um diese Dinge, um so besser können sie in den üblichen Stammtischrunden dagegen halten.
    Bei den Menschen wird jeder Pups psychologisiert und aufwendig therapiert. Skandalös, mit welcher Härte auf die Psyche der Tiere geschaut wird.

  19. Susanne sagt:

    Wie kommt Paul zu den beiden herein, ist der Teil des Stalls offen… dann könnten ja auch die großen Rinder kommen…bzw. die beiden raus gehen?

    Ich wünsche den beiden, dass sie es schaffen und ihrem Gefängnis, dem jetztigem Erlebnis- und Gefühlschaos entrinnen können!!! Vielen Dank für eure Aufklärung und Darlegung der Situation! Hoffentlich geht es auch diesmal gut und sie können ihr Leben und Hof Butenland noch eine gaze Weile genießen, schön wärs und ihnen und allen Beteiligten zu wünschen allemal! Ihr stemmt ganz schöne Herausforderungen in eurem Alltag!!

  20. Susanne sagt:

    Ich schrieb: „bzw. die beiden raus gehen?“

    Ich weiß, dass die beiden das garnicht wollen, ich will nur wissen, wie die Situation ist und wie Paul zu den beiden hereinkommt – wie ihr das händelt.

  21. Der Offenstall kann mittels Holztor geöffnet und geschlossen werden. Nachts sind Emma und Paul bei Stine und Minna, morgens trabt Emma dann meist begeistert zur großen Herde, Paul müssen wir wie gesagt immer erst überreden…

  22. Susanne sagt:

    Ahja, danke der Info! Gute Idee von euch die kleinen zu ihnen zu lassen!

  23. Annette sagt:

    Wie schrieb Dagmar letztens so wunderschön in Bezug auf Gisela: „Gisela, meinen Tränen für dich…“

    Den Satz fand ich so berührend – er drückte genau das aus, was ich empfand bei den Filmen zu Gisela.

    Genau so geht es mir jetzt wieder, wenn ich diese Zeilen und auch eure Beiträge zu Minna und Stine lese – deshalb… Minna und Stine, meine Tränen für euch…

  24. anke hertle sagt:

    Mir ging dieser Beitrag,echt an die Nieren.Ich weiss,was Isolation heisst und deren Psychischen Folgen.Jeder der der das gleiche Schiksal teilen muss,wie ich weiss von was ich rede (Säuglingsheim),es begleitet einen, ein ganzes Leben.Und dan wird von der Geselschaft erwartet,dass man diese Defizite,(die durch den Menschen, dem Kind zugetragen wurde),gefäligst abzulegen hat.-Es geht nur segr schwer,oder garnicht!Man kan soetwas jeztz nicht mit so einem Fall vergleichen,trotzdem sind doch einige Paralele,bei Mensch u Tier zu finden.

  25. Doris sagt:

    An @anke hertle:
    Sag trotzdem ja zum Leben!
    Viktor Frankl

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